FALL DER GÖTTER VOM 26.-30.11.
nach "Die Verdammten" von Luchino Visconti
ZT Hollandia, Eindhoven
Paul Koek, Johan Simons

„Ich weiß nicht, was ich gemacht hätte, wenn ich damals jung gewesen wäre und in Deutschland gelebt hätte." Johan Simons Viscontis Film erzählt die Geschichte vom Aufstieg und Fall der Familie Krupp in der Zeit des Nationalsozialismus. Es geht um eine Industriellenfamilie, die sich mit den Machthabern arrangieren will. Johan Simons verfolgt hier den selben Ansatz wie in seiner vorigen Arbeit „Zwei Stimmen“: die Austauschbarkeit von Identitäten. Mit schauspielerischer Virtuosität hatte Jeroen Willems in Pasolinis Monolog sieben verschiedenen Figuren, Managern und Intellektuellen, seine Stimme gegeben. In „Fall der Götter“ spielt er mit genau diesem Ansatz die Figuren, die sich an die Nazis anbiedern, und deren Opfer. Er spielt sie mit einer solchen



Verführungsgabe, dass jeder Zuschauer zu seinem Komplizen wird.
Ähnliches passiert mit Paul Koeks Musik, die auch Kompositionen von Heiner Goebbels verwendet: Sie scheint am Anfang Filmmusik zu sein und wird dann immer weiter mit faschistischem Material – Hitler-Reden und SA-

Gesängen – gesampelt und dekonstruiert. So wird dieser große Schauspielerabend zu einem musiktheatralischen Erlebnis.
Die Aufführung in Berlin wird eine der letzten Gelegenheiten sein, diese Arbeit, die seit vier Jahren durch Europa tourt und Hollandia berühmt gemacht hat, zu sehen. ZT Hollandia löst sich auf, da Simons Intendant in Gent wird. Dieses Gastspiel ist Ausgangspunkt einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen Johan Simons und dem Hebbel am Ufer.

Parallel zur Aufführung „Fall der Götter“ von Hollandia wird im Foyer des HAU 1 die Videoarbeit „Play Visconti“ von Thomas Heise gezeigt. Acht Videostreams aus bearbeiteten Szenen des Films „Die Verdammten“ von Luchino Visconti laufen gleichzeitig und synchron auf einer Leinwand und verdichten in neun Minuten Spielzeit die Figurenkonstellationen im Film.