Spielplan

Kat Válastur

Porträt

Die Choreografin Kat Válastur liebt die alten Mythen – und die Fiktionen. In ihren Tanzstücken gelingt es ihr stets, Archaisches und Zeitgenössisches miteinander zu verbinden. Immer geht es um heutige Fragen der menschlichen Existenz.

Kat Válastur, die in Athen geboren wurde, studiert zunächst Tanz an der Hellenic Schhool of Dance und setzt ihre Ausbildung dann am Trisha Brown Studio in New York als Fulbright-Stipendiatin fort. 2001 gründet sie ihre eigene Company adLibdances. 2007 beginnt sie ihr Studium am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin, welches  sie zwei Jahre später mit dem Master im Solo/Dance/Authorship-Programm abschließt. Ausgangspunkt ihrer choreografischen Recherchen ist die Frage "Was lässt sich noch tanzen?" Válasturs Arbeiten beruhen immer auf eigens angefertigten Diagrammen, Zeichnungen und Texten. Sie entwirft ein bestimmtes Kräftefeld, das den Körpern besondere Bewegungsweisen abverlangt. 

Einen Namen macht sich Válastur mit dem choreografischen Zyklus "Oh! Deep Sea – Corpus I – IV" (2009 – 2012), der von Homers "Odyssee" inspiriert ist. Sie nähert sich dem berühmten Epos nicht auf narrative Weise, sondern interpretiert stattdessen die Odyssee abstrakt, als Irrfahrt eines Körpers durch Raum und Zeit. Die minimalistische, ausdrucksstarke Choreografie im Zusammenspiel mit Sound und Licht zieht die Zuschauer*innen regelrecht in den Bann. Den ausgewählten Episoden begegnet Válastur mit spezifischen Fragestellungen: Im zweiten Teil, der sich um den Zyklopen dreht, geht es etwa um die Frage, ob das Monströse nicht im Blick der Betrachter*innen liege. Im letzten Teil, der von Odysseus' Besuch im Reich der Toten inspiriert ist, arbeitet sie mit der Fragmentierung von Erinnerung und Bewegung und zeigt Körper, deren Konturen sich auflösen. 

2014 beginnt Kat Válastur mit der Trilogie "The marginal Sculptures of NEWtopia" – dem Nachdenken über Gesellschaft hat sie nun ein utopisches oder Science-Fiction-Element hinzugefügt. In dem Solo "GLAND" schieben sich realer und virtueller Raum ineinander und Válastur mutet bisweilen an wie eine Superheldin mit übernatürlichen Kräften. Das Gruppenstück "Ah! Oh! A Contemporary Ritual" handelt von der Sehnsucht nach neuen Ritualen. Válastur greift hier zurück auf die archaische Figur des Kreises und entwirft einen Reigentanz für die postapokalyptische Gesellschaft. Zu sehen ist eine Gemeinschaft, die auf den Trümmern der Katastrophe völlig neu anfangen muss. Mit der choreografischen Abhandlung "OILinity" bringt Kat Válastur die Trilogie im April 2016 zu einem Abschluss. Dort entwirft sie das Bild einer postapokalyptischen Gesellschaft, die vom Öl abhängig ist. Válastur zieht die drei Tänzer*innen in ein Spiel, das sie mit surrealen Hindernissen konfrontiert. Das Geschehen steigert sich zu einem Ritual mit drei bizarren Skulpturen, die ein zirkulierendes System bilden. Kat Válastur geht es in dem Stück auch um seelische Tiefenbohrungen. Die Annahme, die ihm zugrunde liegt, formuliert sie so: "Eine Zivilisation, die auf Öl basiert, ist melancholisch." Jede ihrer bildstarken Arbeiten entsteht in einem philosophischen Kontext. Kat Válastur navigiert dabei stets durch unbekanntes Terrain. 

Sandra Luzina

Biografie

Kat Válastur lebt und arbeitet in Berlin als Choreografin und Performerin. Fragmentierung, ‘diverted architecture’, Zeitraffer, Entropie, Fiktion und Virtualität sind einige der Begriffe, die ihren Arbeiten und der Erstellung eines bestimmten Kräftefeldes zu Grunde liegen, dem die Performer*innen ausgesetzt sind. 2009 entstand “lang”, ein Duett über Zeit und wie diese durch Tanz reflektiert werden kann. 2010 setzte sie diese Auseinandersetzung mit der Werkreihe “Oh! Deep Sea”, inspiriert von Homers Odyssee, fort. Es entstehen vier Arbeiten: “Corpus I” und “Corpus IV” (2010), “Corpus II” (2011) und “Corpus III” (2012, in Koproduktion mit dem HAU Hebbel am Ufer). 2013/14 folgte sie der Einladung an das Institut für Raumexperimente unter der Leitung von Olafur Eliasson an der Universität der Künste Berlin. Hier begann sie mit der Arbeit an einer neuen Serie mit dem Titel “The Marginal Sculptures of Newtopia”, in der sie die Begegnung des Körpers mit einer ihm innewohnenden rituellen Topologie untersuchte. Die Reihe umfasste die Arbeiten “GLAND” (2014), “Ah! Oh! A Contemporary Ritual” (2014) und schloss 2016 mit “OILinity” ab, einer poetischen Abhandlung über die Abhängigkeit der westlichen Gesellschaft vom Erdöl und seine Folgen daraus. Alle Arbeiten entstanden in Korpoduktion mit dem HAU Hebbel am Ufer Berlin und kamen hier zur Uraufführung. Jede ihrer Arbeiten beruht auf eigens angefertigten Diagrammen, Zeichnungen und Texten. 2016 wurde Válastur von der Fachzeitschrift “tanz” als vielversprechendes Talent ausgezeichnet. Ihre Arbeiten werden national und international an Theatern oder auf Festivals gezeigt. Válastur studierte Tanz an der Hellenic School of Dance, an den Trisha Brown Studios in New York mit einem Fulbright Stipendium, und erhielt ihren MA-Grad am HZT Berlin. 2017 ist sie für den George-Tabori-Preis nominiert.

 

 

 

www.katvalastur.com