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100° Berlin 2014

20.–23.2.2014 / HAU1, HAU2, HAU3

Mit über einhundert Vorstellungen aus Theater, Tanz und Performance an drei Orten in der Stadt lädt das 100° Berlin Festival vom 20. bis 23. Februar zum elften Mal zu einem viertägigen Bühnenmarathon ein. Neben dem HAU Hebbel am Ufer und den SOPHIENSÆLEN ist erstmals auch das Ballhaus Ost Spielstätte des Festivals. Alle drei Häuser öffnen ihre Bühnen, Foyers und Höfe für die darstellenden Künstler, die im Stundentakt ihre Aufführungen zeigen. 

Im HAU Hebbel am Ufer präsentiert das Kollektiv magic garden die Performance QUESTIONING – vom Publikum, fürs Publikum und übers Publikum. QUESTIONING hält nicht dem Theater, sondern seinen Zuschauern den Spiegel vor: Wer sind wir? Wie leben wir? Wie ähnlich sind wir uns?

Auch Carla Maria vom Hoff geht es in ihrer Performance Eselssöhne "Eşek Oğlu Eşek" oder: Wie ich Träger einer hybriden Identität wurde um das Suchen und Finden der eigenen Persönlichkeit. "Was glaubst du, wer ich bin?", ist für Feridun Oztoprak und Kyra Mevert die Ausgangsfrage ihrer Auseinandersetzung mit Selbst- und Fremdbildern.

Jeden Tag werden wir bei unserem Namen gerufen und rufen den Namen unseres Gegenübers. Sprache und Körperlichkeit sind miteinander verflochten und formen unsere Biografien. In About You. setzen sich die beiden Performerinnen von meulmoro mit dem Zusammenhang von Sprache und Körper auseinander.

Die Performance Left I – Right I von Sonya Levin & Marcela Giesche beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Funktionen der linken und rechten Gehirnhälfte und fragt nach der Verortung des "Ich" in einer sich ständig bewegenden Welt.

In Flatland treffen ekstatische und konstante, obsessive und regulierte Körper und Objekte aufeinander. Julian Weber hinterfragt mit seiner Arbeit das Spannungsfeld zwischen Direktem und Abstraktem, zwischen Ursprünglichem und Artifiziellem.

"Ich heiße Hieu. Das heißt: Liebe deine Eltern!" WARRUG/COBRAHIEU.COBRA mikroskopieren die Keimzelle der Gesellschaft: die Familie. In HIEU: LIEBE DEINE ELTERN! – Eine Familienaufstellung geht es um eine Auseinandersetzung mit den Zusammenhängen von Individualität und Gemeinschaft. Wie viel WIR lässt ein ICH zu? Wie viel ICH lässt ein WIR zu?

Ein ganz anderer Aspekt von Familie beschäftigt Fiona Lux. Ihr Stück Sebastians Ohren ist eine Einfühlung in die akustische Welt ihres Bruders. Sebastian B. Ebners Wahrnehmung ist verschoben, es gibt eine direkte Verbindung vom Gehör zur Haut. Kleine dezente Alltagsgeräusche bringen ihn wie aus dem Nichts zum Lachen. Fiona Lux nimmt die Wahrnehmungswelt ihres Bruders als Ausgangspunkt und komponiert ein Musikstück für ihn.

Außerdem erklärt der Klub der Kavaliersdelikte das 100° Festival zu seinem Revier: In allen drei Spielstätten werden Klubzentralen eröffnet und Komplizenschaft begründet. Der Klub wird zum Ort der Verschwörung, der Zusammenkunft und der Geständnisse.

Im Rahmenprogramm sind Videoarbeiten und Installationen zu sehen, Mitternachtssprecher wie Christine Wahl, Schorsch Kamerun und Margarita Tsomou kommentieren das Gesehene und eine fachkundige Jury kürt die Gewinner, die im Rahmen des Best Of 100° am 2. und 3. April nochmals im HAU Hebbel am Ufer zu sehen sein werden. Anlässlich der 100° Eröffnungsparty spielen BadKat und Giotto ein Hip Hop Live Set. An den folgenden Abenden geben AKIA feat. KENNY GOLD ein Elektro-Konzert und die DJs Pover T und M4NIFE5T legen im WAU auf. Redakteure aus Hildesheim und Berlin begleiten das Festival im Blog 100wort mit Kritiken, Backstage-Reportagen, Interviews und Essays.

