STUDIOBÜHNE DER FU BERLIN – ICH WILL SO BLEIBEN WIE ES IST – WALLENSTEIN
26. und 28. Mai 2004

WALLENSTEIN
nach dem gleichnamigen Roman von Alfred Döblin

Wallenstein geht mit seinen Feldzügen im Dreißigjährigen Krieg in die Geschichte ein, während Kaiser Ferdinand II. und sein Hof in Wien Bankett auf Bankett geben. Draußen tobt einer der schlimmsten Kriege Europas; drinnen wird gefressen, gefeiert und gespielt. Drei Paare führen hier vor allem eines vor: wie gut die Strategien der Verdrängung funktionieren. Das Monströse dieser Gesellschaft ist die Konsequenz, mit der sie funktioniert: alles, aber auch alles auszuhalten und zu überstehen.



Döblins zu Unrecht unpopulärer Roman über den Dreißigjährigen Krieg entstand während seiner Zeit als Lazarettarzt im Ersten Weltkrieg und lässt sich als Gegenmodell zum üblichen historischen Roman lesen. Kausalverkettungen fehlen hier, die Geschichte stellt sich vielmehr als die zufällige Verbindung verschiedener Handlungsstränge dar, die auf den ersten Blick in keinen Zusammenhang miteinander zu bringen sind. Was sie verbindet, liegt in der Art und Weise, wie sie erzählt werden.
Der formale Aufbau von Döblins Roman lieferte die Grundstruktur für die Bühnenfassung. Aus den 650 erwähnten Personen ließen sich sechs Grundhaltungen herausfiltern – die Figuren, welche diese Haltungen verkörpern, stehen stellvertretend für die Möglichkeiten, sich zu den gegebenen Strukturen zu verhalten.

Die 2002 wieder ins Leben gerufene Studiobühne der FU versteht sich als eine Plattform für studentische Theaterprojekte.
Keinen Gebrauch von seinen Freiheiten und Verantwortungen zu machen, die Herausforderungen zu scheuen und sich in Konfliktsituationen für den Weg des geringsten Widerstandes zu entscheiden: Attribute des passiven Antihelden oder des postmodernen Übermenschen? In jedem Fall Ausdruck einer Leidenschaft fürs Unterordnen.
Zum Phänomen der „Anpassion“ präsentiert die Studiobühne Arbeiten unterschiedlichsten Umfangs und Ausrichtung. Neben der Inszenierung von Alfred Döblins „Wallenstein“ werden im „Werkraum“ Studien, Experimente und Kurzarbeiten zum Thema stattfinden.