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Gob Squad im Gespräch

Über reale und virtuelle Kollektivität, Gruppen und Gemeinschaften

Mit Harrell Fletcher, Phil Collins & on video: Terry O'Connor (Forced Entertainment), Kate Valk (The Wooster Group)

Im Rahmen von "Be Part of Something Bigger"

Über Möglichkeiten, Widrigkeiten und Grenzen kollektiver Arbeitspraxis und gesellschaftlich relevante Themen wie Selbst- und Fremdbestimmung, Gleichberechtigung, Teilhabe und Gemeinschaft in Zeiten einer Ökonomisierung aller Lebensbereiche möchten sich Gob Squad in einem klar abgesteckten, aber spielerischen Set up – im Bühnenbild von Before Your Very Eyes, einem einseitig verspiegelten Raum mit angrenzenden Videoleinwänden – mit eingeladenen Gästen austauschen. Das Wohnzimmer des Bühnenbildes schafft für diese Begegnungen einen Rahmen, der die privat anmutenden Begegnungen für eine Öffentlichkeit teilbar macht:

Über virtuelle und reale Kollektivität
Ein Gespräch mit Harrell Fletcher (Künstler) – realisierte gemeinsam mit Miranda July das online participatory Web-Projekt Learning to Love You More

Über Communities, Gruppen und Zugehörigkeit
Ein Gespräch mit Phil Collins (Bildender Künstler)

Drei Generationen kollektiver, künstlerischer Praxis (1994, 1984, 1975)
Ein Gespräch per Live-Video zwischen Gob Squad, Terry O’Connor von Forced Entertainment und Kate Valk von The Wooster Group.

Über die Gäste und ihre Hintergründe

Harrell Fletcher
Learning to Love You More ist beides, eine Website und eine Reihe von nicht-Web Präsentationen, die Arbeiten beinhalten, die von einer breiten Öffentlichkeit als Antwort auf Anweisungen der Künstler_innen Miranda July und Harrell Fletcher kreiert wurden. Yuri Ono gestaltete und verwaltete die Website. Teilnehmer_innen akzeptierten eine Aufgabe, erfüllten sie durch das Befolgen der einfachen aber spezifischen Anweisungen, schickten den geforderten Report (Fotografie, Text, Video, etc.) und ihre Arbeit wurde online gepostet. Wie ein Rezept, eine Meditationsübung oder ein vertrautes Lied war der Vorschriftcharakter dieser Aufgaben dazu gedacht, die Leute an ihre eigenen Erfahrungen heranzuführen. Von 2002 bis zu seinem Ende 2009 haben mehr als 8000 Leute an dem Projekt teilgenommen.

Harrel Fletcher ist ein Künstler, der an sozial engagierten, partizipativen Projekten arbeitet. Gleichzeitig ist er Direktor des MFA Programms in Art and Social Practice (Kunst und soziale Praxen) an der Portland State University in Portland, Oregon, USA. Fletcher startete das partizipative Netz-Projekt Learning to Love You More 2002 zusammen mit Miranda July. Es befindet sich heute in der Sammlung des SFMoMA.


Phil Collins
Phil Collins’ vielfältige Praxis wird gekennzeichnet durch eine enge Verbindung mit Orten und Gemeinschaften, die über die Jahre hinweg unter anderem Disko- tanzende Palästinenser_innen, The Smiths Fans dreier Kontinente, Kosovo - albanische Flüchtlinge, Bagdads Jugend, antifaschistische Skinheads in Malaysia, obdachlose Einwohner_innen Kölns, und Lehrer und Lehrerinnen in Marxismus - Leninismus der ehemaligen DDR umfasst haben. Im Unterschied zu statischen Portraits bringen die Installationen, Videos und Fotografien, die aus diesen Verbindungen resultieren, die Feinheiten der Verhältnisse zwischen ästhetischer Ordnung und Ökonomie, die das tägliche Leben zwischen Nachrichten und Politik, Unterhaltung und Shopping bestimmen, zum Ausdruck. Collins’ Arbeit hält durchgehend eine Verbindlichkeit mit unzähligen Formen von Erfahrung innerhalb gesellschaftlicher Spektren und ein Interesse an den widersprüchlichen Impulsen von Vertrautheit und Begehren in der Öffentlichkeit aufrecht.

