FRESSEN ODER FLIEGEN – VIDEOINSTALLATION VON ANTJE EHMANN UND HARUN FAROCKI
01.-16. NOV 08 / HAU 3

Filme zerlegt und neu zusammengestellt
Für unsere Ausstellung Kino wie noch nie (Wien, 2006 / Berlin, 2007) zerlegten wir Filmsequenzen; wir gaben etwa den Schuss einer Sequenz auf einem Monitor wieder und den Gegenschuss auf einem zweiten daneben. Es zeigte sich, dass mit diesem Akt der Auftrennung und der Verteilung die Montage ihre Funktion, ihre Wirkung, weiterhin behält. Wir haben damit ein Verfahren der Analyse, das seinen Gegenstand nicht ins Unanschauliche rückt und nicht still stellt. Und eben darauf kommt es an: einen Vogel so zu analysieren, dass man seinen Flug verstehen lernt und ihn dabei nicht so zu zerlegen, als wolle man ihn essen.
Montage wird meistens im Zusammenstoß zweier Einstellungen untersucht, und viel zu selten wird die ‚Montage auf Distanz’ in Betracht gezogen. Das Erscheinen einer Einstellung in einem Film bezieht sich auf eine vorige, oft auf mehrere zeitlich zurückliegende ähnliche oder distinkt verschiedene. Für FRESSEN ODER FLIEGEN haben wir Einstellungen und Sequenzen zu einem Sujet gesammelt: zu dem Mann, der sich selbst tötet. Man kann sagen, dass der Film-Mann mit der Selbsttötung wettmacht, was ihm im Vergleich mit der Film-Frau an Gefühlstiefe und Expressivität fehlt.
Wir verteilen Motive aus verschiedensten Filmen auf mehrere Leinwände im Raum: etwa der Mann, der einen Raum betritt, um für sich zu sein, oder der Mann, der stumm geht und dem die Kamera folgt, weil sie etwas aufgreifen will, was sich kaum entäußert – wenn die Filmerzählung eine Frage stellt. Das Verteilen im Raum zum Zweck der Befestigung im Bewusstsein ist eine Kulturtechnik schon der Griechen. Wir wollen damit zu einem neuen Film kommen, vom Manne der alle weitere Handlungsfreiheit verbraucht hat.
Eine Videoinstallation von Antje Ehmann und Harun Farocki für 6 Leinwände, Loop, total 33:30 Min.