Wer hat das Recht auf welchen Boden? Sophie Yukiko und ZOE nehmen die Figur der Hexe zum Ausgangspunkt und denken diese durch Voguing als widerständige Figur weiter. “BODEN” erzählt von Enteignung, Ausschluss und der Suche nach Zugehörigkeit.
Die feministische Aktivistin und Autorin Silvia Federici beschreibt, wie sich mit der Ära der europäischen Hexenverfolgung ein grundlegender Wandel im Verhältnis zu Land, Gemeinschaft, Besitz und Boden vollzog. Gemeinschaftlich genutztes Land wurde zunehmend privatisiert, soziale Strukturen aufgebrochen und neue Formen von Eigentum und Kontrolle etabliert. Für Federici steht die Verfolgung und Ermordung von Frauen als Hexen im Zusammenhang mit einer Epoche der Gewalt, Enteignung und Verdrängung.
“BODEN” spürt diesen historischen Verflechtungen nach und fragt danach, wie sich die deutsche Nation und ihr Nationalverständnis herausgebildet haben – und mit ihnen die Konstruktion eines “Nicht-Deutschen”, dem Zugehörigkeit und das Recht auf Existenz auf deutschem Boden abgesprochen werden. Aus einer Schwarzen deutschen Perspektive begegnen die Künstlerinnen Sophie Yukiko und ZOE diesen Themen über die Figur der Hexe. Mit Voguing, einer Tanzform der queeren Ballroom-Kultur, greifen sie die Hexe als widerständige Figur auf und richten den Blick auf Enteignung, Ausschluss und die Frage, wem Land, Geschichte und Zugehörigkeit gehören.
Sophie Yukiko ist eine deutsch-US-amerikanische Künstlerin und arbeitet im Bereich Film und Theater. In ihren Arbeiten setzt sie sich mit dem Konzept des Rituals und mit der Clubkultur auseinander – Themen, die sie über Tanz und Text verhandelt. Während ihrer professionellen Karriere als Tänzerin wurde sie Teil der Ballroom-Szene und widmete sich fortan Kontexten politischer Kunst.
ZOE ist eine interdisziplinäre Performance-Künstlerin und Kuratorin aus Düsseldorf. In ihren Arbeiten reflektiert sie über Rehabilitation, Transformation und die (Rück-)Aneignung von Körper und Raum sowie das Verhältnis von Macht und Marginalisierung. Ihre Kunst ist für sie eine Sprache des Widerstands, die Narrative hinterfragt, Leerräume füllt und Erzählungen erweitert: um die Perspektive, Sichtbarkeit und Souveränität strukturell diskriminierter Lebensrealitäten und Communities in den Fokus zu stellen. ZOE gehört zur ersten Ballroom-Generation in Deutschland und gilt als eine der Leitfiguren für die Kultur im deutschsprachigen Raum.