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Foto: Nightmares Fear Factory, Niagara Falls, Canada / www.nightmaresfearfactory.com

Foto: Nightmares Fear Factory, Niagara Falls, Canada / www.nightmaresfearfactory.com
Foto: Nir Vidan
Jorge Rodolfo Hoyos + Nir Vidan bei Sacre 100
Foto: Nir Vidan
Kenji Ouellet bei Sacre 100
Foto: De Sire e Meul
Lea Moro bei Sacre 100
Foto: De Sire e Meul
Foto: Chris Clark
Melanie Lane bei Sacre 100
Foto: Chris Clark
Foto: Lennart Laberenz
Milla Koistinen bei Sacre 100
Foto: Lennart Laberenz
Foto: Charlotte Jean Cutlog
Netta Yerushalmy bei Sacre 100
Foto: Charlotte Jean Cutlog
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Logo des Hebbel am Ufer

Im Rahmen von "Tanz über Gräben. 100 Jahre Le Sacre du Printemps"

Sacre 100

In diesem Jahr feiert “Le Sacre du Printemps”, die legendäre Choreografie von Vaslav Nijinsky zur Musik von Igor Stravinsky, ihren 100. Geburtstag. Aus diesem Anlass veranstalten die Kulturstiftung des Bundes und das Zentrum für Bewegungsforschung an der Freien Universität Berlin eine internationale und interdisziplinäre Konferenz, die vom 14. bis zum 17. November im RADIALSYSTEM V stattfindet. Sie reflektiert die herausragende Rolle von “Le Sacre du Printemps” für die Entstehung des modernen Tanzes und als kulturhistorisches Phänomen. Im Anschluss an einen “Open Call” wählte eine Fachjury zehn Projekte aus, die nun im HAU Hebbel am Ufer zur Aufführung kommen. Das Spektrum der Ansätze reichte von starken gesellschaftspolitischen Bezügen bis hin zu spezifischen Auseinandersetzungen mit dem musikalischen und choreografischen Material. Die prämierten Projekte, die in zwei Veranstaltungsblöcke aufgeteilt sind, bestechen durch ihre unerschrockene und zugleich ernsthafte Herangehensweise an das kanonische Stück, die Originalität des Zugriffs und die pointiert ausformulierten Perspektiven. “Denn es ist ein unwiederbringliches Bild der Vergangenheit”, schreibt Walter Benjamin in seinem Aufsatz “Über den Begriff der Geschichte”, “das mit jeder Gegenwart zu verschwinden droht, die sich nicht als in ihm gemeint erkannte.” In diesem Sinne drückt sich in “Tanz über Gräben” der Wunsch aus, im Bereich der Darstellenden Künste über einen reinen Historismus hinauszugehen. Das Projekt will neue Zugänge zu den Fragen und Themen zu eröffnen, die eine intensive Auseinandersetzung mit “Le Sacre du Printemps” bis auf den heutigen Tag hervorzubringen vermag.

Foto: Nightmares Fear Factory, Niagara Falls, Canada / www.nightmaresfearfactory.com
Fr 15.11.2013, 20:00 und So 17.11.2013, 17:00 / HAU2
Sacre 100 #1:
Marcela Giesche
Adam Linder
Melanie Lane
Tian Rotteveel
Kareth Schaffer

Sa 16.11.2013, 20:00 und So 17.11.2013, 20:00 / HAU2
Sacre 100 #2:
Adam Linder
Milla Koistinen
Netta Yerushalmy
Lea Moro
Jorge Rodolfo De Hoyos Jr. + Nir Vidan

& Kenji Ouellet / Anna-Luella Zahner
Fr 15.11.: 13:00, 13:30, 14:00, 14:30, 15.00, 15:30, 17:00, 17:30, 18:00, 18:30, 19:00, 19:30
Sa 16.11.: 13:00, 13.30, 14:00, 14.30, 15.00, 15.30, 17:00, 17:30, 18:00, 18:30, 19:00, 19:30
So 17.11.: 12:00, 12:30, 13:00, 13:30, 14:00, 15:00, 15:30, 16:00, 16:30

Jede Session von Kenji Ouellet und Anna-Luella Zahner dauert 30 Minuten. Es können maximal nur jeweils 2 Personen teilnehmen. Eine vorherige Anmeldung ist daher erforderlich entweder telefonisch unter 030 25900427 oder persönlich an der Tageskasse HAU2 (Öffnungszeiten Mo–Sa von 15:00–19:00). Die Teilnahme ist nur möglich in Verbindung mit einer Eintrittskarte zu "Sacre 100".
Kenji Ouellet
Le sacre du printemps – a haptic rite
Die Choreografie bezieht unmittelbar den Körper des Zuschauers ein und ist eng mit Stravinskys Musik verbunden, aber nicht immer in ihr verankert. Es wird auf ein Vokabular zurückgegriffen, das in einer Reihe auf den Hör- und Tastsinn abzielender Arbeiten entwickelt wurde. Dem Publikum werden die Augen verbunden, nicht, um eine Machtbeziehung herzustellen, sondern um die Aufmerksamkeit für die anderen Sinne zu schärfen. Die Besucher bewegen sich nicht aktiv, sie konzentrieren sich ganz auf Wahrnehmungen und Architektur ihres eigenen Körpers. Die haptische Choreografie bietet gleichzeitig eine Struktur und unmittelbare Körpererfahrungen (eher als kinästhetische Einfühlung).

