“My procedure seemed as sagacious as ever,—but only in theory. How it would prove in practice—there was the rub. It was truly a beautiful thought to have assumed Bartleby’s departure; but, after all, that assumption was simply my own, and none of Bartleby’s. The great point was, not whether I had assumed that he would quit me, but whether he would prefer so to do. He was more a man of preferences than assumptions.“ (Herman Melville „Bartleby the Scrivener“)

Für 100 Stunden belagern Performances, Lectures, Zuschauer-interventionen und Rauminstallationen das HAU 1. Die Erzählung „Bartleby, the Scrivener“, eine Geschichte über einen neu angestellten Bürokopist, dient dabei als Ausgangspunkt für die theatrale Untersuchung von Raum und Zeit. In Herman Melvilles Text wird mit Bartleby eine Figur vorgestellt, die sich den an sie gestellten Erwartungen beständig entzieht. Sie begegnet jeder Aufforderung, jeder Bitte mit dem zunächst höflich erscheinenden Satz „I would prefer not to“. Dieser jedoch unterläuft in seiner Aussagekraft jegliche Handlungsmöglichkeit und zersetzt konsequent alle Systeme, in welchen er sich bewegt: am Ende tut er zwar seine Arbeit nicht, ist aber nicht bereit, seinen Arbeitsplatz zu verlassen. Er ist in seiner Höflichkeit unerträglich. Er spricht, sagt aber nichts. Er tut nichts, das aber gleichzeitig. Zeit und Raum, Reden und Schweigen, Handeln und Warten implodieren und dehnen sich im selben Moment aus. Bartlebys Redefigur infiziert nicht nur die Sprache, sondern alle Bereiche, mit welchen sie in Berührung kommt. Sie bringt den Büro-Betrieb zum hektischen Stillstand und reißt gleichermaßen die Unterteilung zwischen öffentlichem und privatem Raum ein.


zurück zur Startseite