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Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes

Leaving is not an option?

Aktuelle künstlerische Positionen aus Ungarn / 9.–16.3.2014

Bleiben oder Gehen?
Viele Menschen in Ungarn spielen mit dem Gedanken, ins Ausland zu gehen. Allein in den letzten Jahre haben 500.000 von ihnen ihr Heimatland verlassen. Seit die konservative Fidesz-Partei 2010 die Regierung übernommen hat, baut sich Ungarn machtpolitisch und ideologisch radikal um. Das betrifft auch die unabhängige Theaterszene, die mit erheblichen Einschränkungen kämpft.

Mit dem einwöchigen Festival Leaving is not an option? präsentiert das HAU Hebbel am Ufer vom 9. bis 16. März auf allen drei Bühnen aktuelle künstlerische Positionen aus Ungarn. Die vitale ungarische Szene wirft einen kritischen und realistischen Blick sowohl auf die aktuellen Entwicklungen im eigenen Land als auch über die Grenzen hinaus auf Europa.

Zum Auftakt des Festivals zeigen Csaba Polgár und die HOPPart Company am 9. und 10. März im HAU1 Korijolánusz nach Shakespeare, übertragen ins Ungarn nach der Wende. Wie zynisch klingen die Zukunftsversprechen von 1989 heute, nachdem weite Teile der politischen Klasse im Umgang mit der Macht gescheitert sind? Die Inszenierung wurde 2011 von der Vereinigung der ungarischen Theaterkritiker als beste unabhängige Produktion des Jahres ausgezeichnet.

Kornél Mundruczó, dessen Filme und Theaterinszenierungen international gefeiert werden, ist einer der Regisseure, die sich trotz aller Schwierigkeiten entschieden haben, in Ungarn zu bleiben. In Dementia, or the Day of My Great Happiness – einer Produktion von Proton Theatre – nehmen er und Ko-Autorin Kata Webér die Schließung eines bekannten psychiatrischen Krankenhauses in Budapest zum Anlass für ihr Stück: Das Lipot wurde von einem Investor aufgekauft, die Patienten landeten auf der Straße. “Dementia“ ist eine grelle, musikalische Farce über die Abgründe einer Gesellschaft, mit der wir alle konfrontiert sind. Zu sehen vom 9. bis 11. März im HAU2.

Im Rahmen des Festivals präsentiert das HAU gleich vier deutsche Premieren:

In Acts of the Pitbull lassen Péter Kárpáti und Secret Company mit schwarzem, absurdem Humor einen Propheten im heutigen Budapest erscheinen. Alles, was er findet, sind Krisen – persönliche, existentielle und moralische. Béla Pintérs Our Secrets / Titkaink spielt in einem jener Tanzhäuser der 80er Jahre, in denen damals die ländliche Folklore Ungarns wiederentdeckt wurde und zeigt ehemalige Informanten, aus denen Damen und Herren der Gesellschaft geworden sind. Hungari ist eine Konzertperformance von Árpád Kákonyi, Péter Kárpáti und der HOPPart Company. Sie macht deutlich, wie der virtuelle Raum für die, die ausgewandert sind, zum Substitut der Heimat wird. Adrienn Hód zählt zu den wichtigsten Stimmen in der zeitgenössischen Tanzszene Ungarns. Im Zentrum der aktuellen Produktion Dawn ihrer Kompanie Hodworks steht der nackte menschliche Körper.

Weitere Programmpunkte sind das Dokumentarfilmprojekt Menjek / Maradjak (Gehen / Bleiben) von SpeakEasy Project und die Installation text war pic von Little Warsaw. Hierfür werden András Gálik und Bálint Havas im HAU2 ein Studio eröffnen. Mit einer Videodokumentation werden täglich im HAU2 unterschiedliche Arbeiten der Produktionsplattform Krétakör aus den Jahren 2008 bis 2012 gezeigt.

Den diskursiven Rahmen bilden die zwei Veranstaltungen Gehen oder Bleiben? und Es ist ein Leben ohne Illusionen, durch die Künstler und Journalisten aus Ungarn und Deutschland ins Gespräch kommen werden.

Anlässlich von “Leaving is not an option?“ erscheint am 22. Februar die zweite Ausgabe der HAU-Publikationsreihe mit Beiträgen der am Festival beteiligten Künstler, Interviews und einer Fotostrecke aus Budapest.

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