/
Foto: Anja Quickert

Foto: Anja Quickert
/
/
Logo des Hebbel am Ufer

Tischgespräche

Begehren – Fetisch – Virtuosität

Mit Bini Adamczak, Teresa Koloma Beck, Luise Meier, Kevin Rittberger, Noam Yuran, Raul Zelik

Im Rahmen von "MARX200: Politik – Theorie – Sozialismus"

Der Marx’sche Begriff „Fetisch“ hat im Laufe der Jahrhunderte nichts an Aktualität eingebüßt; „Begehren“ und „Virtuosität“ strukturieren unsere Arbeits- und Lebensverhältnisse im diffusen Feld der Angebote, Zwänge und Möglichkeiten des kapitalistischen Systems  sei es im Hinblick auf Geld als „Ware“, auf Geschlechterverhältnisse, auf (strukturelle) Gewalt und Machtbeziehungen, Formen von Freiheit oder ein ersehntes, revolutionär anderes Leben. Im partizipativen Format der Tischgespräche wollen wir dieses Begriffsfeld aus verschiedenen Perspektiven befragen.

Bini Adamzcak ist eine politische Autorin, die sich vor allem mit den Themenfeldern Kommunismus und Queerness auseinandersetzt. 2004 erschien ihre Publikation „Kommunismus“, in der sie Kindern erklärt, wie endlich alles anders wird. Die englische Übersetzung löste 2017 bei US-amerikanischen rechten Gruppierungen einen Shitstorm aus. 2017 erschienen zum Jubiläum der Russischen Revolution „Beziehungsweise Revolution. 1917, 1968 und kommende“ sowie „Der schönste Tag im Leben des Alexander Berkman. Vom womöglichen Gelingen der Russischen Revolution“. „Ohne den Gang durch die Geschichte der revolutionären Versuche wird es keine revolutionäre Versuchung mehr geben“, schreibt sie in ihrem Buch „Gestern Morgen“.

Luise Meier arbeitet als freie Autorin und Servicekraft; Studium der Philosophie, Sozial- und Kulturanthropologie und Kulturwissenschaften. Anfang 2018 veröffentlichte sie ihr Buch „MRX Maschine“, die nahelegt, „Marx als Zündschnur zu gebrauchen“. Die MRX-Maschine zapft Feminismus, Postkolonialismus und anderes an, sie scannt die Schauplätze der öffentlichen Selbstvermarktung und die private Fabrik der Körperoptimierung nach Spuren des internalisierten Klassenkampfs, der nach Desintegration und Verschwendung schreit und dabei die polierte Benutzeroberfläche zerkratzt. 

Teresa Koloma Beck ist Professorin für Soziologie der Globalisierung an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaft der Universität der Bundeswehr München. 2011 promovierte sie an der Humboldt-Universität zu Berlin über Veralltäglichungsprozesse im Bürgerkrieg. Sie ist Mitbegründerin der Arbeitsgruppe „Erfahrungen der Globalisierung“ am Centre Marc Bloch und Mitglied des Arbeitskreises „Gewaltordnungen“ in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft. Ihre Forschung zu Kriegs- und Nachkriegsgesellschaften führte sie für ethnographische Forschungsaufenthalte nach Angola (2005/06), Mosambik (2010) und Afghanistan (2015).

Kevin Rittberger arbeitet als Autor, Regisseur, Kurator und Journalist. Seine Theaterarbeiten waren unter anderem am Theater Basel, am Maxim Gorki Theater, am Düsseldorfer Schauspielhaus oder am Schauspielhaus Wien zu sehen. 2011 war er für den Mülheimer Dramatikerpreis nominiert. 2015/16 kuratierte er die Lecture- und Performancereihe „Community in Progress“ am Theater Basel, die lokale und globale Organisationsformen der Partizipation in Gegenwart und Geschichte zum Gegenstand und das Gemeinsame zum künstlerischen Ansatz macht. Zuletzt inszenierte er dort die Uraufführung seines Stücks „Revolution in St. Tropez. Stück für die linke Hand“ – über die Anarchistin Emma Goldman. Gemeinsam mit Arno Auer war Rittberger auch an mehreren Performances beteiligt, u.a. „Peak White“ im Kunstverein Hannover. 

Noam Yuran ist Dozent am College of Academic Management Studies in Israel und Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Minerva Humanities Center der Tel Aviv University. In seiner Publikation „What Money Wants: An Economy of Desire“ hinterfragt er die Prämisse der Mainstream-Ökonomen, Geld habe nichts mit Begehren zu tun, und entwickelt eine neue, provokante Theorie des Geldes. Mit den Werken von Karl Marx, Thorstein Veblen und Max Weber argumentiert er, dass Geld in erster Linie ein Objekt der Begierde ist. Dabei geht es „What Money Wants“ weniger darum, das Verlangen nach Geld als pathologisch zu begreifen, sondern zu zeigen, wie es die ökonomische Realität durchdringt.

Raul Zelik ist freier Schriftsteller, Übersetzer und Politikwissenschaftler. Seit den 1980er Jahren war er in der Internationalismus-Bewegung, antifaschistischen und antirassistischen Gruppen aktiv und lebte in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder in Lateinamerika und Südeuropa. Sein Schwerpunkt ist die Auseinandersetzung mit sozialen Bewegungen, mit dem Postkapitalismus und der Frage nach globaler Solidarität. Er war Mitgründer der Berliner Organisation „Für eine linke Strömung“ und ist seit Mai 2016 im Parteivorstand der Partei Die Linke.
Aktuelle Termine
Sa 05.05.2018, 17:00 / HAU3
Deutsch und Englisch
120 Min.
Eine Kooperation des HAU Hebbel am Ufer mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung im Rahmen der Konferenz "MARX200: Politik - Theorie - Sozialismus“.