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Foto: Future Nuggets
Raze de Soare
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Foto: Ute Langkafel
T**lin
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Hidden Music

Raze de Soare / T**lin / Sohrab

Im Rahmen des Festivals Die Ästhetik des Widerstands – Peter Weiss 100

Auch im Verborgenen verschmäht oder gänzlich verboten – Musik hat immer Wege gefunden, Gehör zu finden. Drei Abende im WAU widmen sich ehemals untersagten, bzw. immer noch verbotenen musikalischen Ausdrucksformen aus Rumänien, der Türkei und dem Iran.


RAZE DE SOARE
28.9., 22:00 / WAU

Moderne Manele ist eine Mischung aus orientalisch-rumänischem Folk und zeitgenössischer Popmusik. Der Musikstil spielt mit traditionellen Melodien, die mit billigen Keyboard Synths unterlegt werden. Bis 1989 förderte der rumänische Staat nur traditionelle Volksmusik.
In den 1980er Jahren entstand in Reaktion auf diese Kulturpolitik eine neue Popmusik im westrumänischen Banat. In diese Region war die staatliche Kontrolle aus Bukarest weniger präsent. Zudem konnte durch die Nähe zu Ungarn und Jugoslawien ausländisches Fernsehen und Radio empfangen werden. Musiker beschafften sich trotz staatlich kontrollierter Warenverteilung moderne Musikinstrumente aus westlicher oder japanischer Produktion: E-Gitarren, E-Bässe, Schlagzeuge, Synthesizer und Keyboards. So entstand eine neue rumänische Popmusik, auch “Proto-Manele“ genannt, die sich durch selbst aufgenommene und kopierte Kassetten unter der Hand im Land verbreitete.
 
Von staatlichen Stellen wurde diese neu interpretierte Sinti und Roma Musik als „schmutzig“ und „verdorben“ eingestuft und verboten, im Radio oder bei staatlichen Festivals blieb sie aus. Ein Teil der rumänischen Gesellschaft lehnt den Musikstil nach wie vor ab.

“Raze de Soare“ spielen “Proto-Manele“, LIVE im WAU. Ihre EP “Albatros“, veröffentlicht im rumänischen Label "Future Nuggets", ist eine Hommage an die gleichnamige und bekannteste “Proto-Manele“ Band.

Einen ersten Eindruck gibt's hier.

SOHRAB
1.10., 22:00 / WAU

Im Iran ist jede Musikform die gegen die moralische Auslegung des Regimes gelebt und praktiziert wird unter Strafe gestellt. Immer wieder werden Musiker verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Die staatliche Zensur wirkt sich auf alle Teile des täglichen Lebens aus. Neben traditioneller iranischer, besteht kaum die Möglichkeit Musik im Internet oder im Radio anzuhören. Im Iran ist 70% der Bevölkerung unter 30 Jahre alt. Illegale Musik-Dateien und verbotene CDs werden meistens aus dem Ausland eingeschmuggelt und dann verteilt. Auch Sohrabs Musik darf im Iran nicht gespielt werden. Sein erstes Album erschien beim englische Label “Touch“, sein erster öffentlicher Auftritt fand im Berliner Club Berghain statt. Sohrab kehrte nicht mehr in den Iran zurück, er lebt und arbeitet in Berlin. Im WAU spielt er neben verbotenen Stücken aus dem Iran der 60iger und 70iger Jahre auch aktuelle iranische Produktionen.

Einen ersten Eindruck gibt's hier.

T**LIN
8.10., 22:00 / WAU

T**lin ist eine Queer- und Menschenrechtsaktivistin, sowie die Geschäftsführerin des „Südblocks“ am Kottbusser Tor. Sie ist bekannt für ihre DJ Sets mit orientalischen Klängen. Im WAU wird T**lin ein besonderes Set mit Fokus auf in der Türkei verbotenen kurdischen Liedern spielen. Kurdische Musik fristete wegen des Sprachverbots lange Zeit ein Schattendasein.


Vergangene Termine
September 2016, Oktober 2016