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Foto: Seventh Wave Productions
Suzanne Ciani
Foto: Seventh Wave Productions
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Fågelle & Beate Kunath / Laurie Schwartz, Evelyn Saylor / Claudia Robles-Angel / StratoFyzika / Gudrun Gut

Performances, Visuals, Experimentalfilm

Im Rahmen von “Heroines of Sound Festival“

Fågelle & Beate Kunath (Performance & Visuals)
Laurie Schwartz, Evelyn Saylor: Hommage an Electronic-Art-Pionierin Mary Ellen Bute (Experimentalfilm & Elektronische Musik)
Claudia Robles-Angel: “Skin II” (Performance)
StratoFyzika (Hen Lovely Bird, Lenka Kocisova, Alessandra Leone): “Kumerang Gloomerang BewegungLichterKlang” (Performance)
Gudrun Gut: “Moment” (Performance) / Premiere

Zur Eröffnung des Festivals präsentiert Claudia Robles-Angel ihre Performance Skin II, die zur Steuerung der Musik die galvanischen Hautreflexe und die Feuchtigkeit der Haut der Performerin misst. Als Auftragswerke des Festivals erleben im ersten Teil der Hommage an die Experimentalfilmerin Mary Ellen Bute, zwei neue Kompositionen von Laurie Schwartz und Evelyn Saylor als Musik zu Butes Filmen ihre Uraufführung. Die schwedische Künstlerin Klara Andersson, die visuell von der Filmemacherin und Videokünstlerin Beate Kunath unterstützt wird, bewegt sich unter dem Namen Fågelle zwischen performativer Klangkunst, Noise und Gesang und erforscht in ihren Klangwelten Begegnungen von Kunst und Pop, Musik und Poesie, kratzenden Klängen und großen Emotionen. Die Performance “Kumerang Gloomerang BewegungLichterKlang“ von StratoFyzika kombiniert Musik mit Video und Licht. Den letzten Höhepunkt des Abends bildet der Auftritt der Berliner Aktivistin und Musikerin Gudrun Gut, Gründungsmitglied von legendären Bands wie Mania D., Einstürzende Neubauten, Malaria! und Matador. Am 7.12.2018 erscheint ihr neues Solo-Album Moment, aus dem sie am Vorabend zur Eröffnung des Festivals erste Stücke aufführen wird.
Claudia Robles-Angel
Skin II (2014)
Performance für GHR (galvanischen Hautreflex) & Video

Skin II ist eine interaktive Performance, in der die Künstlerin mit Klängen und Bildern interagiert. Basis der Performance ist der galvanische Hautreflex (GHR), der als Indikator für psychische oder physische Erregungszustände wie Stress oder Entspannung dient: Während der Performance steuert die Künstlerin über Messungen der Feuchtigkeit ihrer Haut das audiovisuelle Geschehen. Skin II ist eine Auseinandersetzung mit der Metamorphose, die von natürlichen Häutungsprozessen inspiriert ist. Die neue Fassung des Stückes verwendet neue Klangelemente sowie vor allem algorithmische Klangverarbeitung zur Erzeugung von komplexeren Klangflächen. Es handelt sich um eine erweiterte Version des Originals von 2014. Wie in der früheren Fassung beruht das Bildmaterial der Performance auf mikroskopischen Aufnahmen von der Haut der Künstlerin, die in Echtzeit während der Performance entstehen, die Klänge transformieren sich entsprechend dem emotionalen Befinden der Künstlerin, das über die Feuchtigkeitswerte ihrer Haut ermittelt wird.


Hommage an Mary Ellen Bute I (1906-1983)

Mary Ellen Bute, Melville Webber und Ted Nemeth
Rhythm in Light (Schwarz-weiß, 5 Min, 1934)
Musik: Edvard Grieg

Die Untertitel kündigen moderne künstlerische Impressionen an, die zeigen, was beim Hören von Musik in unserer Vorstellung geschieht. Bei ihrem ersten Film arbeitete Bute mit Melville Webber zusammen, der in diesen Film seine Erfahrung mit Modellbauten aus Papier und Pappe einfließen ließ, die er durch Spiegel oder Aschenbecher aus geschliffenem Glas filmte, so dass mehrfache parallele Reflexionen einer Form entstanden. Anitras Tanz aus Griegs Peer-Gynt-Suite begleitet Bilder von alltäglichen Dingen und abstrakte Formen. Manchmal wie durch ein Kaleidoskop, manchmal wie animiert, erscheinen auf der Leinwand Ringe, Pyramiden, Musiknoten sowie fließende Lichtbewegungen.


Mary Ellen Bute
Parabola (Schwarz-weiß, 9 Min, 1937)
Orginalmusik: Darius Milhaud
Musik: Laurie Schwartz (UA),
Kompositionsauftrag der Heroines of Sound

Die Musik des mit neun Minuten ungewöhnlich langen Films stammt aus Darius Milhauds La Creation du Monde und wechselt zwischen langsameren sehr stimmungsvollen Passagen und lebhaften, jazzigen Momenten. Visuell dominieren wie meist bei Bute auch in diesem Film beständig fließende Formen. Vorbild für die kleinen Modelle und die aus gebogenen Stangen montierten abstrakten Figuren, die sich auf einer Scheibe drehen, sind diesmal Rutherford Boyds aus parabolischen Formen gebildete Skulpturen, die er ebenfalls als Parabola bezeichnete.


