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Verleihung des Goldenen Zaunpfahls

Negativpreis für absurdes Gendermarketing

Marzipan für echte Kerle, Gurken für Mädels, Prinzessinnenshampoo in Pink und in Hellblau für Ritter … Tee, Stifte, Textaufgaben, Gummistiefel und Sehtests, alles wird neuerdings in zwei Varianten angeboten. Gendermarketing nennt sich diese Strategie, die uns eine Welt verkaufen möchte, in der Farben, Interessen, Verhaltensweisen und Eigenschaften streng nach Geschlecht getrennt werden.

Im November 2016 haben Anke Domscheit-Berg, Almut Schnerring und Sascha Verlan ihre Protestaktion gegen die Auswüchse des Gendermarketing mit einem öffentlichen Aufruf gestartet. Seitdem bekommen sie täglich neue Vorschläge, welches Produkt, welche Kampagne, welches Unternehmen den Wink mit dem Goldenen Zaunpfahl am nötigsten hat. Auf Kritik kommen zuverlässig die immer gleichen Beschwichtigungsformeln: "An der Kampagne waren auch Frauen beteiligt, sie kann also gar nicht sexistisch sein", "Das ist doch nur lustig / ironisch", "Die Leute müssen es ja nicht kaufen" "Wir reagieren nur auf die Wünsche der Kundschaft." Das mag die Intention sein, wichtiger ist aber, was bei den Verbraucher*innen und Kund*innen ankommt, insbesondere bei Kindern. Und da ist die Forschungslage ziemlich eindeutig: Kinder werden durch die Vorbilder in der Werbung eingeschränkt in ihrem Rollenverständnis, in ihrem Verhältnis zum eigenen Körper, in ihren Interessen und Wünschen. Viele Errungenschaften der Gleichberechtigungsbewegung werden von den Unternehmen aus Profitinteressen, Unwissenheit und Ignoranz aufs Spiel gesetzt.

Margarete Stokowski, Nora Gomringer, Daniel Bröckerhoff, Tarik Tesfu, Ferda Ataman, Petra Lucht und Anke Domscheit-Berg werden als Jury aus den vielen Einsendungen den ersten Platz bestimmen und am 3. März 2017 erstmals den Goldenen Zaunpfahl verleihen … ob auch die Nominierten zur Preisverleihung erscheinen werden? Die Jury wird ihre Auswahl begründen, die Laudatio sowie ein dialogischer Vortrag zu Gendermarketing, Minimalgruppenforschung und Stereotypbedrohung werden die psychologischen und sozialen Zusammenhänge beleuchten und den Unternehmen deutlich machen, dass sie die Entwicklung unserer Gesellschaft mit beeinflussen, dass sie selbst Verantwortung tragen, die sich nicht einfach auf abstrakte Kaufinteressen und ökonomische Mechanismen abwälzen lassen.

Das Anliegen der Goldener Zaunpfahl-Initiative wird musikalisch unterstützt durch Suli Puschban ("Ich hab die Schnauze voll von Rosa") und Form & Yansn vom Berliner HipHop-Label Springstoff.

Mehr Informationen unter www.goldener-zaunpfahl.de
Vergangene Termine
März 2017
ca. 90 Minuten