Spielplan

We Must Free Our Imaginations: A Tribute to Binyavanga Wainaina

Mit: Ahmed Soura | Lamin Fofana, Musa Okwonga
Im Rahmen von “Radical Mutation: On the Ruins of Rising Suns”

MusikTanz

“Ich möchte ein Leben der unbegrenzten Vorstellungskraft führen. […] Ich möchte, dass die aktuelle Generation junger Eltern mitbekommt, wie ihre Kinder erleben, dass Afrikaner ihre eigenen Geschichten schreiben, ihre eigenen Geschichten selbst herausbringen. In meinen Augen ist dieser simple Akt zugleich der denkbar politischste Akt für jeden von uns.”

(Binyavanga Wainaina, 2014)

Der Abend ist eine Hommage an den verstorbenen kenianischen Schriftsteller Binyavanga Wainaina, der 2002 den Caine Prize for African Writing gewann und einer der einflussreichsten Literaten Afrikas war. Auf eine Einführung des Schriftstellers, Journalisten und Musikers Musa Okwonga folgen ein Solotanzstück von Ahmed Soura und eine Musik-Performance von Lamin Fofana.

Binyavangas unermüdliche Aufforderung an uns, unsere Vorstellungskraft radikal zu befreien und außerhalb des von der kolonialen Geschichte und den sich überschneidenden Formen der Unterdrückung geprägten Rahmens zu denken, inspiriert nach wie vor Abertausende Menschen auf allen Kontinenten. Seine radikale soziale, politische und religiöse Kritik an bestimmten gesellschaftlichen Normen und Machtstrukturen und ihren historischen Wurzeln ging stets einher mit einer unvorstellbaren Fürsorge. In jeder Diskussion eröffnete er einen alternativen, grenzüberschreitenden Raum der soziopolitischen Imagination.

Am 21. Januar 2014 veröffentlichte er auf Youtube die sechsteilige Videodokumentation “We Must Free Our Imaginations”, in der er die Afrikaner*innen dazu auffordert, “unsere Vorstellungskraft zu befreien”, um sich einen Kontinent vorzustellen und ihn zu gestalten, “auf dem keinerlei persönliche Vorstellung welcher Art auch immer um Erlaubnis nachsuchen muss”. Ausgehend von dieser Aufforderung, nimmt der Abend Berlin – wo Binyavanga mehr als ein Jahr lebte – als Ausgangspunkt, um mithilfe der künstlerischen Praxis einen grenzüberschreitenden Raum der Vorstellungskraft zu gestalten.

Lamin Fofana verwendet in seiner Musik-Performance “You Have Confused the True and the Real” jüngst in der Sound-Albumtrilogie “Black Metamorphosis”, “Darkwater” und “Blues” veröffentlichte Musikstücke. Die Alben beschäftigen sich anhand einflussreicher Texte von Sylvia Wynter, W.E.B. DuBois und Amiri Baraka aus der Perspektive der Black Studies mit historischen und epistemologischen Entwicklungen des aktuellen sozialen und politischen Denkens. Die Musik dient Fofana als Medium, um sich mittels gemeinschaftlichen Hörens und Performance mit einer Reihe von Themen wie Schwarzsein, Migration, Vertreibung und ethnischer Zugehörigkeit auseinanderzusetzen, zudem erschafft er Räume, in denen wir uns andere Formen des Lebens erträumen und vorstellen können und nichtlineares Denken und nichtlineare Erfahrungen in den Vordergrund rücken.

Ahmed Souras Solotanzstück “Spot on Me, I Can’t Breathe” befasst sich mit der Art und Weise, wie die anhaltende Geschichte von Trauma und Befreiung den Bewegungen des Schwarzen Körpers eingeschrieben ist. Das Stück spürt den weltweiten Spuren traditioneller afrikanischer Tänze und ihrer Verwandlung etwa in Hip-Hop-Moves nach und nähert sich mittels des Körpergedächtnisses dem Kampf der Schwarzen Menschen und der Black-Lives-Matter-Bewegung. Die beiden Aufführungen des Abends befassen sich mit Möglichkeiten, den “weißen” Blick zu verwirren und nutzen Scheinwerfer (Ahmed Soura) beziehungsweise Spiegel (Lamin Fofana), um die Dynamik der übermäßigen Sichtbarkeit des Schwarzen Körpers im traditionell weißen Theaterraum aufzubrechen und so die Ökonomie des Schauens und des Angeschaut-Werdens, des Schauspiels und des Zur-Schau-Stellens, des Genießens und des Genossen-Werdens zu stören.

Musikalischer Prolog: Lamin Fofana: “The Open Boat” / “And All the Birds Sing Bass” (Hommage an Binyavanga Wainaina)
Prolog: Musa Okwonga
Performance: Ahmed Soura: “Spot on Me, I Can’t Breathe”
Musik: Lamin Fofana: “You Have Confused the True and the Real”
 

Termine

Spielorte

HAU1
Stresemannstraße 29, 10963 Berlin

Zwei markierte Parkplätze vor dem Haus vorhanden. Zugang zum Parkett über separaten Eingang mit Lift möglich. Behindertengerechte Sanitäranlagen vorhanden.  Zur Anmeldung im Vorhinein wird geraten.

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