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Gala von Jérôme Bel
Foto: Dorothea Tuch
Gala von Jérôme Bel
Foto: Dorothea Tuch
Gala von Jérôme Bel
Foto: Dorothea Tuch
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Logo des Hebbel am Ufer
Ein Abend für Jung und Alt – Jérôme Bels “Gala” mit Berliner Darsteller*innen beendete im vergangenen Jahr das HAU-Festival “The Power of Powerlessness”. In dieser kollektiven Kunstform treffen professionelle Tänzer*innen auf Amateur*innen mit unterschiedlichem Hintergrund. Es geht nicht darum, die jeweiligen Darbietungen zu beurteilen; vielmehr zeigt sich hier, wie das spezifische kulturelle Repertoire der einzelnen Beteiligten ihr Verlangen nach dem ganz Anderen prägt, das der Tanz verkörpert – nach Freude, Perfektion, Verwandlung und politischer Haltung.

Im Zentrum stehen dieselben Fragen wie schon bei den Stücken “Disabled Theater“ mit geistig behinderten Schauspielern und “Cours d’honneur“, in dem eine Gruppe von Zuschauer*innen auf der Bühne platziert wurde: Wie lassen sich Individuen und Körper auf die Bühne bringen, denen diese Form von Repräsentation allzu oft verwehrt bleibt? Wie lassen sich die unterschiedlichen Möglichkeiten dieses einzigartigen Apparats – des Theaters – mit seinen Codes, Orten, Genres und Fachleuten nutzen, um die Grenzen des Darstellbaren zu erweitern? Und wie lässt sich dieser Apparat demokratisieren, so dass jeder mit einer Neigung zu Tanz, Gesang und darstellender Kunst Zugang zu ihm hat?

Jérôme Bels Erfahrungen mit den 'danse et voix'-Workshops für Laien ließen ihn nach einer flexiblen und ortsunabhängigen Struktur suchen, in der sich die verschiedensten Formen entwickeln können. Diese Struktur sollte offen für Laien mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen sein und ihnen die Verwirklichung ihrer Träume in einer von ihnen selbst bestimmten Form erlauben. Diese Überlegungen führten Bel zur theatralen Erfahrung schlechthin: die Gala. Ein festliches Gemeinschaftserlebnis, das von der Silvesterfeier bis zum Laienabend alles umfasst. Mit einem Abend, der diese Form subversiv unterläuft, öffnete Jérôme Bel die "Gala" für die verschiedensten Stile und erzählerischen Fragmente – nicht zuletzt um ein Inventar einer Form des Tanzes 'ohne spezifische Qualitäten' zu erschaffen, das all die möglichen Beziehungen zwischen Körper und Stimme in ihrer Einzigartigkeit erfasst. Was bringt uns zum Tanzen? Wie können wir tänzerische Darbietungen betrachten, die fragil und unsicher sein mögen, ohne ins Urteilen zu verfallen?

Das Ergebnis ist eine brüchige, collagierte Gala voller Momente der Reflexion, die einer Galerie lebender Porträts gleicht. “Gala“ trägt sein Credo des 'Wieder Scheitern. Besser Scheitern' von einem Theater zum nächsten, wie 'ein Spiegel, der an der Straße entlangspaziert'. “Gala“ präsentiert uns nicht nur das Schaffen der Anderen, sondern lässt uns auch unseres eigenen Blickes auf sie gewahr werden.
Interview mit Jérôme Bel (auf Französisch)
Trailer "Gala"
90min
Konzept und Regie
Jérôme Bel
Assistenz
Maxime Kurvers
Von und mit
Roderick George, Christa Göschel, Sven Hiller, Alexandra Holownia, Sedef Iskin, Heidi Ulrich, Jennifer Koch, Mara Lemac, Mario Lemac, Isabel Lewis, Katharina Maasberg, Fee Aviv Marschall, Eva Meyer-Keller, Zowie Quickert, Otis Repotente, Annika Ströhmann (Schülerin der Staatlichen Ballettschule Berlin), Lajos Talamonti
Künstlerische Beratung und Company Management
Rebecca Lee
Wiederaufnahme Assistenz
Simone Truong, Frédéric Seguette
Kostüme
von den Tänzer*innen
Technische Leitung
Gilles Gentner
Verwaltung
Sandro Grando
Deutsche Premiere am 23.6.2015 im Rahmen des Festivals "The Power of Powerlessness"
Wiederaufnahmen: Januar, Mai 2016
Mit freundlicher Unterstützung des Institut français und des französischen Ministeriums für Kultur und Kommunikation / DGCA.
Produktion: R.B. Jérôme Bel (Paris). Koproduktion: HAU Hebbel am Ufer (Berlin), Dance Umbrella (London), TheaterWorks Singapore/72-13, KunstenFestivaldesArts (Brüssel), Tanzquartier Wien, Nanterre-Amandiers Centre Dramatique National, Festival d'Automne (Paris), Theater Chur (Chur) and TAK Theater Liechtenstein (Schaan) - TanzPlan Ost, Fondazione La Biennale di Venezia, Théâtre de la Ville (Paris), BIT Teatergarasjen (Bergen), La Commune Centre dramatique national d’Aubervilliers, Tanzhaus nrw (Düsseldorf), House on Fire mit der Unterstützung des Kulturprogramms der Europäischen Union. Unterstützt durch: Centre National de la Danse (Pantin) und Ménagerie de Verre (Paris) im Rahmen von Studiolab für die Bereitstellung der Proberäume. Dank an: Boris Charmatz, Jeanne Balibar und den Partnern und Teilnehmern der Dance and voice workshops, NL Architects und Les rendez-vous d’ailleurs. R.B. Jérôme Bel wird unterstützt von der Direction régionale des affaires culturelles d'Ile- de-France, French Ministry for Culture and Communication, und vom Institut Français, French Ministry for Foreign Affairs, für das Internationale Touring.