Phil Collins ist Bildender Künstler und Filmemacher in Berlin und Köln, wo er eine Professur für Video-Kunst an der Kunsthochschule für Medien innehat. Seine Arbeiten sind in öffentlichen Sammlungen vertreten wie unter anderen in der Sammlung der Tate Galerie, London, des Museum of Modern Art, New York, des Guggenheim Museum, New York, des Irish Museum of Modern Art, Dublin und der National Gallery of Canada, Ottawa. 


Terry O’Connor (Forced Entertainment)
Die entwickelten Arbeiten entstehen definitiv durch Gruppenarbeit, eine Kombination aus spielerischer Improvisation und Diskussionen während langer Probemonate. Eine Sache, die diese Vielfalt zusammenhält, ist das Interesse der Gruppe vor einem Publikum in unmittelbarer und ‚alltäglicher’ Art präsent zu sein. Da ist dieses Gefühl, dass sie auf unterschiedliche Weise auf der Suche nach etwas sind, dass irgendwie weniger als nur Theater ist und gleichzeitig auch mehr als nur Theater.

Seit der Gründung der Kompanie im Jahr 1984, haben die sechs Kernmitglieder von Forced Entertainment über 30 Jahre hinweg eine einzigartige künstlerische Partnerschaft aufrecht erhalten und es geschafft, ihre Position als Wegbereiter des Zeitgenössischen Theaters zu halten. Der für Forced Entertainment typische Prozess des kollektiven Ausdenkens und Entwickelns hat sie zu Pionieren des Britischen Avantgarde Theaters gemacht und ihnen internationale Anerkennung eingebracht.
Terry O’Connor ist Kernmitglied und Performerin bei Forced Entertainment. Neben ihrer Arbeit mit der Kompanie hat sie unter anderem mit Jerome Bel, Richard Maxwell und den New York City Players, Tim Crouch, Meg Stuart und Damaged Goods performt. 2009 wurde sie mit einem AHRC Creative Fellowship an der Roehampton University ausgezeichnet, um im Rahmen des kreativen Projektes Say The Word, einer Methode nachzugehen, Sprache und Paradigmen der Kollaboration in Zeitgenössischer Performance und deren Verhältnis zur Poetik von gesprächsbasiertem Austausch zu untersuchen. In 2011 wurde sie als Professorin für Zeitgenössisches Theater und Performance an die University of Sheffield berufen.

Terry über kollektive Arbeit:
Partly, it's just what we learned, at university, on a practical course with a real emphasis on making as a group. Three years also of watching other companies, many of them collectives from the late Seventies, so that maybe we got a taste for the difference in work that was made in this way, how you could feel the people in it as makers, almost independent of the work's aesthetics. We were aware that there was a lineage to this approach and interested in what it had to say as a process, about the world. Originally we called ourselves a co-operative and swapped roles for a couple of years and then, after a while, it seemed better to acknowledge that different people in the company had different inclinations and abilities as well as different opinions, that the company did not have to ignore this, in fact that the work was stronger for it. There is this ongoing balancing act in collective making, an exchange between individual initiatives and a common pulling together and somewhere in the pull and push of this, there is the possibility for a kind of positive dissent. The process works as a kind of focus shift from the individual to the bigger pictures. Sometimes there may be rules that we all adhere to, but even here, it’s difference that is exposed. Difference hasn’t stopped us. Rather it seems logical that as theatre puts groups of people onstage, you want to feel this shimmering within them, not only between the person and the task or the template or the rules, but between the individual and the group. We work together to keep going.


Kate Valk (The Wooster Group)
Die Wooster Group gründete sich rund um Elizabeth LeCompte und Spalding Gray, die 1975 damit begonnen hatten gemeinsam Arbeiten zu produzieren. Die Gruppe mit ihren unzähligen künstlerischen Mitarbeiter_innen kreierte mehr als dreißig Stücke für Theater, Tanz, Film und Video und hat es geschafft seit ihrer Gründung ein Vollzeitensemble aufrechtzuerhalten.

Kate Valk begann ihre Zusammenarbeit mit der Gruppe 1979, zunächst nähte und kaufte sie ein, transkribierte und editierte Texte als LeCompte’s Assistentin und spielte dann als Performerin auf der Bühne mit. Seither ist sie sowohl an der Entwicklung aller Stücke der Gruppe beteiligt als auch als Performerin darin.




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November 2014
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