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RE-EDUCATION - YOU TOO CAN BE LIKE US / THEMATISCHES WOCHENENDE |
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18. UND 19. JANUAR 2008
Re-Education nannten die US-Amerikaner ihre Form der Umerziehung in Deutschland nach 1945. Das vorrangige Ziel der Bemühungen war es, einen eigenen funktionierenden demo-kratischen Staat in Deutschland zu etablieren. Hierzu lieferte man wirtschaftliche und struktu-relle Unterstützung, die medial flankiert wurde. Dabei galt der amerikanische Lebensstil, der „American Way of Life” als Lockmittel. Slogans waren zum Beispiel „You too can be like us”, „Crime does not pay” und „Equality of Man”. Ohne Zweifel hatte dieses Projekt, das zu Teilen durch den Marshall Plan realisiert werden konnte, den Charakter einer Befreiung vom Fa-schismus. Vor dem Hintergrund aktuell gescheiterter Re-Education-Versuche im Irak und Programmen wie „Nation Building” und „Democracy Promotion” stellt sich die Frage nach hegemonialen Interessen, die hinter Schlagworten wie Demokratie und Freiheit sowie hinter dem Verspre-chen von globaler Prosperität verschwinden, neu. Optimismus wurde spätestens seit Ende des 2. Weltkrieges zur zentralen Stimmung einer fortschrittsorientierten Gesellschaft. Ganz im Gegensatz zum Re-Enactment setzte Re-Education auf Verdrängung belastender Ge-schichte und glorifizierte das Versprechen zukünftigen Reichtums. Wir haben Künstlerinnen und Künstler, Geisteswissenschaftlerinnen und Filmemacher einge-laden, sich mit Geschichte und ihrer Repräsentation am Beispiel der Re-Education zu befas-sen. Zum Thema wird dabei die Unmöglichkeit, Geschichte einzuholen und erfahrbar zu ma-chen ebenso wie die Notwendigkeit, sich mit den Verbrechen des Krieges zu beschäftigen. Immer wieder zeigt sich die Bedeutung der Medien, deren Bilderpolitik sowohl in „kalten“ oder „heißen“ Kriegen als auch in Zeiten des Friedens und der Befriedung beharrlich für die Durchsetzung unterschiedlicher Interessen genutzt wird. Der Künstler Francesco Vezzoli spielt in seinen Arbeiten auf der Klaviatur medialer Bilder. „You too can be like us“ bekommt im Kontext seiner auf der Biennale in Venedig 2007 erst-mals gezeigten Videoinstallation „Democrazy“ einen völlig neuen Klang. Im HAU zeigt Vez-zoli neben „Democrazy“ noch den „Trailer for a Remake of Gore Vidals ‚Caligula’“ und spricht über seine Arbeit. Der libanesische Regisseur Rabih Mroué setzt sich in seinem Stück „How Nancy wished everything was an April Fool’s Joke“ ebenfalls mit Medienstrategien und Bilderpolitik ausein-ander. Bilder von „Märtyrern“ des Krieges im Libanon schmücken die Wände der Stadt Beirut bereits seit vielen Jahren und suchen die Tragödie des Krieges zu verdecken. Zugleich the-matisiert Mroué die Interessen unterschiedlicher Gruppen an der Fortführung des Kampfes: Jede Gruppierung erzählt ihre eigene Geschichte des Krieges und instrumentalisiert die Me-dien zur Erzeugung ihrer jeweils eigenen Wahrheit. Darüber sprechen Zeina Maasri von der American University in Beirut und Christine Tohmé von Ashkal Alwan mit dem Regisseur. Das HAU 3 wird am ersten Abend von den Größen der Sozial- und Geisteswissenschaft der 40er Jahre bevölkert. Die geheime Brickner Konferenz stellt den historischen Ausgangspunkt der Re-Education dar. An ihr nahmen neben Talcott Parsons, Margaret Mead und Gregory Bateson auch politische Entscheidungsträger teil, die über das Schicksal Deutschlands nach dem Krieg befanden. Die Gruppe „Jackson Pollock Bar“ aus Freiburg reinszeniert diese Kon-ferenz, anschließend wird Uta Gerhardt als deren exzellente Kennerin über diese Sternstun-de der Soziologie sprechen. Der Filmwissenschaftler Thomas Tode zeigt und kommentiert eine Auswahl an Re-Eduaction Filmen. Im Foyer des HAU 2 zeigen wir die Installation „Capitulation Project“ von Philippe Moser und Frédéric Schwinger. Sie haben das Re-Enactment des Massakers von My Lai durch „The Performance Group“ unter der Leitung von Richard Schechner 1971 in New York re-inszeniert und zeigen die Unmöglichkeit der Vergegenwärtigung von Geschichte und Gewalt. Richard Schechner stellt seine Arbeit mit „The Performance Goup“ (TPG) vor. Harun Farocki hat sich kritisch mit der Bilderpolitik der Alliierten befasst, u.a. in seinem Film „Aufschub“. Aus „found footage“ aus dem Durchgangslager Westerbork montierte er einen 35minütigen Stummfilm, über den er im Anschluss spricht. In dem Film „War on Democracy“ von 2007, den wir erstmals in Deutschland präsentieren, folgt der Dokumentarfilmer und Journalist John Pilger den Spuren der Einflussnahme der USA in Lateinamerika seit 1945. In der ‚School of Americas’ in Georgia, USA, wurden die Folterer ausgebildet, die unter General Pinochet demokratische Strukturen in Chile vernich-teten. Historisch weiter ausgreifen wird die Performance des bildenden Künstlers Pablo Helguera aus New York mit dem Titel „Manifest Destiny“. Im 19. Jahrhundert gab es die weit verbreite-te Auffassung, das US-Amerikanische Volk sei dazu ausersehen, sein Territorium auszuwei-ten. Pablo Helguera folgt den Spuren dieser Vorstellung durch die Geschichte bis hin zu Popkultur unserer Zeit. In ihrer Performance „Paradise 2“ beschäftigt sich die Spanierin Rosa Casado mit den opti-mistischen Visionen der Nachkriegszeit, die eine florierende Wirtschaft als Paradies auf Er-den imaginierten - und damit, was daraus geworden ist. Welche Konsumtion findet mit wel-chen Folgen wo und für wen statt? Im HAU 3 gibt es hierzu Zahlen, Fakten und ein Paradies aus Schokolade. Freitagspredigten aus Moscheen werden in Kairo öffentlich nach dem Mittagsgebet übertra-gen. Hassan Khan mischt Aufnahmen dieser Messen mit Musik, die er live am Mixer her-stellt, und dem Vortrag eines eigenen Textes, für den er die unterschiedlichen rhetorischen und vokalen Strategien der Freitagspredigten nutzt. Wie verführerisch ist doch die Stimme, die den Sound der Stadt neu bestimmt. Mit Heavy Trash (Psychobilly) und Dälek (Hypnotischer HipHop) trifft Amerikanischer Nach-kriegs-Optimismus auf aktuellen apokalyptischen Realismus. Jon Spencer (Blues Explosion) und Matt Verta-Ray (Speedball Baby) gelten mit ihrer spektakulären und ironischen Rocka-billy-Rekonstruktion als Anführer des Revivals. Die dunklen, abgründigen Soundcollagen von Dälek (MC Dälek und the Ottopus), Erzeuger der „Avant-HipHop-Platte des Jahres“ (Intro, 26.02.2007) sorgen am Eröffnungsabend für die finstere Antwort.
Das thematische Wochenende wird kuratiert von Stefanie Wenner.
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