MARIENBAD :: COMING SOON - VON ULRICH WOELK NACH ALAIN ROBBE-GRILLET – REGIE: BERNHARD MIKESKA/MIKESKA:PLUS:BLENDWERK, ZÜRICH


Judith Schlosser


Musik, Abspann. Eine Filmvorführung geht ihrem Ende entgegen. Das Publikum gelangt aus dem Vorführsaal in ein Kinofoyer. Hier wurde offenbar schon lange kein Ticket mehr verkauft. Will man den Plakaten an den Wänden Glauben schenken, lief zuletzt der Film „Letztes Jahr in Marienbad“ von Alain Resnais und Alain Robbe-Grillet. Wie von selbst startet der Film erneut, generiert eine sich wiederholende Zeitschleife, ein Raum-Zeit-Labyrinth, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ihre Bedeutung verloren haben und das seine Gefangenen, beim Versuch es zu verlassen, nur noch tiefer in sein Inneres hineinführt. In dieser Welt zwischen Kino und Wirklichkeit versuchen eine Frau und zwei Männer die Puzzle-Steine ihrer gemeinsamen Geschichte neu zu ordnen. Was ist wirklich geschehen? Ist überhaupt etwas geschehen? Oder geschieht alles nur im Moment der Erinnerung? Welche Spuren hinterließ die Geschichte? Aus welchen Zeichen lässt sich Zukunft deuten? Vor den Augen und Ohren des Publikums entfaltet sich ein komplexes Ursache-Wirkungs-Rätsel.
Indem die Zuschauer, wie schon in den beiden letzten mikeska:plus:blendwerk – Produktionen, „GHOSTS :: who's watching you?“ (2007) und „DER PLANET :: ein kurzes Stück über die Liebe“ (2008), individuell mit Kopfhörern ausgestattet werden, bietet „MARIENBAD :: coming soon“ nun erstmals das kollektive Erlebnis mit anderen Zuschauern und zugleich die subjektive Perspektive eines jeden Einzelnen: den Film im Kopf, den jeder Zuschauer für sich imaginiert.

Eine Produktion von mikeska:plus:blendwerk in Koproduktion mit Theaterhaus Gessnerallee Zürich und HAU Berlin, gefördert durch Stadt Zürich Kultur, Fachstelle Kultur Kanton Zürich, Pro Helvetia, Ernst Göhner Stiftung, Familien-Vontobel-Stiftung, Schweizerische Interpretenstiftung


13., 14., 16. und 17. Januar 2010 / HAU 1


13., 14., 16. und 17. Januar 2009 / 19.30 Uhr / HAU 1