JOHANNES GREBERT/MATTHIAS MATSCHKE – EINS, ZWEI, DREI
17.-23. März 2004
01., 02., 08., 09. April 2004

Zack, zack - eins, zwei drei! Kann man aus einem Kommunisten einen Kapitalisten machen. Den Versuch ist es wert: dies beweisen nicht nur die Umerziehungsmaßnahmen für 16 Millionen ehemalige DDR Bürger, sondern auch die schnelle Komödie aus den 20er Jahren von Ferenc Molnár. Ihre heutige Popularität hat die Komödie aber in erster Linie Billy Wilders Filmadaption zu verdanken, dem Tisch-Tanz von Liselotte Pulver, die Naivität von Horst Bucholz, James Cagneys außerordentlichem Sprachtempo und der freien Fahrt durchs Brandenburger Tor.


© David Baltzer

Gedreht 1961, fiel diese Satire auf den Kalten Krieg zunächst in der Berliner Öffentlichkeit dem Mauerbau zum Opfer. Angesichts der neuen Situation fand sie niemand komisch. Als "scheußlichster Film über diese Stadt" bezeichnete die Berliner Zeitung damals Wilders Komödie. Wobei vermutlich auch die bissigen Anspielungen auf die braune Vergangenheit Deutschlands ihren Teil an dem kommerziellen Misserfolg hatten. Berlin war noch nicht so weit. Doch 1986, als der Film zu Wilders 80. Geburtstag wieder in den Programmkinos zu sehen war, erlangte er den Kultstatus in der Stadt, den er bis heute behalten hat.
Der ungebrochen positive Kapitalismus der 50er Jahre im Wirtschaftswunder, der naive Idealismus des jungen Kommunisten, die dürftige und unterwürfige Verdrängung der braunen Vergangenheit bilden die Basis für diese Bühnenadaption, die auch zeigt, wo das HAU steht: in Westberlin – „Hello Adenauer“.

Erinnern wir uns an eine Zeit, in der die Abkürzung für Russland noch UDSSR hieß, die DDR in der Bildzeitung nur mit Anführungszeichen geschrieben wurde und Coca Cola noch nicht nach Vanille schmeckte.

Johannes Grebert und Matthias Matschke, die in Berlin zuletzt mit der schräg-anarchischen Inszenierung "Preiset!" an der Schaubühne Aufmerksamkeit erregten, übernehmen bei "eins, zwei drei" gemeinsam die Regie. Matschke, vor allem aus Inszenierungen von Christoph Marthaler und Frank Castorf bekannt, spielt die Rolle des MacNamara, den wendigen, schnellen Chef von Coca Cola Berlin. Außerdem spielen im Ensemble Judith Engel, Christoph Maria Herbst, Alexander Hörbe, Matthias Hörnke, der Berliner Komiker Kurt Krömer, Andreja Schneider (Geschwister Pfister) und Matthias Schweighöfer.
Bühnenbild: Barbara Steiner. Kostüme: Nina von Mechow.

Koproduktion mit ZDF-Theaterkanal
Am 20. März um 20.15 Uhr live in 3sat und im ZDFtheaterkanal

Gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds