 |
 |
 |
 |
 |
 |
FRESSEN ODER FLIEGEN - ART INTO THEATRE - THEATRE INTO ART |
 |
 |
Festival vom 01. – 16. November 2008
Im Museum Ludwig in Köln stand eine kleine Installation von Janett Cardiff: die Animation einer Opernsängerin in einem rotplüschigen Theater. Ein Modell im Pixi Format. Für jemand, der aus dem Theater kommt, schien es merkwürdig, dass eine Bildende Künstlerin ein Theater nachbaut. Als wir Janet Cardiff dann einluden, das, was sie da in klein nachbaute, könnten wir ihr im Format 1:1 zeigen, kam sie am nächsten Tag im HAU 1 vorbei und es war klar, dass sie für diesen Raum etwas erarbeiten wollte. Mit „Ghost Machine“ entstand dann vielleicht die schönste Produktion unserer Zeit im HAU. Ein Videowalk, der Theater, Kunst, Performance, Hörspiel und Film war. Eine somnambule Theatervorstellung, die man sich selbst erlaufen musste, geleitet durch den Screen einer Videokamera. Bei Tanz im August 2005 stellten wir gemeinsam mit dem Siemens Arts Program eine Brunneninstallation von Jeppe Hein neben eine Bühneninstallation von William Forsythe, die jeweils den Zuschauer auf besondere Weise in ein Geschehen verwickelte. Daraus entstand nun eine neue Kooperation mit dem Siemens Arts Program. Was am HAU vom 1. – 16. November passieren wird, lässt sich schwer beschreiben. Wir haben verschiedenen Bildenden Künstlern die drei Theater gezeigt und sie gefragt, ob sie in den Räumen etwas machen möchten oder ob sie vorhandene Werke hätten, die sie in diesem Zusammenhang zeigen wollten. Harun Farocki und Antje Ehmann haben sich bei der Ausstellung „Kino wie noch nie“ wiederum mit der filmischen Technik Schuss und Gegenschuss auseinandergesetzt und einen Raum, der vor der Kamera mal ein Theaterraum war, in etwas Dialogisches zerlegt. Den Titel des Festivals, „Fressen oder fliegen“ haben wir von ihrer Installation gestohlen. Zerlegt man den Vogel, um ihn zu essen oder um zu verstehen, wie er fliegt? Vielleicht kann man nicht genauer formulieren, was die Funktion von Theater sein sollte. Farocki und Ehmann haben ihre Installation auf sechs verschiedene Screens zerlegt. Die zweite Auftragsarbeit ist von Keren Cytter. Sie baut eine räumliche Installation für jeweils einen Zuschauer. Erzählt wird von einer französischen Familie namens Cartier, deren Versuch, sich mit Insulin aus dem Leben zu verabschieden, scheitert auf Grund einer zu geringen Dosis. Einzig das kleinste Kind kommt um. Cytters Filme wirken, als ob sie als Tochter von Rainer Werner Fassbinder in der Bildenden Kunst neu geboren wurde.
Thomas Demand zeigt einen 35 mm Film, der etwas vollständig Alltägliches zeigt: Regen. Allerdings ist er animiert. Man sieht diesen Film im riesigen Theater. Was an dem Film ist künstlich, was ist real? Unwillkürlich fängt man an, über das Verhältnis nachzudenken.
Wie hat der Vogel es geschafft zu fliegen, wie nimmt man den Vogel auseinander, um das herauszufinden. Was passiert, wenn man Bildenden Künstlern den Raum eines Theaters zur Verfügung stellt? Vielleicht ist es aber auch nur ein Kennenlernen, um wieder zu größeren einzelnen Arbeiten im Theater zu kommen. (Matthias Lilienthal, Katrin Dod – Kuratoren „Fressen oder fliegen“)
610_TazBeilage_FressenOderFliegen_03.pdf
|
 |
|
|
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|