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WIENER BLUT - OPERETTE VON JOHANN STRAUß – REGIE: CORDULA DÄUPER |
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Premiere am 01. Oktober 2008, weitere Veranstaltungen am 03., 04. und 05. Oktober 2008 / 19.30 UHR / HAU 1 Arrangement und musikalische Leitung : Tobias Schwencke
Eine Gesellschaft feiert sich selbst. Der Opernball kündigt sich an, verspricht heitere Selbstbestätigung. Der GRAF ist das Gravitationszentrum eines Mikrokosmos aus Betrug, Eifersucht und Lüge. Er betrügt sowohl seine Frau, die GRÄFIN, als auch seine Geliebte, die Tänzerin FRANZI, mit PEPI, die sich als die Freundin seines Untergebenen JOSEF entpuppt. Der Vorgesetzte des Grafen, der MINISTER, will den moralischen Anstand wahren – und sei es auch nur um des Scheins willen – und tritt damit das Verwechslungsund Versteckspiel los. Dieses Um-sich-selbst-Drehen sät Hass: Es wird ein Anschlag auf den Opernball geplant. Die Bombe tickt. Der Graf verkörpert eine donjuaneske Männlichkeit in einer Gesellschaft, in der Sex-Appeal ein Marktwert ist. „Wiener Blut“ heißt die Ware, mit der hier gehandelt wird. Die Verlogenheit der Gesellschaft satirisch zu entlarven und augenzwinkernd zu entschuldigen ist das Prinzip der Strauß-Operette. Doch dieser heitere „Spiegel der Gesellschaft“ ist ein Zerrspiegel: Die Versöhnungsgesten und heitere Musik überspielen tiefere Konflikte. Der Walzer steht für Leichtigkeit und Lebenslust – aber auch für strenge gesellschaftliche Konvention. Der Walzer ist Freiheit und Korsett gleichermaßen. Ist das „Wiener Blut“ das„wahre“ Menschsein, das unmoralisch und triebhaft unter der Maske des Anstands und der bürgerlichen Ordnung verborgen liegt? In der Inszenierung von Cordula Däuper agieren sechs Frauen – und stellen so die sozialen Konstellationen und Rollenklischees einer hierarchisch-patriarchalischen Gesellschaft aus. Tobias Schwencke hat die Partitur neu arrangiert und instrumentiert und versucht, der Substanz der Musik nachzugehen. Es singen Schauspielerinnen, die an den Figuren interessiert sind, die sich hinter dem konventionellen Operettengesangsausdruck verbergen. Auf diese Weise können die Zwischentöne und Sollbruchstellen ebenso hörbar gemacht werden wie die Anfälligkeit der Walzer- und Polkamusik für das Kulinarische und Effektvolle. Das Team um Cordula Däuper (Regie) und Oliver Müller (Dramaturgie) hat einen Abend entwickelt, der die Nöte der Operettenfiguren ernst nimmt – aber auch die Sehnsucht nach Operettenseligkeit. Mitwirkende: Katharina Haindl (Josef), Nadja Petri (Franzi), Cathrin Romeis (Pepi), Sandra Maria Schöner (Minister), Mariel Jana Supka (Graf) und Verena Unbehaun (Gräfin), Jan Müller (Bühnenbild), Justina Klimczyk (Ausstattung), Katja Anclam (Produktionsleitung), Stephanie Schwarz (Mitarbeit Regie und Dramaturgie), Ekkehard Windrich (Geige), Georg Wettin (Klarinette), Matthias Engler (Schlagwerk).
http://www.wienerblut-berlin.de Eine Produktion des HAU, gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds
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