HOLD IT! ZUR POLITIK DER POSE ZWISCHEN BILD UND PERFORMANCE – EIN SYMPOSIUM KONZIPIERT VON GABRIELE BRANDSTETTER, BETTINA BRANDL-RISI, STEFANIE DIEKMANN
Allgegenwärtige 'Body Performances' in Mode, Sport, Politik und Kunst, "iconic turn" und "performative turn" in den Kunst- und Kulturwissenschaften – vor diesem Hintergrund geht es dem Symposium Hold it! um eine Re-Vision von Geschichte und Theorien des Tableau vivant, des Lebenden Bildes. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit wird dabei die Pose gerückt: jene Figur der Still-Stellung von Bewegung, die zwischen Bild und Korporalität, zwischen Image und Performance vermittelt. In theoretischer, historischer und zeitgenössischer Perspektive geht es dabei um eine doppelte Fragestellung: Aus bildtheoretischer Sicht um den Blick auf die Differenz von Spiegel/Bild und verkörpernder, bewegter Figur, von opus (Bildwerk) und opera (Aufführung in einem theatralen Rahmen). Aus performancetheoretischer Sicht um die Frage: Haben Posen performativen Charakter? Und in welcher Weise sind Posen, Attitüden, Körper-Bilder und ihre Modifikationen als eine Performance beschreibbar, die sich durch die Verschiebung bzw. Diffusion von Grenzen zwischen unterschiedlichen Medien und Auftrittsformen auszeichnet?

Konzeption: Gabriele Brandstetter, Bettina Brandl-Risi, Stefanie Diekmann
Eine Veranstaltung des Zentrums für Bewegungsforschung am Institut für Theaterwissenschaft, FU Berlin, in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Forschungsschwerpunkt "Eikones" (Universität Basel)

So,. 18. 2. 11.000.30h, HAU3
John Hoberman
'Pose' und Verfremdung bei schwarzen Sportlern in den USA

Seit etwa einem Jahrhundert hat die amerikanische Sportwelt als Rassentheater (racial theater) fungiert. Von der Jahrhundertwende bis zu den 1960er Jahren hat die Sportwelt als ein Schauplatz der Befreiung, der Selbstbehauptung und des sozialen Aufstiegs für Afroamerikaner gedient. Im Laufe der letzten Jahrzehnte, nach dem Simpson-Skandal und in der Epoche des hochkommerzialisierten Unterhaltungssports, haben sich die Botschaft und das Image-Angebot dieses Rassentheaters drastisch geändert. In Werbeagenturen treffen Reklame-Berater Entscheidungen über das Image afroamerikanischer Athleten, die heute die meist verbreiteten Images von Afroamerikanern überhaupt sind.

John Hoberman ist Sportwissenschafter und Sportjournalist. Er ist Professor and Chair am Department of Germanic Studies der University of Texas at Austin (USA).

So,. 18. 2. 12.00h, HAU3
Michael Ott
Posen im Sport: Medienlogik und symbolische Macht

In der Logik des Sports sind Posen Unterbrechungen: Während der siegbringende K.o.-Schlag, Torschuss oder Zielsprint eine reine Körperhandlung zu sein scheint, ist die oft unmittelbar folgende Triumph-Pose reines Körperzeichen. Der Beitrag soll die mediale Struktur dieser Posen ebenso untersuchen wie ihre Verbindung mit symbolischen Praktiken der Macht sowie künstlerische und sportliche Beispiele ihrer Subversion.

Michael Ott ist Literaturwissenschaftler an der LMU München, freier Publizist und Dramaturg. und arbeitet an einem Projekt zu Alpinismus und Literatur an der LMU München.


Pause


So,. 18. 2. 14.00h, HAU3
Brigitte Peucker
The Sculptural Pose: Leni Riefenstahl’s Tableaux

Dieser Vortrag untersucht die Beziehungen zwischen klassischer Skulptur, Rhythmischer Gymnastik und Leni Riefenstahls Schönheitskult und veranschaulicht sie vor allem am Vorspann des Films Olympia (1938).
Brigitte Peucker ist Elias Leavenworth Professor of German und Professor of Film Studies an der Yale University.

So,. 18. 2. 15.30h, HAU3
Ethel Matala de Mazza
Kunstpausen. Prägnante Momente im Auftritt einer Diva.

Fritzi Massary hatte keine besonders kräftige Stimme, und für eine Bühnengröße war ihre Erscheinung auch sonst nicht ideal: klein gewachsen und etwas rund um die Hüften. Dass die Operettensängerin in den zwanziger Jahren als die Theaterdiva schlechthin gefeiert wurde, verdankte sie zum einen der minutiösen Choreografie ihrer Auftritte, zum anderen aber der eigenmächtigen Dehnung musikalischer Pausen. Im Bewegungsstau des Gesangs wird das Verharren in der Zweideutigkeit zum souveränen Akt."

Ethel Matala de Mazza lehrt am Institut für Neuere deutsche Literatur der 
Universität München. und hat gerade eine Studie zu dem Thema "Poetik des Kleinen. 
Verhandlungen der Moderne zwischen Operette und Feuilleton" abgeschlossen. 


So,. 18. 2. 16.30h, HAU3
Susanne Holschbach
Aus der Luft gegriffen - Posen des Schwebens in der Modefotografie

Die kunstvoll inszenierte Pose ist das tragende Element der Modefotografie. Schon früh wurde jedoch versucht, die Künstlichkeit der Pose aufzubrechen und Modelle in einem Moment natürlicher Bewegung darzustellen: beispielsweise indem man sie mitten in einem Sprung – einem Moment des Schwebens in der Luft – festhielt. Der Beitrag verfolgt, wie sich dieses Motiv im Laufe seiner verschiedenen Einsätze in der Modefotografie von einer Anti-Pose zu einer Bild-Formel transformiert hat.

Susanne Holschbach ist Kunst- und Medienwissenschaftlerin und lehrt zur Zeit als Gastprofessorin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.


Kaffeepause


So,. 18. 2. 18.00, HAU3
Katharina Sykora, Vera v. Lehndorff
Frozen Steps. Posen im Film 'Funny Face' (Filmkommentar und Gespräch)

Fotografie, Tanz und Mode sind die Hauptthemen in Funny Face (1957). Ihnen sind unterschiedliche Figuren zugeordnet: Richard Avedon, Fred Astaire, Audrey Hepburn. Sie konfigurieren Verdichtungen von Bewegung, den Schnitt durch die Zeit, ein momentanes Sich-Zeigen. Pose als akute Betrachteradressierung (sie erhascht unsere Aufmerksamkeit im Vorübergehen), als potenziertes Ausdrucks- und Darstellungsmittel (sie versammelt die Erzählung in einem Augenblick) und als mediales Vexierspiel (sie unterbricht und konstituiert den Gang der Bilder) geben sich ein Stell-Dich-Ein.

Katharina Sykora ist Professorin für Kunstgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Hochschule für bildende Künste Braunschweig.
Vera von Lehndorff ist Fotografin, Filmemacherin und Malerin. In den 1960er und 1970er Jahren arbeitete sie unter dem Namen als 'Veruschka' als international bekanntes Fotomodell.; Arbeit u. a. mit Richard Avedon und Irving Penn. Darstellerin in verschiedenen Filmen, darunter Blow Up (M. Antonioni, 1966), Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse (U. Ottinger, 1984), Casino Royale (M. Campbell, 2006). Ihr eigener Film Veruschka – die Inszenierung (m)eines Körpers entsteht 2005 in Zusammenarbeit mit Paul Morrisey.