Tag Archives: Geld

EIN ALIEN NAMENS GELD

Ein schleimiges Wesen beginnt plötzlich zu wachsen, unkontrollierbar, nichts kann es aufhalten. Drumherum bekommen es die Menschen mit der Angst zu tun – aber nur kurz, denn schon hat es Besitz von ihnen ergriffen und sie zu starr blickenden Kreaturen gemacht.
Bei Chris Kondek und Christiane Kühl wird das Geld zum Alien und das Alien allen Sci-Fi zum Geld. Es schlüpft aus Eiern und Körpern, es ist Natur geworden, es braucht die realen Dinge nicht mehr. Wird seine dunkle Macht uns eines Tages ganz verdrängen? In einer Art “Operation am offenen Portemonnaie” – die taz in anderem Zusammenhang – trägt das Regisseur- und Hauptdarstellerpaar seine These so eindringlich vor, dass auch Tobias Becker auf Spiegel Online zugesteht:

Die These des Theaterabends ist verrückt, abgedreht, gaga, natürlich ist sie das, aber sie ist auch bestechend: Unser Geld ist kein neutrales Werkzeug, unser Geld ist ein lebender Organismus, der grenzenlos wuchert, ein Monster, das den Menschen als Wirtstier benutzt, ein Alien auf dem Weg zur nächsten Stufe der Evolution.

Zu den Fotos… Weiter »

PREMIERE: MONEY – IT CAME FROM OUTER SPACE

REGIE: CHRIS KONDEK/CHRISTIANE KÜHL

Heute, 13. November: Premiere, weitere Vorstellungen 14. – 16. November / 20.00 UHR / HAU 3

Die meisten Menschen halten Geld für ein Tauschmittel. Dieser naive Irrglaube hat uns in die aktuelle Katastrophe gestürzt. Geld ist kein neutrales Werkzeug, das wir benutzen; es ist ein gigantischer lebender Organismus auf dem Weg zur nächsten Stufe der Evolution. Jeder Euro, jeder Dollar, jeder Yen ist Teil einer Schwarmintelligenz, die sich in Kapitalströmen organisiert. Sie kennt nur ein Ziel: Vermehrung. Ausbreitung. Akkumulation. Kein Land, kein Körper, keine Sphäre ist sicher. Panik bricht aus, Massenhysterie. Können die Regierungen das Geld stoppen? Kann die Wissenschaft es zähmen? Was ist des Geldes wahre Natur? >>Mehr

ZELLEN. LIFE SCIENCE – URBAN FARMING

Zellen sind nicht nur kleine Kammern, sie werden auch als Fabrik vorgestellt, als Motoren des Wachstums und von Veränderung. Als Keimzelle ist die Zelle das Merkmal eines Anfangs im Kleinen, als Gefängniszelle überwachbarer Ort für Delinquenten. Vielleicht hat Arjun Appadurai Recht und vertebrale Systeme, wie sie die Nationalstaaten verkörpern, kämpfen augenblicklich wie die Dinosaurier um ihr Überleben, während zellulare Systeme wie das global organisierte Kapital, Terroristen, aber auch Graswurzelglobalisierung das Rennen machen. Vielleicht aber wohnen wir einem viel größeren Paradigmenwechsel bei, dessen Schemen wir nur ahnen können. Die Kontrolle über zellulare Entwicklung auf dem biologischen Sektor jedenfalls lässt sich nur mit kritischer Distanz beschreiben.