K.O. 11: FUNKSTATION SEHNSUCHT - DREI KURZE OPERN VON BORIS BLACHER – KOMISCHE OPER BERLIN, HAU, UDK UND HFM
Premiere am 04. Oktober 2010, auch am 05. und 06. Oktober 2010


Bjoern Struck

Dem 1975 verstorbenen Berliner Komponisten Boris Blacher widmet sich die diesjährige Ausgabe der K.O.-Projektreihe, in der Studierende und Profis, Berliner Hochschulen und Theater seit sieben Jahren kontinuierlich zusammenarbeiten. Blacher, langjähriger Direktor der West-Berliner Musikhochschule und Lehrer von Giselher Klebe, Isang Yun und Aribert Reimann, war in seiner Musik stets auf antiromantische Transparenz bedacht. In den drei kurzen Opern, die Blacher zwischen 1946 und 1969 komponierte, experimentiert er lustvoll und schräg mit unterschiedlichsten Formen von Musik-Theater: Sopran, Tenor und Bariton, Chor und Orchester. Alles, was man für eine Oper braucht.

Abstrakte Oper Nr. 1
Musikalische Leitung: Adrian Pavlov
Regie: Julia Glass
Bühne und Kostüme: Christina Schmitt.
Innerhalb von sieben Szenen bekommt man serviert, was man von einer Oper erwartet: Liebe und Leidenschaft, Wut, Trauer, Schmerz und Angst. Das Ganze braucht keine Worte, die versteht sowieso niemand. Die Emotionen stehen für sich und suchen nach einem adäquaten Ausdruck. Die „Abstrakte Oper Nr. 1“ hält es mit der Realität: Kaum ausgesprochen versandet alles Gute und Wahre in trauriger Banalität. Am Ende bleibt nur die Angst.

Die Flut
Musikalische Leitung: Panagiotis Papadopoulos
Regie: Julia Lwowski
Bühne und Kostüme: Benjamin Schönecker.
Ein Schiffswrack vor der Küste. Vier Menschen. Heute oder morgen. Mit starken Pinselstrichen zeichnet Boris Blacher Figuren und Handlungen in seiner „Funkoper“ „Die Flut“: Der alte Bankier hat das Geld, der junge Mann will das Geld, das Mädchen liebt das Geld, der Fischer liebt die Liebe. Ein akustisches Spiel. Ein Mord, eine Entscheidung. Zwischen commedia dell’arte und Brecht spült der ewige Wechsel von Ebbe und Flut die Gefühle der Menschen weg. Im Hintergrund geht die Sonne unter.

Ariadne
Regie: Georg Schütky
Bühne und Kostüme: Steffi Lindner
Mit Sprechern und elektronischer Musik erzählt Blacher die Geschichte der auf Naxos verlassenen Ariadne. Ein Leben auf einer einsamen Insel. Eigentlich ein Traum. Doch abgeschnitten vom Rest der Welt und verfolgt von den Schrecken der Vergangenheit werden auch die Umwelt, die Natur und die Zeit zu einer unerbittlichen Gewalt, der man sich stellen muss. Genauso wie Ariadne sich ihren Schmerzen und Problemen stellen muss. Blachers Melodrama skizziert eine Wahrnehmungsstörung. Fragen tauchen auf nach dem Wert dessen, was wir glauben zu fühlen.


Mit der Jungen Philharmonie Brandenburg.

Eine Produktion der Komischen Oper Berlin, des HAU, der Universität der Künste Berlin und der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin.
Zusammenarbeit Studierender der Studiengänge Regie der HfM Berlin und Bühnenbild der UdK Berlin.