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Foto: Christian Lutz
Ali Moini
Foto: Christian Lutz
Foto: Erli Gruenzweil
hoelb/hoelb
Foto: Erli Gruenzweil
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Ali Moini, Janez Janša, hoelb/hoeb

Violence of Inscriptions #2

On Resilience – Tag 1

Im Rahmen von “Violence of Inscriptions", ein Projekt von Sandra Noeth und Arkadi Zaides

19 Uhr

Ali Moini: My Paradoxical Knives (Performance / Tanz)

Hey Sky, don’t turn without Me.
Hey Moon don’t shine without Me.
Hey Earth, don’t grow without Me.
Hey Time, don’t pass without Me.

Was ist ein sicherer Abstand? Wie viel Nähe ist nötig, um jemandem nahe zu kommen, sich auf etwas Unbekanntes einzulassen? “My Paradoxical Knives“ erkundet die Herstellung und Metamorphose eines Bildes: des Bildes eines sich drehenden Mannes, der zum Zentrum von sich bewegenden Messern wird. Während Ali Moini in Referenz an die kreisförmigen Bewegungen der Sufi-Tänze die gesungenen Worte eines Gedichtes des persischen Mystikers und Poeten Rumi mit den Füßen verwischt, fallen in seinen Bewegungen Erfahrungen der Sicherheit mit dem Erleben von Verletzbarkeit und Gefahr zusammen. Mit einprägsamer Präsenz erinnert er in seinem Solo daran, dass jede Herstellung von Nähe und Gemeinschaft immer auch mit einem Akt der Trennung verbunden bleibt. Ein Tanz wie ein tiefer Atemzug. Poetisch und – vor dem Hintergrund der Zensur von Ausdruck und Selbstbestimmung im Iran und anderswo – politisch zugleich.

Konzept und Performance: Ali Moini Produktion: Selon l`Heure Kritische Begleitung: Loïc Touzé, uraufgeführt im Rahmen des Programms PEPCC von Forum Dança

20 Uhr

Einführung in das Programm und die Thematik von “Violence of Inscriptions #2: On Resilience”

Two Lectures & a Dialogue

Janez Janša: The Wailing Walls (Lecture)

Ausgangspunkt von “The Wailing Walls“ ist die politische Bedeutung der Mauer als Objekt/Raum der Trennung und Teilung. Mauern bilden seit jeher einen Einschnitt im Raum, durch den ein Raum in zwei (oder mehr) geteilt wird. Mauern sind Gebilde des Teilens, des Abgrenzens, des Drohens. Mauern sind eine der wirksamsten Manifestationen (politischer) Macht. Eine Mauer wird stets von derjenigen der betroffenen Parteien errichtet, die sich von der anderen abgrenzen will, unabhängig von der Zustimmung der anderen Partei. So wie in einem Großteil der westlichen Welt verlaufen auch in Slowenien die Trennlinien innerhalb der politischen Sphäre vor allem entlang unterschiedlicher, ideologisch aufgeladener Perspektiven auf die Vergangenheit, indem man sich selbst geschichtliche Verdienste zurechnet, die anderen dagegen geschichtlichen Unrechts beschuldigt. Nach wie vor herrscht in der Politik das Schema von Rot und Schwarz. Eine strukturelle Gewalt etabliert sich, durch die der Einzelne sich begrenzten Alternativen gegenüber sieht: Entweder bleiben die Bürger den Wahlen fern oder werden zu Protestwählern.
Die Installation “The Wailing Walls“ besteht aus zwei Mauern aus Eisblöcken, einer roten und einer schwarzen. Die Mauern werden auf einer leicht geneigten Fläche errichtet, in der sich eine Aussparung mit dem Umriss Sloweniens befindet. In dieser Form sammelt sich das Wasser des langsam schmelzenden Eises. Nach dem Vorbild der Jerusalemer Klagemauer sind die Besucher*innen der beiden “Wailing Walls“ eingeladen, Zettel in die Mauerritzen zu stecken und auf den Zetteln einen politischen Standpunkt zu beziehen.
Indessen ist “The Wailing Walls“ auch eine Performance zweier ‘Akteur*innen’, die sich langsam und unaufhaltsam durch eine kontinuierliche Metamorphose in Nichts auflösen. Die Mauern/Akteur*innen verschwinden, wie die Akteur*innen nach jeder Aufführung verschwinden; sie hinterlassen nicht mehr als die Erinnerung an eine 14 Tage währende Performance.
Der zweite Teil von “The Wailing Walls“ führt eine widerstandsfähige Dimension individueller und kollektiver Erinnerungen ein. Ein*e Zuschauer*in wird aufgefordert, Erinnerungen in sich heraufzubeschwören, die ihn zum Weinen bringen, und die Tränen zu spenden.

hoelb/hoeb: Empathy Devices

Das Schaffen des Künstlerduos hoelb/hoeb bewegt sich am Schnittpunkt von Kunst, Alltagspraxis, visuellen Verfahren und Performance. In ihren Installationen entwickeln sie eine räumliche Dramaturgie, die es den Besucher*innen ermöglicht, über ihre persönlichen Verlusterfahrungen nachzudenken: über das, was sie verloren haben und was sie verlieren könnten, aber auch über individuelle und kollektive Möglichkeiten und Rituale, um heute Mitleid, Trauer und Zusammenhalt Ausdruck zu verleihen. Im Rahmen von “Violence of Inscriptions“ stellt das Duo ausgewählte Werke vor und erläutert die eigenen künstlerischen und sozialen Strategien zum Austausch von Wissen.
Vergangene Termine
Juni 2017
Englisch
Ein Projekt im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.