Tag Archives: Körper

ZELL-ASSOZIATIONEN

Zelltheorien verraten viel über biologisches Denken – und über dessen politische Dimension

Von Staffan Müller-Wille

Schlägt man ein Lehrbuch der Biologie auf, so lernt man für gewöhnlich, dass Zellen die fundamentalen Einheiten sind, aus denen der lebende Körper aufgebaut ist. Ein recht statisches Bild, das sich schnell verflüchtigt, wenn man zu den Quellen der Zelltheorie im 19. Jahrhundert zurückkehrt. Karl Marx, wie immer ein scharfer Beobachter des Zeitgeists, bemerkte das damals schon. Im Vorwort zum ersten Band des Kapitals griff er ausgerechnet zur „Körperzelle“ der zeitgenössischen „mikroskopischen Anatomie“, um zu veranschaulichen, was ihm mit der Analyse der Ware als „ökonomischer Zellenform“ der bürgerlichen Gesellschaft vorschwebte. Die Zelle nicht als Baustein, als fester, seinerseits aus Membranen, Kern und anderen Zellorganellen bestehender Körper, sondern als Austauschprozesse vermittelndes Element des Lebens – das ist eine Vorstellung, die selbst Fachleuten zuweilen noch Kopfzerbrechen bereiten kann. Weiter »

WARUM WIR ES IM THEATER TUN

Von Robert Shaw und Marco Clausen / Prinzessinnengärten

„Theater zu Parkhäusern“ hatte Thomas Meinecke in den späten 1970er Jahren in „Mode und Verzweiflung“ einmal gefordert. Nun, da die Zeit des motorisierten Individualverkehrs langsam aber sicher zu Ende geht, wird es an Parkplätzen schon bald keinen Mangel mehr geben. Nüchtern stellen wir fest: Das Auto geht, das Theater bleibt. Es bleibt, insofern es sich als Ort immer wieder neu zu erfinden vermag. Das ist es vielleicht, was wir am Hebbel am Ufer in den letzten Jahren zu schätzen gelernt haben: ein Theater, das kein Theater sein möchte, das auszieht, die Stadt zu finden, in die Schulen der Nachbarschaft, in die Neuköllner Wohnungen. Ein Theater in der Identitätskrise könnte man meinen. Das verbindet es mit den Prinzessinnengärten, auch so ein Ort, der den Erwartungen, die man an einen Garten stellt, nicht unbedingt gerecht wird. Weiter »

KATE MCINTOSH UND PASCALE PETRALIA UEBER ‘DARK MATTER’

In „Dark Matter“ benutzen Sie ein Format, das wir bereits aus einer Ihrer frü̈heren Shows kennen, nämlich aus „All Natural“: das ‚Late Night Show-Umfeld‘. Was macht diese Form für Sie so attraktiv?

Kate: Man kann wirklich stark mit dieser Form spielen, aber auch gegen sie. Die Menschen verstehen ihre Codes fast unmittelbar. Sie kennen sie aus Filmen, dem Fernsehen und von der Bühne. Diese Form gibt dem Publikum einen Schlüssel zum Ansehen der Show, es handelt sich also um eine miteinander geteilte kulturelle Sprache. Ich versuche nun, diese zu unterlaufen oder zu verzerren, um innerhalb dieses kulturellen Abkommens eine kompliziertere Sprache zu bilden. Eigentlich benutze ich in „Dark Matter“ mehr als ein Format: es gibt auch das ‚Happening für Laienwissenschaftler‘, das etwas Unbeholfenes und Ernsthaftes an sich hat, was nicht so recht in ein Show-Umfeld passt. Es bietet die Möglichkeit, die Welt anders zu betrachten, aus anderem Blickwinkel. Während es in der Late Night Show um visuelle Trickserei geht, soll der ‚wissenschaftlichere‘ Look Durch- und Einsicht gewähren sowie zum Verständnis beitragen. Diese Arbeitsweisen laufen gegeneinander. Weiter »