Was, wenn die Tragödien der Antike heute weiterleben? Drei Menschen geraten in Schicksale zwischen Krieg, Flucht und Verlust. Die Shieveh Theater Company aus Teheran verbindet reale Geschichten mit den großen Fragen nach Schuld, Macht und Verantwortung.
Die Shieveh Theater Company besteht seit über 25 Jahren und ist mit ihren Produktionen auf Festivals in der ganzen Welt zu sehen. Die Gruppe hat das HAU-Publikum bereits 2024 mit ihrer Arbeit “The Child” sehr berührt.
Auch “The Shadows” (“Die Schatten”), das im Juli 2026 bei Theater der Welt uraufgeführt wurde, verhandelt Fragen nach Schuld, Gesetz und persönlicher Verantwortung nicht theoretisch. Diese sind existenziell und politisch. Entstanden aus einer sensiblen und forschenden Auseinandersetzung mit den Bedingungen unserer heutigen Welt, basiert die Arbeit auf drei realen und dokumentierten Geschichten, deren emotionale und existenzielle Verläufe eine eindringliche Nähe zu den zeitlosen Figuren von Iokaste (Ödipus), Antigone und Medea aufweisen. Dabei verleiht sie diesen mythologischen Figuren neues Leben und lässt ihre Stimmen und Schicksale in den Krisen, Widersprüchen und Unsicherheiten unserer Zeit nachhallen. Wie prägen Erzählungen von Schicksal, Verlust, Widerstand und Verzweiflung über Jahrhunderte hinweg die menschliche Erfahrung?
Der Entstehungsprozess von “The Shadows” wurde insbesondere in den letzten Monaten tiefgreifend von den Lebenserfahrungen des künstlerischen Teams im Iran geprägt – Monate, die von zunehmender Instabilität, emotionaler Intensität und einem wachsenden Gefühl der Fragilität des Alltags gekennzeichnet waren. In dieser dichten und unruhigen Zeit spürte das Team immer deutlicher die schwere Last der Schatten, die auf ihrem Leben und ihrer Existenz lasteten. Diese Erkenntnis blieb nicht abstrakt, sondern durchdrang den kreativen Prozess und veränderte dessen Rhythmus, Tonlage und innere Dringlichkeit.
Auf diese Weise hat sich die Arbeit zu einer sensiblen Resonanz der Gegenwart gewandelt, zu einem künstlerischen Raum, in dem Erfahrung, Erinnerung und Wahrnehmung miteinander verflochten sind, in dem Verletzlichkeit zur Sprache wird und in dem das Schöpferische versucht, dem Gestalt zu geben, was oft am Rande des Sagbaren verbleibt.
Preis: 17–22 €, ermäßigt 9–12 €
Produktion: Afsaneh Mahian / Shieveh Theater Company.
Zwei markierte Parkplätze vor dem Haus vorhanden. Barrierefreie Sanitäranlagen vorhanden. Es stehen vier Relaxed Seats in der ersten Reihe des HAU2 zur Verfügung.