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HAU Hebbel am Ufer präsentiert:

Tanz im August

15.-30.8.2014

Collage: Alex Pinheiro

Präzision und Sinnlichkeit

von Annemie Vanackere
Künstlerische Leitung & Geschäftsführung
HAU Hebbel am Ufer

Als im Jahr 1988 West-Berlin die "Kulturhauptstadt Europas" wurde, hatte die Stadt, in der wir leben, noch ein völlig anderes Gesicht. Berlin war geteilt. Der vermeintlich freie Westen – kaum mehr als eine Enklave inmitten des Staatsgebiets der Deutschen Demokratischen Republik, künstlich am Leben gehalten von den alliierten Siegermächten. Mit ihrem untrüglichen Gespür für den richtigen Moment rief Nele Hertling ein Jahr später, in 1989, den "Tanz im August" ins Leben. Unter ihrer Leitung war das Hebbel-Theater gerade als Haus für internationale Koproduktionen und Gastspiele neu eröffnet worden. Mit dem Festival schuf sie eine Veranstaltungsplattform, die seitdem jährlich, in verdichteter Form, die maßgeblichen Entwicklungen im zeitgenössischen Tanz auch an der Spree sichtbar macht. Das hat die hiesige Performing-Arts-Szene nachhaltig verändert und geöffnet.

Kaum mehr als ein Vierteljahrhundert später ist das wiedervereinte Berlin nicht nur eine weltweit respektierte Kulturmetropole, sondern auch ein Zentrum des zeitgenössischen Tanzes. Keine andere Einrichtung hat diese Entwicklung so sehr mitgeprägt wie "Tanz im August". Die Auslastung von nahezu hundert Prozent zeigt, dass sich das Festival unter den Bewohnern der Hauptstadt – und weit darüber hinaus – größter Beliebtheit erfreut. Neben "Impulstanz" in Wien und "Montpellier Danse" zählt es zu den wichtigsten Veranstaltungsformaten seiner Art in Europa.

Das grenzt fast an ein Wunder, denn die zwei genannten Festivals sind finanziell ungleich besser ausgestattet. Dass "Tanz im August" trotzdem der Ruf vorauseilt, Motor und Spiegel der choreografischen Entwicklungen zu sein, hat mit der großen Leidenschaft der kuratorischen Teams zu tun, zuallererst aber mit der künstlerischen Kraft der eingeladenen Künstler selber. Ihre kühnen Visionen haben das Festival zu dem gemacht, was es heute ist. Die lebendige Tanzszene Berlins verknüpft sich in ungeheurer Leichtigkeit mit dem Glamour, den die Akteure von außerhalb in die Stadt mitbringen.
Angesichs dieser Erfolgsgeschichte hat die Senatsverwaltung in Berlin erkannt, dass das Festival, 25 Jahre nach seiner Gründung, tiefgreifender struktureller Veränderungen bedarf. Zeitgleichmit der Neueröffnung des Theaters unter meiner Leitung wurde das HAU Hebbel am Ufer 2012 zum alleinigen Ausrichter von "Tanz im August" ernannt. Als führende Spielstätte für zeitgenössischen Tanz in Berlin kümmern wir uns nicht nur im Sommer, zur Festivalzeit, sondern das ganze Jahr hindurch auf internationaler wie auch auf lokaler Ebene um dessen Pflege und Förderung.

Nachdem die kurzfristig als Interimskuratorin berufene Bettina Masuch eine würdige Jubiläumsedition im Sommer 2013 auf die Beine gestellt hat, richten wir nun den Blick nach vorne: Zusammen mit einer international besetzten Jury haben wir in der finnischen Tanzexpertin Virve Sutinen eine künstlerische Leiterin gefunden, die uns in den nächsten zwei Jahren viel Freude bereiten wird. In ihrem Festivalprogramm stehen präzise Choreografie und flamboyantes Tanztheater in einem schönen Spannungsverhältnis. Reflexion und Sinnlichkeit bilden keinen Widerspruch, sondern ergänzen sich gegenseitig. Künstler aus unterschiedlichen Generationen, neue und bekannte Namen, werden im HAU, aber wie immer auch an vielen anderen Orten in dieser Stadt ein und aus gehen. Wir bedanken uns herzlich bei unseren Förderern – dem Hauptstadtkulturfonds, dem Land Berlin, und zum ersten Mal auch bei der Aventis Foundation. Sie alle haben die diesjährige Festivalausgabe durch ihre Zuwendungen möglich gemacht.

Internationale Gastspiele und Koproduktionen, die dem Festival erst seinen Glanz verleihen, sind aber kostenintensiv. Eine inhaltlich überzeugende Programmarbeit benötigt darüber hinaus Planungssicherheit. Das gilt für nicht nur für das Festival und seine Mitarbeiter, sondern auch für die Künstler und Partnerorganisationen. Schon um das Niveau von "Tanz im August" auf dem gegenwärtigen Niveau zu halten, bedürfte es einer Erhöhung der Fördermittel. Das gilt um so mehr, wenn wir mit den Entwicklungen vergleichbarer internationaler Festivals wirklich Schritt halten wollen. Als unverbesserliche Zwangsoptimisten sagen wir "Tanz im August" eine gute Zukunft voraus. Wir sind zuversichtlich, dass dieses einzigartige Festival ein Aushängeschild für den internationalen Kulturmagneten Berlin bleiben wird, so wie es die Stadt – ihre Bewohner und Besucher – verdient hat. 

Ich freue mich darauf, dass die Fantasie und die kreative Energie von Künstlern aus der ganzen Welt uns alle auch in diesem August wieder beflügeln werden.