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Steffi Weismann / Paula Schopf / Jessica Ekomane

Performance, Konzert

Im Rahmen von "Heroines of Sound Festival"

Steffi Weismann: Generation S (Sound-Performance) / Premiere
Paula Schopf: Espacios en Soledad (Konzert) / Premiere
Jessica Ekomane: Untitled (Performance)

Davor um 18:00 / HAU2
Panel “Sound Art, elektronische Musik und Performance in Slowenien, Tschechien, Slowakei und Ex-Jugoslawien”
Mit Marie Ctverackova aka Mary C, Nina Dragičević, Lenka Kocisova, Teja Reba
Moderation: Helen Hess / Englisch / Eintritt frei

23:00 / WAU Aftershow mit DJ Mary C / Eintritt frei

Im zweiten Teil der Hommage an Mary Ellen Bute erlebt mit einer Komposition von Lucrecia Dalt ein weiteres Auftragswerk des Festivals seine Uraufführung. Es folgen drei Solo-Performances: Steffi Weismann nutzt für ihre Komposition Generation S neben ihrer eigenen Stimme historische Filmaufnahmen (Secrets of Nature von 1930), Objekte, Interviews und Field Recordings, Paula Schopf kombiniert in ihren Espacios en Soledad (Premiere) Plattenspieler, DJ-Mixer, Dubplates und Video, während Jessica Ekomane ein elektronisches, quadrophonisches Werk präsentiert. Zur Aftershow-Party im WAU empfängt DJ Mary C mit exzentrischem Rap.
Hommage an Mary Ellen Bute II

Mary Ellen Bute
Abstronic (Farbe, 7 Min, 1954)
Musik: Aaron Copeland, Don Gillis

1954 begann Bute, Filme mit Hilfe eines Oszilloskops unmittelbar aus der synchronisierten Musik zu generieren. Für Abstronic, das Bute zu Aaron Copelands Hoedown aus Billy the Kid und Don Gillis‘ Ranch House Party realisierte, war die Oszilloskoptechnik nicht das zentrale Charakteristikum, zumal , Norman McLaren und Hy Hirsch bereits kurz zuvor eigene filmischen Experimente mit dieser Technik gezeigt hatten. Astronic beeindruckte vielmehr durch das zum Beat der Musik synchronisierte rhythmische Pulsieren, das die Bewegung steuerte, mit der Bute immer wieder in die Bilder des Oszilloskops hineinzoomte und eine surrealistisch anmutende Tiefenperspektive erzeugte.

Mary Ellen Bute
Dada (Schwarz-weiß, 3 Min, 1936)
Musik: Lucrecia Dalt (UA)
Kompositionsauftrag der Heroines of Sound

Dada kombiniert ausgesprochen dadaistischen Humor mit einem Walzerthema. In der zeitgenössischen Presse hieß es: „Dieser geistreiche und entzückende Film verschwindet viel zu früh von der Leinwand.“ 1931 hatte Universal in ihrer Wochenschau Oskar Fischingers Kurzfilm Studies als Neuheit präsentiert. Bute, die Fischingers Film gesehen hatte, schlug Universal daraufhin einen Film in ähnlicher Machart vor. Da in der Wochenschau ohnehin nur zwei oder drei Minuten gezeigt werden konnten, konzipierte Bute für Dada eine Länge von drei Minuten.


Steffi Weismann
Generation S (UA)
Audiovisuelle Komposition für eine Live-Stimme, Objekte, Interviews, Field Recordings, Videoprojektion und historische Filmaufnahmen (Secrets of Nature, 1930)

Historische Filmaufnahmen (Secrets of Nature, 1930), die den Wachstumszyklus von Erbsen dokumentieren, treffen auf Klänge und Stimmen, die sich mit dem Zukunftszenario einer technisierten Natur beschäftigen. Darunter finden sich Kommentare von Forscher*innen zu ihrem Umgang mit multiresistenten Keimen und die Phantasie eines 10-jährigen Mädchens, die beschreibt, wie sie die Welt neu erschaffen würde. Steffi Weismann führt diese Elemente im Stil einer audiovisuellen Montage zusammen, indem sie performativ-musikalische Handlungen mit mikrophonierten und mikroskopierten Objekten und ihrer Live-Stimme kombiniert.


