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Avi Mograbi
Ana Vujanovic
Foto: Nir Keidar
Amira Hass
Foto: Nir Keidar
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Amira Hass, Elisabeth Nehring, Ana Vujanović, Avi Mograbi

Violence of Inscriptions #2

On Resilience – Tag 2

Im Rahmen von “Violence of Inscriptions", ein Projekt von Sandra Noeth und Arkadi Zaides

19 Uhr

Einführung in das Programm und die Thematik von “Violence of Inscriptions #2: On Resilience”

Three Short Lectures & a Dialogue

Ana Vujanović: Labour and Politics: On a Political Dimension of the Cultural Work (Vortrag)

Der Vortrag beschäftigt sich mit zeitgenössischen Künstler*innen als Bürger*innen und setzt sich mit der öffentlichen Existenz und insbesondere dem politischen Wirken (Vita Activa) der kritischen Kulturarbeiter*innen im neoliberalen Kapitalismus auseinander. Als kritische Kulturarbeiter*innen sollen hier all jene verstanden werden, die sich bewusst politisch positionieren, ob als Theoretiker*in, Künstler*in, Kurator*in, Redakteur*in, Kulturproduzent*in oder in anderer Funktion. Indem Vujanović ihr eigenes fragwürdiges politisches Engagement thematisiert, versucht sie die heute in unserer Gesellschaft herrschende Spannung zwischen Arbeit und Politik freizulegen. Ausgehend von der Annahme, dass die meisten Bürger*innen selbst Arbeiter*innen sind, stellt sie darüber hinaus einige Überlegungen zu der Frage vor, was Politik heute sein könnte und wie sie aussehen müsste, wenn man die traditionelle Definition als gesellschaftlich und geschichtlich unangemessen erkennt.

Elisabeth Nehring: Über das Entstehen von Text zwischen Erleben und Beobachten – Über die zweifelhafte Rolle des Kritikers (Hörstück)

Als Radiojournalistin sowie Tanz-, Theater- und Kunstkritikerin reist Elisabeth Nehring seit über fünfzehn Jahren in den Nahen Osten. Die Reportagen, Radiofeatures, Artikel und Kritiken, die daraus entstanden, sind geprägt von der Untrennbarkeit von künstlerischer und politischer Realität.
Der eigene Blick muss dabei stets einer kritischen Introspektion unterzogen werden, denn das, was erzählt werden soll, entsteht aus präziser Beobachtung, aber auch emotionaler Beteiligung, im Feld zwischen Empathie und Distanzierung, Freundschaft und dem Versuch der Objektivierung, Faszination und Versachlichung, Solidarität und Erkenntnisstreben, körperlichem Erleben und intellektuellem Verarbeiten.
 
In ihrem (selbst-) kritischen poetischen Hörspiel kombiniert Nehring Elemente von Vortrag und Radiobeitrag und macht, aus der hinterfragbaren Position einer Journalistin und Tanzkritikerin aufmerksam auf künstlerische Ausdrucksweisen und Positionen, die sich mit struktureller Gewalt auseinandersetzen.

Amira Hass: The Encyclopedia of Palestinian Resilience (Vortrag)

“Mir fehlen die Worte. Je größer meine Abhängigkeit von ihnen, desto schwerer fällt es mir, genau zu sein. Nötig wäre ein vollkommen neues Lexikon, um die komplexen Obszönitäten der israelischen Besatzung zu beschreiben. Einfache und unmittelbare Schilderungen erfassen weder ihre totale, alles durchdringende Dimension, noch die Nonchalance, mit der sie mit Weltanschauung, Lebensweisen und der Katastrophe verwoben sind.
Andererseits: Was ist mit der palästinensischen Reaktion auf die Besatzung? Hier wäre eine Enzyklopedie vonnöten. Ein mit Bedacht gewähltes Wort: ein Begriff, der den Umfang ihrer Antwort ebenso wie das darin liegende Ausmaß an Resilienz besser greift. Anders als bei einem Lexikon, erlauben die Einträge einer Enzyklopädie Diskussionen und Fragen nach der Natur und dem Kontext jeder erdenklichen Form des Widerstands. Sie haben auch Raum für Ausrufezeichen, die nicht parteilos sind. Beispiele hierfür? Nehmen wir einen Volkstanzkurs in Gaza und Ramallah: Handelt es sich dabei um ein nachmittägliches Vergnügen für die Mittelschicht oder lässt er sich als Widerstand bezeichnen? Und verkörpert dieser Tanz in beiden Städten dieselbe Form von Resilienz? Vielleicht auch nur ein Lachen, ein herzhaftes Lachen: Wieso sollte ein gewöhnlicher menschlicher Reflex wie dieser als Akt des Widerstands aufgefasst werden?“ (Amira Hass)

21 Uhr

Avi Mograbi: Z32 (Filmvorführung)

Eine musikalische Doku-Tragödie. Ein israelischer Ex-Soldat, der an einer Vergeltungsaktion teilgenommen hat, bei der zwei palästinensische Polizisten getötet wurden, sucht nach Vergebung für seine Taten. Seine Freundin glaubt nicht, dass es derart einfach ist, und wirft Fragen auf, denen er sich noch nicht zu stellen vermag. Der Soldat gibt bereitwillig vor der Kamera Auskunft, unter der Bedingung, dass seine Identität nicht enthüllt wird. Indessen der Filmemacher nach einer angemessenen Form sucht, die Identität des Soldaten zu verbergen, hinterfragt er seine eigene politische und künstlerische Haltung.
Z32 zeigt die unerträgliche Kluft zwischen der verstörenden Schilderung eines jungen Mannes von seinen Erfahrungen als Elitesoldat und deren künstlerischer Darstellung. Der Film beschäftigt sich mit der unüberbrückbaren Leerstelle zwischen einer herzlosen Realität und deren Umsetzung in ein Kunstwerk: mit der Unmöglichkeit, aus Artefakten politische Handlungen zu machen und dem Zynismus, schöne Kunst aus den Gräueltaten des Lebens zu schaffen.

Regie: Avi Mograbi
Produzenten: Serge Lalou – Les films D'ici, Avi Mograbi
Fotografie: Philippe Belaiche
Musik: Noam Enbar
Digitale Specialeffekte: Avi Mussel
Israel/Frankreich 2008, 35mm, Farbe, 81 min.
Hebrew mit englischen Untertiteln
Vergangene Termine
Juli 2017
Englisch
Ein Projekt im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.