LA MAREA – REGIE: MARIANO PENSOTTI, BUENOS AIRES / WRANGELSTRAßE, U-BHF. SCHLESISCHES TOR
09. bis 12. Mai 2007 / 21.30 Uhr / WRANGELSTRAßE, U-BHF. SCHLESISCHES TOR

Mariano Pensotti, Buenos Aires

Die Szenen zeigen Schlüsselmomente des täglichen Lebens und werden über drei Stunden parallel gespielt. Die Zuschauer flanieren von Ort zu Ort. Es mischen sich Theaterbesucher mit Anwohnern, die beiläufig auf das Projekt aufmerksam werden. Das Format, das Pensotti entworfen hat, kombiniert ein open-air-Event mit der intellektuellen Genauigkeit seiner Texte. Es entsteht eine Reise entlang der neun inszenierten Stationen: Ein Mann hatte gerade einen Motorradunfall. Ein Paar, das gerade versucht, seine Beziehung zu beenden. Die Bedienung in der Kneipe, die den Brief ihres Freundes liest, der als Soldat in den Irak gegangen ist und den Krieg in poetischen Metaphern beschreibt – eingebettet in den normalen Barbetrieb. Eine junge Frau und ein junger Mann, die in der Bibliothek stehen und innerlich abwägen, ob sie sich füreinander interessieren. Der Zuschauer wird zum Voyeur. Er bekommt Einblick in die Privatsphäre der Bewohner. Immer wieder stehen Bewohner, die sich alltäglich in ihrer Straße bewegen, Zuschauer, zufällige Zuschauer und Darsteller in Interaktion.
„La Marea“ spielt sich in der Wrangelstraße ab und verbindet höchste Intimität und das öffentliche Spektakel. Der argentinische Regisseur Mariano Pensotti hat „La Marea“ zunächst für das Festival International de Buenos Aires 2005 entwickelt. Eine zweite Version gab es in Brüssel beim KunstenFESTIVALdesArts 2006 zu sehen. Das HAU geht wie bei X-Wohnungen in den urbanen Raum und versucht das Open-Air Spektakel in einer anderen Intelligenz zu denken. Pensotti sperrt für seine Inszenierung jeweils eine Straße: für Szenen, die in leeren Ladenlokalen angesiedelt sind, in einer Bar, die in Betrieb ist, einem Buchladen, einem Schlafzimmer, einem Filmset auf der Straße. Einen ganz merkwürdigen Eindruck erzeugt, dass alle Monologe und Dialoge nicht gesprochen, sondern per Untertitel projiziert werden. Die Innenwelt der Figuren wird so erfahrbar und das Leben auf der Straße stört nicht das Verstehen der Szenen. Die Zuschauer verfolgen das Geschehen von außen durch Schaufenster oder direkt auf der Straße. Hier werden die argentinischen Geschichten in den Kreuzberger Kiez versetzt. Eintritt frei.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes