STUTTGART 21 - REFLEXIV. GESELLSCHAFTSTHEORIE EINES LOKALEN EREIGNISSES: PROTEST DER PRIVILEGIERTEN? ODER: WAS IST WIRKLICH NEU AN DEN DEMONSTRATIONEN GEGEN STUTTGART 21? – VORTRAG VON WOLFGANG KRAUSHAAR
MOD.: HEINZ BUDE (HIS)

Dienstag, 08. Februar / 19.30 Uhr

In der Vortragsreihe wird darüber nachgedacht, wie das lokale Ereignis des Protests gegen das Großprojekt „Stuttgart 21“ in seinen gesellschaftstheoretischen Bezügen zu begreifen ist.
Im zweiten Vortrag problematisiert der Politikwissenschaftler und Protestforscher Wolfgang Kraushaar die bisherigen Deutungsmuster des Protests. Zunächst war die Rede von einem „Aufstand des Bürgertums”, gar von einer „Dagegen-Republik“. Diese Etiketten könnten sich jedoch als voreilig erweisen. Denn nach ersten empirischen Untersuchungen handelt es sich bei den Protestierenden weniger um jüngere, sondern eher ältere Akteure, zudem um Gebilde-te und Besser-Informierte, die mit großer Mehrheit die einst als „Anti-Parteien-Partei” apo-strophierten Grünen wählen. Damit steht die Frage im Raum, ob wir es in Stuttgart mit dem Protest einer neuen bürgerlichen Mitte, gar einem der Aufsteiger und Privilegierten zu tun haben? Das würde der verbreiteten Auffassung widersprechen, dass sich Protest und gesell-schaftliche Mitte weitgehend ausschließen.

Wolfgang Kraushaar arbeitet als Politikwissenschaftler am Hamburger Institut für Sozialfor-schung und gilt als Experte für die 68er-Bewegung und die RAF.
Der Soziologe Heinz Bude ist Leiter des Arbeitsbereichs „Die Gesellschaft der Bundesrepu-blik“ am HIS und Inhaber des Lehrstuhls für Makrosoziologie an der Universität Kassel.

Eine Kooperation des Hebbel am Ufer (HAU) mit dem Hamburger Institut für Sozialfor-schung (HIS)