Spielplan

HAU-Publikation

Phantasma und Politik

Kunst zu machen, womöglich nur noch um ihrer selbst willen, das scheint heute nicht mehr genug zu sein. Angesichts der vielfältigen ökologischen, sozialen und ökonomischen Krisen werden die Stimmen, die ihr Verantwortung zuweisen, immer lauter. Die heikle Frage nach ihrer Legitimität wird unter Rückgriff auf ethische Imperative, mit einem Mehr an Engagement und Aktivismus beantwortet.

Wer von der Verantwortung der Kunst spricht, muss jedoch problematische Vorannahmen in Kauf nehmen. Beansprucht wird eine Zuständigkeit für Verhältnisse, die außerhalb der Reichweite der eigenen Handlungsmöglichkeiten liegen. Es entsteht unweigerlich ein Moment der Distanz und der Überforderung. Genau dafür ist der Begriff aus postkolonialer Perspektive auch kritisiert worden. “Verantwortung” impliziert “Verantwortung für andere” und etabliert so eine Hierarchie der sozialen Positionen. Im Bereich der Kunst oder des Theaters kann Verantwortung ohnehin nur dargestellt oder gezeigt werden. Schon an diesem Punkt kommt die genuin ästhetische Kategorie des “Scheins” ins Spiel und unterläuft die Möglichkeit einer Reduzierung des Problems auf rein ethische Begrifflichkeiten.

Publikation begleitend zur Abschlussveranstaltung der Reihe "Phantasma und Politik" am 26. Mai 2015 im HAU Hebbel am Ufer. Darin Texte von Tom Holert, Nikita Dhawan, ein Interview von Jessica Páez mit den Kuratoren der Reihe Helmut Draxler und Christoph Gurk, ein Übersicht aller Teilnehmer*innen von Phantasma und Politik #1 bis #11 und der Bildstrecke “Szenische Entstaltung” von Stephan Dillemuth und Florian Hüttner.

Inhalt

“Der Auftrag” von Annemie Vanackere

“Gegen die Verantwortungsästhetik” von Tom Holert

“Die unerträg liche Langsamkeit des Wandels: Das Phantasma einer Stimme des Volkes
und die Erotik des Widerstands” von Nikita Dhawan

“Im Zweifel für den Zweifel” Helmut Draxler und Christoph Gurk im Gespräch mit Jessica Páez

Phantasma und Politik #1 bis #11

Programmhinweis und Biografien

(c) HAU Hebbel am Ufer, Mai 2015