YOU TOO CAN BE LIKE US – 100 JAHRE HEBBEL-THEATER
Am 29. Januar 2008 wird das Hebbel-Theater 100 Jahre alt. Beim Blick auf die Geschichte des Hauses stellt man fest, dass die Jahre unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg die Zeit waren, als das Theater Geschichte geschrieben hat. Karl Heinz Martin, Fritz Kortner und Jürgen Fehling arbeiteten hier; auch Gründgens gab hier sein Comeback. Alle anderen Theater in den Westsektoren waren zerstört. Die Slogans der Amerikaner wie “You too can be like us“ bringen einen heute zum Lachen – aber natürlich sind wir geworden wie sie. Das beinhaltet Glück und Unglück im selben Moment. Das „Re-Education“-Programm durchzieht die Nachkriegsgeschichte und wirkt als Vorbild oder vermeintlich wiederholbare Geschichte bis zum unsäglichen Irak-Krieg. Grund genug, genauer hinzuschauen, wie dieser Umerziehungsprozess vonstatten ging. Teil des Programms ist Rabih Mroués Produktion über 40 Jahre libanesischen Bürgerkrieg und eine Lecture von Francesco Vezzoli, der in seinem amerikanischen Wahlkampf-Spot mit Bernard-Henri Lévy und Sharon Stone (zu sehen auf der Biennale in Venedig) Fragen nach demokratischen ‚Heiligtümern’ neu gestellt hat.
In den letzten 4 Jahren hat keine Gruppe die Arbeit des HAU mehr geprägt als Rimini Protokoll. Deren Realitätsrecherche verbindet sich mit dem sozialen Anspruch, dem wir nachzugehen versuchen. Produktionen wie „Cargo“ und „Wallenstein“ touren durch ganz Europa, „Mnemopark“ durch weite Teile der Welt. Im Jubiläumsmonat haben wir das Glück, gleich zwei Premieren von Rimini Protokoll zu haben: Am 5. Januar „Breaking News - das Tagesschauspiel“ und am 1. Februar „100 Prozent Berlin“ zum 100jährigen Jubiläum des Hebbel-Theaters. Damit sind die drei Regisseure erstmalig im HAU 1 präsent. Im Anschluss an die Premiere werden Sie, das Publikum, zu Stars des Abends und sind eingeladen, mit einem vollständigen Sinfonieorchester Karaoke zu singen. Vor dem HAU 2 wird das „Küchenmonument“ von raumlaborberlin aufgestellt - eine durchsichtige Blase, in dem Anwohner für Anwohner kochen werden.
Caden Manson von der Big Art Group richtet sein Verfahren des „Cinema Fury“ ein, um Douglas Sirks „Imitation of Life“ zu bearbeiten. Noch unter seinem Namen Detlef Sierks hatte der spätere Hollywood-Regisseur Anfang der dreißiger Jahre am Hebbel-Theater inszeniert. „Imitation of Life“ ist ein ‚sehr amerikanisches Kino’: es schwelgt in Farben und Gefühlen, das Melodram lässt den Zuschauer in seinen Gefühlen ‚schmoren’. Caden Mansen wird auf mehreren Leinwänden Lana Turner auf den Geist von Elisabeth Bergner und Fritz Kortner treffen lassen - eine Geisterbeschwörung im Stil von „Flicker“ mit seinen harten und schnellen Schnitten.

Das Programm zum 100-jährigen Jubiläum des Hebbel-Theaters ermöglicht aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Medienpartner: radioeins