Spät nachts in einer Bar, die es eigentlich gar nicht gibt, fließen Drinks, Worte, Tränen, Träume und unerwünschte Gedanken durcheinander. Forced Entertainment entwerfen ein flirrendes, körperlich-visuelles Porträt unserer Gegenwart: Wirtschaft am Abgrund, Städte in Trümmern, gebrochene Herzen, verpasste Chancen – in der Welt da draußen ist etwas schiefgelaufen.
Mit “Everything Must Go” knüpfen die Pioniere des britischen Experimentaltheaters an ihre Arbeit “Signal to Noise” an, die vor zwei Jahren auch vom HAU koproduziert und gezeigt wurde – und schließen zugleich den letzten Teil ihrer losen Trilogie ab, die mit KI-Stimmen und Lippensynchronisation arbeitet. Tim Etchells und die Gruppe verwandeln Alltagsrede in eine subversive, dadaistische Poetik, die zugleich komisch und wütend ist: körperlose, algorithmische Artikulationen treffen auf lebendige, schwitzende Körper, bis Sprache in Bewegung umschlägt und aus dem Stimmengewirr Figuren und Geschichten aufblitzen. So entsteht ein choreografiertes Wechselspiel, in dem die Gespräche sich im Kreis drehen – und immer wieder an denselben Ort zurückführen: hierher.