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ANTIMUSLIMISCHER RASSISMUS UND DIE ERNEUERUNG DES ORIENTALISMUS – DISKUSSION ZWISCHEN IMAN ATTIA (DIVERSITY STUDIES, BERLIN) UND SERHAT KARAKAYALI (SOZIOLOGIE, HALLE), MODERATION: CLAUDIA LIEBELT |
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06. NOVEMBER 2009 / 19.00 UHR / FOYER HAU 1
Im antimuslimischen Diskurs kehrt für Iman Attia der Orientalismus in neuer Form zurück: Es ist immer derselbe Trick der großen Gegensatzpaare und kulturellen Festschreibungen, mit dem gesellschaftliche Konflikte in die Fiktion von Eigenem und Anderem umgeschrieben und damit entpolitisiert werden. Serhat Karakayalı verhandelt im Gespräch mit Iman Attia die Un/Möglichkeit antirassistischer Praxis, wenn sie sich hauptsächlich auf die Form des antimuslimischen Rassismus konzentriert. Iman Attia, Diversity Studies, Alice Salomon Hochschule, Berlin Serhat Karakayalı, Institut für Soziologie, Universität Halle
Worüber im Islamdiskurs (nicht) geredet wird „Artikulationen über ‚Islam’ und ‚Muslime’ verweisen auf unterschiedliche Diskursstränge. Einige von ihnen haben eine lange Geschichte, wie etwa Geschlechter- und Sexualitätsdiskurse. Die Kulturalisierung ‚des Orients’ hat sich im Laufe der Jahrhunderte verschoben, war aber im kulturellen hegemonialen Wissen nie verschwunden. In politischen Diskursen dagegen rückten Diskurse über ‚Orient’ und ‚Islam’ zeitweise in den Hintergrund – ohne bedeutungslos zu werden. Im Kontext von Post-/Kolonialismus, Arbeitsmigration und Globalisierung werden entsprechende Diskurse eingeflochten und aufgerufen. Sie sind auf dem Hintergrund des hegemonialen Wissens leicht für politische Interessen zu aktivieren. Hinzu kommen einige neuere Diskurse, etwa Antisemitismus oder Homophobie bei ‚Muslimen’. Sie sind geprägt durch aktuelle Diskurse und Politiken im postnationalsozialistischen und postmodernen Kontext. Im Islamdispositiv werden diese unterschiedlichen Diskursstränge gebündelt zur Identifizierung ‚des Islam’ mit ‚dem Fremden’ als konstitutivem Außen des imaginierten ‚Eigenen’. Auf diesem Wege werden eigene Widersprüche dethematisiert und Hegemonie entpolitisiert.“ (Iman Attia)
„Seit einigen Jahren figuriert der Muslim als neues Feindbild europäisch-westlicher Rassismen. Handelt es sich dabei um eine Aktualisierung orientalischer Muster oder löst die Islamophobie gar den Antisemitismus ab, wie manche meinen? Die Entstehung neuer rechter Bewegungen überall in Europa, die in Abgrenzung zum Islam auf eine christlich-jüdische Identität rekurrieren, scheint diese Entwicklung zu bestätigen. Zu fragen ist dabei, in welcher Weise der Antirassismus auf diese Entwicklungen reagieren sollte. Denn den unterschiedlichen Rassismen – so scheint es – entsprechen ebensolche rassifizierte Gruppen. Während sich der Antisemitismus gegen die Juden richtet, grenzt der Antimuslimische Rassismus Muslime aus. Während es evident zu sein scheint, wie der Rassismus konstitutiv ist für seine Objekte, ist die viel schwieriger zu bewältigende Aufgabe die, wie ein Antirassismus beschaffen sein müsste, der sich diesen Zuschreibungen entzieht.“ (Serhat Karakayalı)
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