Mary Ellen Bute
Tarantella (Farbe, 5 Min, 1940)
Musik: Edwin Gerschefski

Im Film Tarantella vermitteln kräftige Rot- und Blautönen eine unbeschwerte Stimmung, während synkopierte Spiralen, sich ausdehnende und wieder zusammenziehende Kreise, Kringel, Schnörkel und gezackte Linien sowie dynamische Farbfelder meist überschwänglich, manchmal eher bedächtig zu Gerschefskis modernem Beat tanzen. Bute zeigt sich in diesem Film als Künstlerin einer kinetischen Abstraktion, deren Ensemble visueller Formen sich nach den rhythmischen Strukturen der Musik entfaltet.


Mary Ellen Bute
Synchromy No. 2 (Schwarz-weiß, 5 Min, 1935)
Orginalmusik: Richard Wagner
Musik: Evelyn Saylor (UA),
Kompositionsauftrag der Heroines of Sound

Synchromy No. 2 aus Butes Seeing Sounds-Serie ist weder wirklich animiert, noch eindeutig abstrakt im Sinne der Filme Oskar Fischingers. Synchronisiert zur Abendstern-Arie aus Wagners Tannhäuser, dominieren Lichtreflexe von geschliffenen Glassieben, außerdem sind unterschiedlichste Dinge zu sehen, wie etwa sich überkreuzende Treppen, gotische Bögen, Blüten u.a.


Fågelle
en natt i december man går aldrig ut
Klara Andersson: Elektronik, Gesang, Beate Kunath: Video

In der Musik von Fågelle treffen Schichten von Noise und fragile Klangkonstruktionen auf Popmelodien. Mit ihrer durchdachten Kombination von Pedalen, Synthesizern und Samplern taucht sie ein in Sounds und Texturen, mit denen sie solange spielt und experimentiert, bis daraus ein unwiderstehlicher, poetischer Song entsteht. Fågelle sieht sich in einem Feld zwischen Klangkunst und Pop, was ihr erstaunliche Gestaltungsspielräume eröffnet und Rätsel erzeugt, weil sie sich keiner bestimmten Szene zuordnen lässt. Die schwedischen Texte ihrer Songs handeln von unserer Zeit in Mikro- und Makroperspektive, von Erfahrungen der Macht und der Ohnmacht. Ihre Musik wurde als "weicher Schlag ins Gesicht" beschrieben.


StratoFyzika
Kummerang Gloomerang BewegungLichterKlang (2018)
nach einem Gedicht von Dagmara Kraus.
StratoFyzika: Hen Lovely Bird (Tanz), Lenka Kocisova (Musik), Alessandra Leone (Licht/Bühne)

Die Künstlerinnen von StratoFyzika nähern sich dem Gedicht Kummerang der polnischen Dichterin Dagmara Kraus in den Medien von Tanz, Licht und Musik an. Ausgehend von Konzepten der Psycholinguistik, Intonation und Sprachmelodie erforschen sie das Gedicht klanglich und graphisch, folgen seinen Spuren durch Licht und Sound. Menschen verschiedener Sprachen lesen den Text in ihren Akzenten, die Mitschnitte dieser Lesungen werden bearbeitet und verändert. Klang und graphische Form lenken die Aufmerksamkeit des Publikums. Bewegungen bilden sich in Form einer Karte ab, werden in den physischen Raum übertragen und interpretieren die Stimmung sowie den Dialog zwischen Wort und Körper. Das Licht tanzt mit und gegen den Körper, ist Fluss und Rhythmus der Poesie.


Gudrun Gut
Moment (Premiere des neuen Solo-Albums)
Solo-Performance: Stimme, Elektronik
Am Vorabend der Veröffentlichung präsentiert Gudrun Gut verschiedene Songs ihres neuen Albums.

Mit ihrem neuen Solo-Album Moment, das am 7. Dezember erscheint, verdichtet die Berliner Musikerin Gudrun Gut ihre Überzeugungen und Obsessionen in vierzehn Musikstücken zu einem unwiderstehlichen Bekenntnis: Krass, düster, sinnlich und raffiniert, bewegt sie sich musikalisch zwischen Ballade und Lamento, Synth-Pop und Sprechgesang, Hymne und Abstraktion. Ihre Vergangenheit als Schlüsselfigur der Neuen Deutschen Welle ist bis heute in den mechanischen Rhythmen und der Ausdruckskälte ihrer Musik präsent, doch ihr Sinn für Komposition und Melodik profitiert von den jahrzehntelangen Erfahrungen mit Improvisation und Kollaboration. So findet sie mit rätselhaften, suggestiven Schattierungen einer motorischen Hypnose, eines technoiden Labors, eines Coldwave Pop, einer feinen Gaze-Struktur aus Störgeräuschen, ja, auch mit dem Geschlechtertausch eines Bowie-Coversongs (Boys Keep Swinging) in komplexe, eklektische Klangstrukturen, um dann die Tiefe und den Reichtum ihrer Stimme ins Spiel zu bringen, die reserviert, aber anzüglich, in deutscher wie englischer Sprache unverblümte Wahrheiten wie dunkle Poesie verlauten lässt. Als außerordentlich kreative Künstlerin widmet Gudrun Gut ihre Musik allein der Komplexität der Klänge. (Britt Brown)
Vergangene Termine
Dezember 2018
Produktion: Heroines of Sound Festival. Koproduktion: HAU Hebbel am Ufer. Gefördert durch: Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Musikfonds e.V., Musicboard GmbH Berlin,  Initiative für Neue Musik e.V., Mariann Steegmann Foundation.
Hinweis: Beim Auftritt von StratoFyzika wird Stroboskop Licht verwendet.