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DUNKLE MATERIE

Worin bestehen DIE NEUEN POLITIKEN DES LEBENS? Harvard-Professorin Sheila Jasanoff reflektiert diese Frage heute in ihrem Vortrag ZELLEN UND SOLIDARITÄTEN. Um 17 Uhr im HAU1.

Die politische Dimension der Biologie beleuchtet Wissenschaftshistoriker Staffan Müller-Wille in ZELLEN UND IHRE VERBINDUNGEN um 18 Uhr. Müller-Wille interessieren die vielfältigen Metaphern, die Zellen seit dem 19. Jahrhundert auf sich ziehen. Nicht nur vom Zellstaat war die Rede, sondern Zellen wurden auch mit Batterien, Fabriken, Postämtern und Parlamenten verglichen.

Anschließend feiern wir im Theatergarten HAU1 ein großes ERNTEFEST. Alle sind eingeladen!

Gegenüber performen derweil die Computer bei HELLO HI THERE unter Regie der New Yorker Künsterlin Annie Dorsen: Um 19 Uhr im HAU3. Danach wird es noch dunkler, als es eh schon ist: Im HAU2 läuft um 20 Uhr DARK MATTER von Kate McIntosh (Englisch mit deutschen Untertiteln). Wir verraten nur so viel: Es geht ums Strippen, ums Abblättern, Schicht für Schicht für Schicht für Schicht – Was bleibt übrig? Was werden wir ganz am Schluß wissen? Viel weniger! Ganz genau!

Der für den Nachmittag geplante Vortrag LOB DES FLEISCHES. BIOPOLITIK UND GESCHICHTE von Judith Revel aus Paris muss leider entfallen. Wir bitten um Verständnis.

Das Programm des Zellen-Festivals im Überblick

ZELL-ASSOZIATIONEN

Zelltheorien verraten viel über biologisches Denken – und über dessen politische Dimension

Von Staffan Müller-Wille

Schlägt man ein Lehrbuch der Biologie auf, so lernt man für gewöhnlich, dass Zellen die fundamentalen Einheiten sind, aus denen der lebende Körper aufgebaut ist. Ein recht statisches Bild, das sich schnell verflüchtigt, wenn man zu den Quellen der Zelltheorie im 19. Jahrhundert zurückkehrt. Karl Marx, wie immer ein scharfer Beobachter des Zeitgeists, bemerkte das damals schon. Im Vorwort zum ersten Band des Kapitals griff er ausgerechnet zur „Körperzelle“ der zeitgenössischen „mikroskopischen Anatomie“, um zu veranschaulichen, was ihm mit der Analyse der Ware als „ökonomischer Zellenform“ der bürgerlichen Gesellschaft vorschwebte. Die Zelle nicht als Baustein, als fester, seinerseits aus Membranen, Kern und anderen Zellorganellen bestehender Körper, sondern als Austauschprozesse vermittelndes Element des Lebens – das ist eine Vorstellung, die selbst Fachleuten zuweilen noch Kopfzerbrechen bereiten kann. Weiter »