IN VERTEIDIGUNG DER GÄRTEN
GESPRÄCH MIT CHRISTOPH SCHÄFER, B_BOOKS U.A.
18.11.2010 / 20.00 UHR / HAU 1 – TICKETS BUCHEN
Blumen, politische Gemeinschaften und romantische Fragmente einer Postgründerzeit – ein Gespräch über Nutzungsweisen der Stadt, Brachen, Blumen und Sofas, die auf der Strasse bewohnt werden — anhand von Projekten wie gap2go, Christoph Schäfers Buch „Die Stadt ist unsere Fabrik” u.v.a.
Bars und Kneipen geben sich heute gerne als Brachen aus, Bierkästen und gefundene Bretter als Theke. Handelt es sich um eine billige Art, einen Raum herzustellen, der ein Mindestmaß an dissidentem Aufenthalt ermöglicht oder ist es eben der Ramsch-Chic, den man heute so hat? Und ist in diesem Sinne der Kneipen-Garten, in dem man erntend zusammenkommt, doch etwa der Schrebergarten des Alternativbürgertums, das seine empfindsame Lebensform verteidigt?
Wahrscheinlich ist es zuerst einmal die falsche Frage, nur ist sie mangels einer besseren immer noch ein Platzhalter, nicht allen Müll zu schlucken. Lässt sich an Brachen, Gärten, Theken so etwas wie ein Fieber/Lebens-Thermometer halten, um festzustellen, ob im Rahmen dieser Improvisationen Interventionen möglich sind oder nur die gleiche Erkaltungsfolge sich einstellt wie in jeder xbeliebigen ökonomischen Unternehmung? Christoph Schäfer begreift seinen Slogan Die Stadt ist unsere Fabrik als im vollen Sinne doppeldeutig: die entwickelten Projekte, Gesten, Orte, Szenen, Lebensstile sind eine Produktionsform, die von den neoliberalen Verhältnissen aufgezwungen wird und die sich daher gerade nicht von anderen Verwertungsformen unterscheidet. Und andererseits ist es tatsächlich die eigene Arbeit, die von diesen Räumen ermöglicht wird. Billige Lebensstandards sind darin genau die Voraussetzung, um weiter zu arbeiten. In Verteidigung der Gärten nimmt von dieser altbekannten Ambivalenz schöpferischer Prekarität ihren Ausgang und misst die Temperatur der immer flexibler werdenden Integration.
Und die verpflanzte, kultivierte Brache, der in das HAU gehobene oder abgesenkte Prinzessinnengarten, welches Unkraut wird da umgedeutet?


