Philippe Sands, Herta Däubler-Gmelin & Wolfgang Kaleck

On Justice #11

Erinnerung, Verantwortung, Gerechtigkeit: Von den Nürnberger Prozessen nach Den Haag
Moderation: Siri Keil

  • Dialog
Englisch /  ca. 120 Min.

Auf den Trümmern der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts entstand als Antwort auf Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit die Idee eines universellen Völkerstrafrechts. Auch wenn es Wunden nicht heilen und erlittenes Leid nicht ungeschehen machen konnte, markierten die Nürnberger Prozesse einen entscheidenden Moment: Sie stellten Wahrheit und Verantwortung fest – ein unverzichtbarer Schritt für die betroffenen Gesellschaften und die Überlebenden der Massenverbrechen.

Heute untergraben autoritäre Regierungen die mühsam errungene internationale Rechtsordnung, um sich Straffreiheit für Kriege nach außen und Unterdrückung nach innen zu sichern. Wie können zivilgesellschaftliche Akteure unter diesen Bedingungen das Völkerrecht verteidigen? Und wie können Menschenrechte wirksam durchgesetzt werden?

Darüber sprechen der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2026 und Jurist Philippe Sands, die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin sowie der Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck in der Ausgabe #11 von On Justice. Ausgehend von Philippe Sands’ neuestem Buch “Die Verschwundenen von Londres 38: Über Pinochet in England und einen Nazi in Patagonien” diskutieren sie über das Verhältnis von Literatur und Recht, die Möglichkeiten und Grenzen des Völkerstrafrechts sowie die Bedeutung von Erinnerung und Zeugenschaft – 80 Jahre nach dem Urteil der Nürnberger Prozesse.


Philippe Sands ist französisch-britischer Jurist und Professor für Internationales Recht am University College London sowie Gastprofessor an der Harvard Law School. Er wirkte als einer der gegenwärtig wichtigsten Menschenrechtsanwälte an bedeutenden Verfahren mit, unter anderem vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. So formulierte er u. a. die Anklage gegen den ehemaligen chilenischen Diktator Augusto Pinochet. Neben juristischen Fachtexten veröffentlicht Philippe Sands auch literarische Sachbücher. Besonders bekannt wurde er durch “Rückkehr nach Lemberg” (dt. 2018). Für sein jüngstes Buch “Die Verschwundenen von Londres 38” (2025) erhielt er neben anderen den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. In seinen Texten verbindet er persönliche Lebensgeschichten mit Fragen des Völkerrechts und der Erinnerung. 

Herta Däubler-Gmelin ist Juristin und Politikwissenschaftlerin. Sie gehörte von 1972 bis 2009 dem Deutschen Bundestag an und leitete dort unter anderem Ausschüsse in der Rechtspolitik sowie im Bereich Menschenrechte. Sie war als erste Frau stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende und von 1998 bis 2002 Bundesjustizministerin. Heute lehrt sie an verschieden Universitäten und wurde am Berliner Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaften 1995 zur Honorarprofessorin ernannt. Als Anwältin setzte sie sich für Gleichberechtigung, Opferschutz und Menschenrechte ein. 2022 übernahm sie den Vorsitz der “Expertenkommission zum Volksentscheid Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen”, die vom Berliner Senat nach dem Volksentscheid der Initiative Deutsche Wohnen & Co. enteignen eingerichtet wurde. 

Wolfgang Kaleck gründete 2007 gemeinsam mit international aktiven Anwältinnen und Anwälten das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) in Berlin, dessen Generalsekretär er seitdem ist. Davor war der Rechtsanwalt seit 1991 als Strafverteidiger tätig. Gemeinsam mit dem Center for Constitutional Rights (CCR) aus New York betrieb Kaleck von 2004 bis 2008 Strafverfahren gegen US-Militärs, u.a. den ehemaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Zusätzlich zu seiner Tätigkeit als Anwalt ist Kaleck als Publizist tätig und veröffentlichte zuletzt das Buch “Die Stärke des Rechts versus das Recht des Stärkeren – Plädoyer für Völkerrecht und Menschenrechte”. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet.

Siri Keil ist Mitglied der Neuen deutschen Medienmacher*innen (NdM), arbeitet als Kulturjournalistin und Autorin beim Hörfunk, als Sprecherin für Audio- und Filmproduktionen und als Veranstaltungsmoderatorin mit unterschiedlichen Bühnenformaten. Als Kulturvermittlerin mit dem Schwerpunkt Pluralisierung der Erinnerungskulturen in der postmigrantischen Gesellschaft konzipiert sie Veranstaltungs- und Vermittlungsformate. Zudem arbeitet sie als Kommunikationsreferentin im gewerkschaftlichen Kontext.

Termine

Aktuell
Do 5.11.2026, 19:00 / HAU1

Preis: 18 €, ermäßigt 12 €

Credits

Eine Diskursreihe des HAU Hebbel am Ufer in Kooperation mit dem ECCHR (European Center for Constitutional and Human Rights). Gefördert im Rahmen des Bündnisses internationaler Produktionshäuser durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Spielorte

HAU1
Stresemannstraße 29, 10963 Berlin

Zwei markierte Parkplätze vor dem Haus vorhanden. Zugang zum Parkett über separaten Eingang mit Lift möglich. Barrierefreie Sanitäranlagen vorhanden.

HAU3000 / Positionen, Projekte, Publikationen