Paula Schopf
Espacios en Soledad (UA)
Solo-Performance: Elektronik, Video

Die Möglichkeit des Sinnes ist identisch mit der Möglichkeit der Resonanz oder auch der Klanglichkeit selbst. (Jean-Luc Nancy)

Jean-Luc Nancys Aufforderung, Sinn als Resonanz oder Klanglichkeit zu denken, war Ausgangspunkt für meine im Jahr 2017 an der UdK Berlin präsentierte Masterarbeit Klangliche Mythologien. Espacios en Soledad ist eine neue Umsetzung dieser Arbeit. Für den französischen Philosophen teilen sich Klang und Sinn einen gewissen Raum, eben den Raum des Verweises. Inspiriert von dieser Idee interessiere ich mich für den Klang als Verweis, nicht jedoch im Sinn eines Hinweises, wenn etwa ein Alarm am Ausgang eines Kaufhaus ertönt, um einen Diebstahl anzuzeigen, sondern in dem Sinn, dass der Klang, also die Resonanz, immer auf sich selbst verweist und damit auch auf unsere Existenz als Hörende. Das Zuhören ist Zugang zur Klanglichkeit, also zum Sinn und zum Selbst.

Jedes Mal, wenn ich in meine Heimatstadt Santiago de Chile zurückkehre, begebe ich mich in das Zentrum der Stadt, Santiago Centro genannt. Ich durchquere die Straßen meiner Stadt, trete in diese Klangräume ein, horche in den Lärm hinein und erkenne: unaufhörliches Rauschen. Wir sind umgeben von Rauschen. Es ist so, als würde das Rauschen die Welt zusammenhalten, damit wir deren Sinn erkennen. Im Lärm, im ewigen Getöse der Stadt finde ich Fragmente meiner Identität wieder. Espacios en Soledad ist eine Performance mit zwei Plattenspielern, die das auf zwei Dubplates geschnittene Klangmaterial wiedergeben, einem DJ-Mixer, der als Schnittstelle zwischen Performer und Plattenspieler dient, sowie einer Videoprojektion. Das Klangmaterial, welches auf zwei Dubplates geschrieben wurde, wird durch Tonhöhenveränderung, Zeitachsenmanipulation, Schichtung, Verschiebung und Wiederholung in Bewegung gesetzt.


Jessica Ekomane
Untitled
Quadrophonische Solo-Performance: Elektronik

Mit Elementen der Psychoakustik und der Gestalttheorie untersucht Jessica Ekomane in ihrer quadrophonischen Solo-Performance, wie der Raum, der uns umgibt, unsere Wahrnehmung von Rhythmen beeinflusst und verändert.

Jessica Ekomane entfaltet ihre künstlerische Praxis im Umfeld von Musik und Klangkunst. Im Spiel mit unserer Wahrnehmung rhythmischer Strukturen suchen ihre Kompositionen einen physischen, kathartischen Effekt, alternierend zwischen Geräusch und Melodie. Ihr letztes Projekt war eine quadrophonische Performance, die, auf der Basis von psychoakustischen und gestalttheoretischen Konzepten die Abhängigkeit der Rhythmuswahrnehmung von der konkreten räumlichen Situation erfahrbar machte. Für die Edition 2017 erhielt Jessica Ekomane von der Berlin Community Radio Incubator eine Künstlerresidenz, ihre Kompositionen hat sie in Japan, Australien und Europa aufgeführt.


DJ Mary C
Exzentrischer Rap, gehackte und verschnörkelte Beats, gefährlicher Electro, Juke und dreckiges Downtempo
Vergangene Termine
Dezember 2018
Produktion: Heroines of Sound Festival. Koproduktion: HAU Hebbel am Ufer. Gefördert durch: Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Musikfonds e.V., Musicboard GmbH Berlin,  Initiative für Neue Musik e.V., Mariann Steegmann Foundation.