6.–18.10. / HAU1
Die “Vessel of Love” bildet das Herzstück des Festivals: ein Ort für Begegnungen, Gespräche, Konzerte, Performances und Lectures. Inspiriert von Ursula K. Le Guins “Carrier Bag Theory of Fiction” (Tragetaschentheorie) wird das HAU1 zu einem Gefäß für unterschiedliche Stimmen, Geschichten und Perspektiven.
Im Zentrum der Vessel steht “Where Ahriman Whispers…” (2026), eine großformatige, auf Stoff gemalte Arbeit der afghanischen Künstlerin Kubra Khademi, die eigens für diesen Raum entstanden ist. Khademi arbeitet als Performerin und bildende Künstlerin und setzt sich in ihren Arbeiten mit patriarchaler Gewalt, weiblicher Selbstbestimmung, Körpern und Widerstand auseinander. Ihre Kunst ist geprägt von der Erfahrung, als Frau in Afghanistan aufzuwachsen und später ins Exil gehen zu müssen. Ihre Arbeiten verbinden persönliche Erfahrungen mit mythologischen und politischen Bildern und machen den weiblichen Körper zu einem Ort von Widerstand und Selbstermächtigung.
Die “Vessel of Love” versteht sich als ein Raum für Widerstand, Fürsorge und Verbundenheit – ein Ort für Geschichten, Stimmen und Erfahrungen und für die Frage, wie wir in einer zunehmend herzlosen Welt füreinander Sorge tragen und andere Zukünfte denken können.
Über die Arbeit in der “Vessel” sagt Khademi: “In der antiken Kosmologie der persischen Welt wird der Geist Ahriman – neben dem Buddha von Bamiyan (im heutigen Zentralafghanistan) – mit Dunkelheit, Zerstörung und Täuschung in Verbindung gebracht. Doch die Dunkelheit erscheint nicht immer als sichtbares Ungeheuer. Manchmal flüstert sie. Sie dringt ein durch Angst, Gehorsam, Schweigen, Gewalt und die Geschichten, die wir erben, darüber, wer wir werden dürfen. Meine Arbeit kehrt zur mythologischen Landschaft Persiens und Khorasans zurück – nicht um die Vergangenheit zu rekonstruieren, sondern um sie zu stören. Ich betrete die antike Welt der Drachen, Helden, Dämonen und Schlachten durch meinen eigenen Körper und hinterfrage dabei, wem historisch gesehen das Recht zugestanden wurde, die Position des Helden einzunehmen. Der Drache wird zu einer Manifestation dessen, was konfrontiert werden muss. Er trägt die angesammelte Gewalt patriarchaler Macht, religiöser Autorität, politischer Unterdrückung und der Unterdrückung von Frauen in sich. Doch die Frau, die ihm gegenübersteht, ist keine passive Figur, die auf Erlösung wartet. Sie ergreift das Schwert. Sie zieht in die Schlacht. Sie wird zur Drachentöterin.”

