MADRID BARCELONA: ¡HOY ESPECTÁCULO! – FESTIVAL VOM 18. BIS 22. OKTOBER
Eine Koproduktion von Instituto Cervantes, Instituto Ramon Llull und HAU

Spanien ist ein Land, das wirtschaftlich floriert. Es gibt eine junge Theaterszene gerade in der Hauptstadt Spaniens Madrid und der Hauptstadt Kataloniens Barcelona. Das größte Theater Barcelonas wurde vor zwei Jahren einem blutjungen Regisseur gegeben: Alex Rigola. Rodrigo Garcia kommt aus Buenos Aires, lebt und arbeitet seit langem in Madrid, aber sein Blick bleibt der eines Argentiniers. Seine Anschläge auf den Zuschauer und den guten Geschmack stehen relativ isoliert im spanischen Theater da. Mit „Ronald“ kommt eine Produktion, die Garcias eigentliches Thema beschreibt: seinen Hass auf die Konsumgesellschaft. In der zweiten Produktion verzichtet er auf alles, was wir von ihm gewohnt sind. Es sind zwei Monologe - "Borges + Goya" - die er fast ohne weitere Aktionen inszeniert: keine Unterhosen, keine verdorbene Pasta auf dem Herd. Maria Jerez ist eine junge Choreografin, die eher aus dem Performativitätsdiskurs rund um Jérôme Bel kommt und erste Arbeiten vorstellt.
Das kleine Festival versucht einen Blick auf diese aufbrechende Szene zu werfen: Katalonien mit seiner nationalen sprachlichen Selbstfindung und Madrid, das sich ganz selbstverständlich in der Welt fühlt.

European House
Hamlets Prolog ohne Worte
Alex Rigola/Teatre Lliure, Barcelona
20. und 21. Oktober
Das Teatre Lliure ist das wichtigste katalanische Theater. Alex Rigolas Arbeiten versuchen, sich mit der politischen Realität auseinander zu setzen, und stehen im Dialog mit internationalem Theater. "European House" ist ein einstündiger „Prolog“ – ohne Worte. Der Zuschauer sieht den Querschnitt eines dreistöckigen Hauses, das sich nach der Beerdigung des Hausherrn, eines wohlhabenden Geschäftsmannes, mit Familie und Gästen füllt. Zufälligerweise heißt die Witwe Gertrud und ihr Sohn Hamlet, schreibt Alex Rigola. Die ungewöhnliche voyeuristische Perspektive auf die weitgehend stummen Interaktionen in den verschiedenen Zimmern des Hauses enthüllt nach und nach die Geschichten und Geheimnisse der Trauernden, entlarvt die Unmöglichkeit, mit dem Tod sachlich umzugehen. Es ist so etwas wie die Antwort auf Hermanis’ „Long Life“, gesehen aus dem Blickwinkel des bürgerlichen Barcelona.

Die Geschichte von Ronald, dem Clown von McDonald’s
Borges + Goya
Rodrigo García y la Carnicería Teatre, Madrid
18. bis 22. Oktober
Eine ganz andere Ästhetik vertritt Rodrigo Garcia. Seine Arbeiten sind immer Attacken auf den Zuschauer, "Die Geschichte von Ronald, dem Clown von McDonald’s" thematisiert den totalen Konsum. Die Müll-Lawine auf der Bühne wird zum drastischen Symbol des fatalen Kreislaufes von Konsum und seinen Mechanismen: Aufnehmen, Ausscheiden und Infiltriertwerden mit gleichgeschalteten Botschaften von Macht, Unterdrückung, Ausbeutung und Krieg. Die neue Produktion "Borges + Goya" besteht aus zwei weitgehend auf Sprache gestellten Monologen: Den Text über Jorge Luis Borges hat Garcia zu dessen 100. Geburtstag geschrieben und beschreibt darin sein Leben in Argentinien bis zur Notwendigkeit, nach Spanien auszuwandern. „Jegliche Statue muss von ihrem Sockel fallen.“ In "Goya" beschreibt er einen Fan von Atletico Madrid, der seinen beiden Söhnen einen besonderen Gefallen tun möchte: Er zeigt ihnen nächtens mit dem Taxi Madrid und stattet dann mitten in der Nacht den Gemälden Francisco de Goyas einen Besuch ab.

El Caso del Espectador
María Jerez, Madrid
21. und 22. Oktober
"El Caso del Espectador" von María Jerez ist ihre erste eigene konzeptionelle Arbeit. Sie versetzt sich darin in die Position des Betrachters und stellt Fragen zu Darstellung, Fiktion und Wahrnehmung. Die Grundeinrichtung besteht aus einem Sessel, einem Fernseher und einer Kamera, die vom Sessel aus bedient wird. D.h. der Film wird von der Performerin gedreht und interpretiert, die gleichzeitig auch Zuschauerin des Ganzen ist.

Koproduktion: MUGATXOAN 2004- Arteleku Gipuzkoako Forum Aldundia, Fundaçao Serralves. In Zusammenarbeit mit Aula de Danza der Universität Alcala de Henares.

Am 17. Oktober um 19.30 Uhr findet im Instituto Cervantes eine Podiumsdiskussion statt zum Thema "Inszenierung und Absicht: Neues im zeitgenössischen spanischen Theater”: Diskussion mit Alex Rigola, Rodrigo García, David Ottone, Santiago Fontdevila (angefragt) und Matthias Lilienthal, Moderation: Susanne Hartwig.