Choreography: Kenji Ouellet
Performance: Anna-Luella Zahner and Kenji Ouellet


Marcela Giesche
Le Sacre du Printemps: L’Adoration de La Terre
Wie ein Ritual ohne ein materielles Endprodukt präsentiert Marcela Giesche ihr Stück “L’adoration de la Terre”. Mit Materialien, Handarbeit und physischen Kräften schafft sie eine Choreografie der Handlungen – ein niemals endender Kreislauf aus Arbeit und Be- wegung, einem sinnlosen Ziel geopfert. Irgendwann müssen wir uns fragen: Was opfern wir unseren Visionen, unserer Ästhetik, unseren Idealen? Und was verehren und vergöt- tern wir in unserer heutigen Zeit?

Concept and Direction: Marcela Giesche
Performance:  Paul Schulz
Light Design: Pablo Defontavila
Music: Le Sacre du Printemps, Igor Stravinsky
Thank you to: Josef Vorholt Revierfoerster at Mueggelsee for providing the Trees for the performances. And, Paul Schulz for his love and his dedication to this collaboration.


Adam Linder
SPRING CLEANING
17.11.2013 nur in Sacre 100 #2
In “Spring Cleaning” staubt Adam Linder mit choreografischer Arbeit seine unmittelbare kulturelle
Umgebung ab.

Cleaning: Adam Linder
Sound: Adam Gunther


Melanie Lane
Igor - hush hush
Melanie Lane widmet sich in “Igor – hush hush” der nahezu unmöglichen Arithmetik von Stravinskys Musiksprache. Die polyrhythmische Partitur von “Le Sacre du Printemps, L’adoration de la Terre” gibt den Rahmen für eine choreografische Interpretation, die sich in völliger Stille vollzieht. Das Einstudieren der erbarmungslosen Komposition wird zu einem Ritus – einer körperlich-geistigen Zeremonie – und einer fast unmenschlichen Aufgabe. Die aufgebrachte Disziplin lässt an einen Überlebenskampf denken, notwendig, um die Partitur zu überleben; ein Kampf, getragen von der Ironie einer “tödlichen Stille”. Die Studie entstand aus dem Verlangen, in einem klanglichen Vakuum musikalische Bilder zu schaffen.

Choreography: Melanie Lane
Performed by: Florian Bücking and Melanie Lane
Musical study from: 'The Rite of Spring' 1962 Columbia Symphony Orchestra recording - conducted by Stravinsky | Written score - 'The Rite of Spring', original score arranged for piano for four hands


Tian Rotteveel
Avalanche: A Kinaesthetic Re-Animation Ritual 
by Tian Rotteveel, Michelle Rizzo 
Avalanche ist ein Widerstandstanz, in dem Körperkräfte und orchestrale Einsätze zusammenwirken. Tian Rotteveel erkundet das verminte Gebiet zwischen dem Natürlichen und dem Gestellten, dem Sinnvollen und dem Sinnlosen, dem Historischen und dem Zukünftigen. Eine ständige Neuorientierung, gegen jede Definition gerichtet, geht es um den Triumph über die Unterdrückung und einen Refrain aus Gegenwart, Vergangenheit, dem Künstlichen, dem Natürlichen, dem Ich und dem anderen.

Concept: Tian Rotteveel
Performance and Choreography: Tian Rotteveel & Michelle Rizzo
Music: Tian Rotteveel
Special Thanks to: Jeanine Durning, Igor Dobricic, Agata Siniarska, Noha Ramadam
Co-Production: Hochschulbergreifendes Zentrum Tanz Berlin (HZT), Hebbel am Ufer (HAU Berlin), in the Frame of 100 years Sacre du Printemps.


Kareth Schaffer
OPFER/ The Sacrifice of Kareth Schaffer

Mindestens 186 Choreografen haben sich schon an “Le Sacre du Printemps” versucht. Mag Sacre einst für den Skandal gestanden haben, so stellt eine Bearbeitung seit Jahren eine Art Ritterschlag für den ambitionierten Choreografen dar. Warum also sollte ein junger Choreograf eine weitere Neuinszenierung des Stücks unternehmen? Bei “Opfer” geht es nicht mehr um Innovation, sondern um eine heidnische, zirkuläre Zeitform. Unabhängig von Erfordernissen des Markts, persönlichen Wünschen und sehr viel geschichtlichem Ballast muss das Opfer noch immer dargebracht werden. In “OPFER/The Sacrifice of Kareth Schaffer” erklärt der “Erwählte”, warum es nie wirklich eine Wahl gab.

