 |
 |
 |
 |
 |
 |
DIE BOOTSFAHRT VON ROLF-DIETER BRINKMANN VOM 14.-15.11. |
 |
 |
"Die Bootsfahrt" (1961) markiert den Beginn einer Auseinandersetzung mit den frühen Erzählungen von Rolf-Dieter Brinkmann. Es ist die Geschichte eines Mannes, der mit seiner Ehefrau Elsa seit über dreizig Jahren verheiratet ist und vor kurzem pensioniert wurde. Seit Elsa ihm einen schockierenden Vorwurf machte, beginnt er, alles um sie herum verändert wahrzunehmen. „Ein sonderbar erschreckendes Mißtrauen brach auf, das wuchs heran und wucherte aus uns heraus, es wurde von Tag zu Tag größer, ein bösartiges, hinterhältiges Mißtrauen, das nach und nach alles aufsog und an dem wir langsam ersticken. Und wie ein offenes Geschwür die Feindseligkeit, die zuerst von Elsa ausging und mich dann umklammerte, in der wir erstarren, immer mehr, anfangs noch zurückgehalten, klein, und ich beachtete es kaum, weil mir ihre Anschuldigungen so lächerlich vorkamen. Ich wollte das einfach nicht verstehen. Aber ich war machtlos, es aufzuhalten.“ Eine Geschichte, die von Hoffnungen und Sehnsüchten, Gewöhnungen und Enttäuschungen, Depressionen und Obsessionen, Zerstörungen und Enthaltungen erzählt, die so banal wie wundersam unser heutiges Leben bestimmen. Eine Geschichte über Wahrnehmung, die von Vorstellungen geprägt ist. Vorstellungen, die Kopien der Realität sind. Reproduktionen von Wahrheit und der ununterdrückbare Drang, sie zu manipulieren. „Jeder erfindet früher oder später eine Geschichte, die er für sein Leben hält." (Max Frisch)
Sven Mundt thematisiert die Gesellschaft und die Möglichkeiten von Kommunikation, indem er bei individuellen Lebensgeschichten ansetzt und nach dem jeweils Besonderen, Unglaublichen in der Normalität sucht. So hat er zuletzt in seiner Videodokumentation "faces l.e." Leipziger Bürger porträtiert, mikrokosmische individuelle und makrokosmische urbane Geschichten eingefangen und in Zusammenhang gebracht. Der Umgang mit den Störungen, mit den Ausbrüchen ist es, der letztlich für ihn den Grad der Beherrschung des sozialen Lebens markiert. Die Beschreibung des fragilen Innenlebens dieses Mannes setzt Mundt in Beziehung zum pulsierenden Leben einer Stadt - wahrgenommen durch die Glasscheiben des Foyers im HAUZWEI - und kontrastiert dies in einer simultanen Videoprojektion mit Bildern von Menschen hinter den Glasscheiben von Büros, Restaurants und U-Bahn-Stationen.
Mit: Renate Regel Konzept, Regie: Sven Mundt, Kostüme: Hannah Hamburger / Dramaturgie: Henning Fülle / Regieassistenz: Michael Soucek / Produktion: Sven Mundt und Hebbel am Ufer
Aufführungsrechte beim Rowohlt Theater-Verlag, Reinbek bei Hamburg
|
 |
|
|
 |
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
 |
|