Rébecca Chaillon und Sandra Calderan, selbsternannte “Lesben vom Lande” und auch im Leben ein Paar, nehmen in dieser humorvollen Performance den Mythos der traditionellen, heterosexuellen und katholischen Familie spielerisch auseinander. Sie zeigen, wie Feminismus und “Gouinerie” (lesbische Liebe) Leben retten können – auch und gerade auf dem Land.
Während Sandra verzweifelt versucht, aus Altholz so viele kleine Häuser wie möglich zu bauen, kommt Rébecca aus der Stadt, um dem Landleben eine Chance zu geben. Umgeben von Baumaterialien, Tapeten und Gegenständen aus ihrem Alltag überlegen sie, welchen Platz sie beide in ihrem neuen Zuhause und ihrer neuen Familie einnehmen könnten.
Das Publikum wird Zeug*in ihrer Versuche, eine perfekte Familie nachzubilden – zwischen Momenten des Feierns, der Einsamkeit, der Fantasien und des Scheiterns … Nacheinander stellen sie sich gegenseitig Fragen über die geerbte, die erfundene und die selbst gewählte Familie.
Dabei bieten sie keine fertigen Lösungen an, sondern laden das Publikum ein, sich an der Suche zu beteiligen: Wie lassen sich Familien formen, wenn die eine weiß ist, mit ihrem Ex, den gemeinsamen Kindern und der neuen Familie ihres Ex zusammenlebt, während die andere Schwarz ist, in der Stadt lebt und mehr Zeit in den Theatern Frankreichs und Navarras verbringt als in ihrer eigenen Wohnung?
Mit schelmischem Humor greifen sie die katholische Ikonografie der Heiligen Familie wieder auf. In einem großzügigen szenischen Durcheinander, das ihr Leben widerspiegelt, haben sie Freude daran, traditionelle, patriarchalische, weiße, heterosexuelle “Familienmodelle” neu zusammenzusetzen. Wie in einer Fernsehserie, die sich über mehrere Staffeln erstreckt, können ihre Überlegungen jederzeit eine andere Richtung einschlagen.
Der Titel “La Gouineraie” – auf Deutsch “Der Lesbengarten” – ist sowohl von den Kirsch- und Rosengärten der Landwirtschaft inspiriert als auch von Theaterstücken wie Anton Tschechows “Der Kirschgarten”, in dem das Ende einer alten und der Beginn einer neuen Ordnung verhandelt wird. Mit “Der Lesbengarten” präsentiert sich die in Frankreich gefeierte Theatermacherin Rébecca Chaillon erstmals mit einer größeren Bühnenarbeit in Berlin – gemeinsam mit der Bühnenkünstlerin Sandra Calderan.