Choreography/Performance: Kareth Schaffer
Costume: Stine Frandsen
Advice: Lee Meir, Julek Kreutzer, Martin Hansen


Le Sacre du Printemps, part II
Der Darsteller von “Le Sacre du Printemps, part II” sammelt Material aus verschiedenen Quellen und entscheidet, was er für interessant hält und weiterentwickeln möchte. Das Stück befasst sich mit Chaos und Unordnung, dabei konzentriert es sich auf die Mechanismen von Ein- und Ausschluss sowie auf das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft. Verbunden mit Stravinskys Musik ertönen andere Klänge, sie steigen fast unhörbar auf, verschwinden, tauchen wieder auf und verdrängen zeitweilig die Originalmusik. In der Choreografie geht es um Aspekte des Rituals, des Wahnsinns und des Rhythmus auf und jenseits der Bühne.

Team: Jakob Höglund, Milla Koistinen, Lennart Laberenz, David Lipp
Supported by HAU Hebbel am Ufer, Finnland-Institut, ada Studio


Netta Yerushalmy
The Work of Dance in the Age of Sacred Lives
Ein Gemeinschaftswerk der Choreografin Netta Yerushalmy und des Philosophen David Kishik: Die eine tanzt, der andere liefert einen Text. Die Ästhetik des Primitivismus trifft auf den Minimalismus, wenn Netta Yerushalmy Vaslav Nijinskys Originalchoreografie von “Le Sacre du Printemps” seziert und die Teile in ihre heutige Inszenierung einfügt. Im Zentrum von Kishiks Essay steht die Biopolitik mit dem darin enthaltenden Thema des Opfers, ihrer Fixierung auf den Körper und das nackte Leben. In diesem Kontext gewinnt Nijinskys Werk, auf der Schwelle von Klassizismus und Modernismus, eine paradigmatische Bedeutung.

Choreographic concept and performance by Netta Yerushalmy
Essay by David Kishik
Essay reading by Daniel Colucciello Barber
Costume by Magdalena Jarkowiec


Lea Moro
Le Sacre du Printemps, a ballet for a single body
Lea Moro ist das Herz dieses Balletts, sie ist die Tänzerin, das Ensemble, der alte weise Mann, die Hexe und der Bär. Alleine tanzt sie “Le Sacre du Printemps”. Während sich “L’Adoration de la Terre” auf die sozialen Dynamiken in den Rivalitäten der Stämme konzentriert, setzt Lea Moro ein Tanzsolo dagegen, das die Stellung des Einzelnen und die imaginäre Energie der Gruppe hinterfragt und spielerisch damit umgeht. Lea Moro verkörpert alles selbst, so wird der Raum zum Ritual. Wie viele Körper kann ein einzelner Körper sein?

Concept / Choreography / Performance: Lea Moro
Production: meulmoro
Artistic Advisor: Alice Chauchat, Josep Caballero Garcia
Artistic Support: Désirée Meul, Maja Zimmermann, Anna Posch
Stage & Light: Hubert Scheppan
Special Thanks to: Silke Bake, Sophia New, Linda Sepp and Paul from afoltec Buchstabenkunst Berlin
Co-production: Hebbel am Ufer (HAU Berlin), Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz (HZT) Berlin


Jorge Rodolfo De Hoyos
CONDUIT
Eine Parade der Urtypen tanzt zu der Frage to “kill or not to kill”? Auf dem Altar des Individualismus begleitet ein Stammesopfer die Musik mit seinem Gesang. Die Inszenierung ringt mit der Frage des Tötens und der Selbstopferung und deren Verhältnis zu den Ideen eines übergeordneten Wohls oder höheren Zwecks, wie sie den Handlungen und Einstellungen des zu Opfernden – oder “Erwählten” – entspringen. In der heutigen Figur des Außenseiters, Rebellen, Märtyrers, Selbstmordattentäters, Heiligen oder Psychopathen hat sich unser “Erwählter” bereits von seinem Stamm losgesagt oder kämpft noch mit sich und seiner Entscheidung.

Choreography/Performance: Jorge Rodolfo De Hoyos
in collaboration with: Nir Vidan
Jorge de Hoyos would like to thank the following outside eyes and supporters:
Asaf Aharonson, Gretchen Blegen, Igor Koruga, Anna Lena Lehr, Vladimir Miller, Ponderosa- Movement & Discovery, Leyla Postalcioglu, Maria F. Scaroni, Andre Uerba, Julian Weber, Hochschulübergreifendes Zentrum Tanz (HZT) Berlin
Vergangene Termine
November 2013
ca. 100 min
Produktion: HAU Hebbel am Ufer. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. „Sacre 100“ findet statt im Rahmen von Tanz über Gräben. 100 Jahre "Le Sacre du Printemps" ist eine Veranstaltung der Kulturstiftung des Bundes und des Zentrums für Bewegungsforschung an der Freien Universität Berlin in Kooperation mit dem RADIALSYSTEM V und dem HAU Hebbel am Ufer.