Die 100°-Gewinner

DER JURYPREIS
verliehen von der Jury bestehend aus Alexandra Hennig, Iwona Nowacka, Lukas Wegenast, Magdalena Gartner, Suse Pfister, Tobias Pflug, Tom Stromberg (Juryvorsitz HAU)

HAU1
Dittrich Frydetzki / Dreit / Flegel / Frölicher /Grief / Worpenberg
Steppengesänge
Die Inszenierung berührt, bewegt und regt auf vielen Ebenen zum Nachdenken an. Die Geschichte, die „Steppengesänge“ erzählt, dekonstruiert gesellschaftliche Vorstellungen von TäterInnen und Opfern und zwingt die Zuschauenden dazu, ihre eigenen Perspektiven zu hinterfragen. Auf intelligente Art und Weise werden Identität, Nationalität und Geschichtsschreibung reflektiert. Die Zuschauenden werden zur Partizipation verleitet und mit einfachen Mitteln zu Mittätern gemacht.
Die Inszenierung trägt ihre Stärke darin, dass sie eine Verweigerung jeglicher Form des Theaters suggeriert, jedoch gleichzeitig klar aufzeigt, dass sich bewusst für das Spiel mit dieser Verweigerung entschieden wurde.
Das 100° Festival bietet eine Plattform für junge und noch unbekannte KünstlerInnengruppen. Wir haben uns als Jury deshalb auch bewusst dafür entschieden, den Preis an eine junge Theatergruppe zu verleihen, die noch weitgehend unbekannt ist und für die dieser Preis Sprungbrett für weitere Arbeiten sein kann.
 
HAU2
Barbara Berti
I am shape, in a shape, doing a shape
Mit einfachen Mitteln ist „I am shape, in a shape, doing a shape“ eine umwerfende und intelligente Performance, die das Publikum fesselt und gleichzeitig reflektiert. Auf vielschichtigen Ebenen wird die Performancesituation thematisiert und künstlerisch filigran umgesetzt. Barbara Berti überzeugt vollkommen mit ihrer außerordentlichen Bühnenpräsenz und zeigt, dass Humor und Ernsthaftigkeit nah beieinander liegen können.

HAU3
Sebastian Teubner
Das könnte meine letzte Performance sein.
Ein Projekt, das seine Dringlichkeit jenseits von Kategorien wie „spannend“, „wichtig“ oder „mutig“ behauptet. Sebastian Teubner verhandelt die Unmöglichkeit, etwas „Neues“ in der Kunst zu sagen, benennt die Unsinnigkeit  der Institutionen, betrachtet die Einsamkeit im Netzwerk. Scheinbar nebenbei wirft er nicht nur seinen eigenen Werdegang in die Waagschale, sondern die Vergänglichkeit des Lebens und den Schmerz unserer Existenz. Zu Hilfe kommen Zitate von Liedtexten, Videoschnipseln und Kunstwerken, die er neu betont und zusammenfügt. Sein Stück bietet einen Anhaltspunkt auf die Frage: „Was hat euch bloß so ruiniert?“
Mit dem heutigen Abend ist sicher, dass dies nicht seine letzte Performance gewesen sein wird. Darüber sind wir sehr froh: „Punkrock will never die.“ ,

PUBLIKUMSPREIS:
vorschlag:hammer und cobratheater.cobra
Als der Körper zum Feind wurde!
Die Partys im Überblick:
 
Do 20.2., 00:30 / WAU
100° Eröffnungsparty
mit BadKat und Giotto
 
Fr 21.2., 00:30 / WAU
100° Party
mit AKIA feat. KENNY GOLD: loopacut
 
Sa 22.2., 00:30 / WAU
100° Party
mit DJ's Pover T und M4NIFE5T
Die Berlin Diagonale bietet Kuratoren im Rahmen des 100° Berlin Festivals ein speziell zugeschnittenes Angebot.
Kontakt
Karoline Kähler
100° Berlin Festival Produktion / HAU
Tel (0)30.25 9004 81
E-Mail 100grad@hebbel-am-ufer.de
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