“Spring Night” entwickelt sich aus dem Motiv des Hundes unter dem Magnolienbaum – der eine Fehlgeburt erleidet, geschlagen wird und schließlich einschläft aus einem Gedicht der südkoreanischen Dichterin Kim Eon Hee.
Die Berliner Fassung, nach einer Uraufführung im tiefsten Winter in Seoul, entfaltet sich als ein Ritual im späten Frühling – als etwas, das von weit her kommt und sich bereits im Verschwinden befindet. In dieser einstündigen interaktiven Performance verschränken sich Stimmen und Klänge mit Gedichtfragmenten, dekonstruierten Lauten und buddhistischen Gesang.
Einsamkeit erscheint hier als geteilter Zustand: Jede*r bleibt in der eigenen Wahrnehmung für sich, ist jedoch in einem kollektiven Rhythmus aus Aufmerksamkeit und Bewegung versammelt.
Frühlingsnacht
Die tote Hündin
Vor der Hundehütte ohne Hund
Die tote Hündin
Und ihr hundeloser Besitzer
Kein einziges Blatt am Ast der weißen Magnolie
Faustgroße
Weiße Knochen
Quellen langsam hervor und zerreißen den leeren Aprilhimmel
Was für eine Art von Loch nagt seine Kinder ab und spuckt nur weiße Knochen aus?
Die Hündin, die immer nur Tote gebar,
Unter diesem Baum
Prügelte man sie
Zu Tode
Schnell zu Ende geprügelt
Und dann wollte sie nur noch schlafen
Die Hündin
– Kim Eon Hee “Spring Night”, übersetzt von Sebastian Claren, 2026