Die Besucher*innen betreten einen Raum, der einem afghanischen Wohnzimmer nachempfunden ist. In der Mitte liegt eine große Tischdecke auf Teppichen, auf der Keramiken von Kubra Khademi angeordnet sind. Vier Fenster an den Wänden eröffnen durch Videos einen Blick auf die Straßen Kabuls. Sie zeigen und erzählen die Geschichten dreier Frauen: Laila, die eine geheime Mädchenschule gegründet hat; Souhaila, eine Künstlerin und Sängerin; und Narges, eine ehemalige Lehrerin, die für die Freilassung ihres von den Taliban inhaftierten Ehemanns kämpft. Bildung, Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit, ihre Meinung öffentlich zu äußern, werden ihnen verwehrt. Dennoch leisten sie im Verborgenen Widerstand: Sie lernen, schaffen Kunst und geben ihr Wissen weiter.
Mithilfe von Video, Performance und einer Reihe visueller Kunstwerke lädt die immersive, performative Installation das Publikum dazu ein, den alltäglichen Widerstand der Frauen in Afghanistan angesichts systemischer Gewalt, der Einschränkung ihrer Bewegungsfreiheit und der schrittweisen Aushöhlung ihrer Rechte seit der Rückkehr der Taliban erfahrbar zu machen.
Die Arbeit erzählt von dieser fragilen und zugleich ungebrochenen Lebenskraft – manchmal verzweifelt, aber immer lebendig. Trotz Gewalt und erzwungenem Schweigen bleiben die Körper, Stimmen und Kämpfe der Frauen in Afghanistan präsent. Die Videos machen ihre Geschichten sichtbar und hörbar, während Khademis Keramiken und ihre eigene Präsenz als Performerin den Raum prägen.
Folgender Beitrag auf arte bietet einen Einblick in Kubra Khademis Arbeitsweise:
https://www.arte.tv/de/videos/102269-003-A/kubra-khademi/
Kubra Khademi ist eine afghanische Feministin, Performance- und bildende Künstlerin aus dem Volk der Hazara, die in Frankreich lebt. Ihr Werk ist geprägt von ihrem Leben als Frau und Flüchtling. Nach ihrem Studium der Bildenden Künste in Kabul und Lahore schuf sie ihre ersten öffentlichen Performances, in denen sie das Patriarchat anprangert. Im Jahr 2015 musste sie nach ihrer Performance “Armor” aus Afghanistan fliehen. Im Jahr 2020 erhielt sie die französische Staatsbürgerschaft. Sie wurde zum Chevalier des Ordens der Künste und Literatur ernannt, und ihre Arbeiten wurden seitdem in zahlreichen internationalen Institutionen gezeigt.
Mortaza Behboudi ist ein französisch-afghanischer Kriegsreporter und Filmemacher. Bekannt für sein Engagement bei der Berichterstattung aus Konfliktgebieten, wurde er 2019 in die “Forbes 30 Under 30”-Liste in der Kategorie “Medien” aufgenommen. Im Januar 2023 wurde er während eines Einsatzes in Afghanistan vom Geheimdienst der Taliban festgenommen und zehn Monate lang inhaftiert. Während seiner Haft wurde ihm von der International Association of Press Clubs der Preis für Meinungsfreiheit verliehen. Er hat das investigative Buch “Woman, Life, Freedom: A Reporter Infiltrated at the Heart of the Iranian Revolt” (Stéphane-Frantz-di-Rippel-Literaturpreis 2025) sowie “Fixers: Reporters Without Bylines” veröffentlicht.