Spielplan

Rimini Protokoll (Helgard Haug)

All right. Good night.

Ein Stück über Verschwinden und Verlust
Mit Musik von Barbara Morgenstern in Zusammenarbeit mit dem Zafraan Ensemble

59. Theatertreffen Berlin

Theater

Deutsch / Mit englischen Übertiteln / ca. 150 Min.

Das Theater ist der Ort der Vergegenwärtigung, der Präsenz und Liveness. Jedes Bühnengeschehen ist durchdrungen von Lebendigkeit. Das Publikum kann sich Sekunde für Sekunde vergewissern: Diese Körper da auf der Bühne sind für mich da, diese Stimme spricht zu mir – jetzt, in diesem Moment. Aber: Was passiert mit dem Theater, wenn für eine Aufführung die Selbstverständlichkeit der menschlichen Präsenz verschwindet? Was bleibt dann übrig? Das internationale Passagierflugzeug MH370 der Malaysia Airlines verschwand am 8. März 2014 mit 227 Passagieren und 12 Crewmitgliedern plötzlich vom Radar. Sein Verschwinden wurde als eines der größten Luftfahrträtsel aller Zeiten bezeichnet – denn es scheint unglaublich, dass etwas so Großes in einer Welt verloren gehen kann, in der vermutlich alles und jeder unter Überwachung steht. Kurz nach dem Verschwinden des Flugzeugs schreibt der Vater der Autorin und Regisseurin seinem Enkel vier Glückwunschbriefe zum Geburtstag. Der Inhalt fast identisch; jeder Umschlag mit Sondermarke frankiert. Ein Jahr später kommt gar keine Karte, der Geburtstag war wohl vergessen worden und irgendwann bekommt diese Vergesslichkeit einen Namen und wird zur Krankheit: Demenz. In “All right. Good night.” zeichnet Helgard Haug das Verschwinden, die Suche und das Ringen mit der Ungewissheit nach − am Beispiel des verschwundenen Flugzeugs und der sich manifestierenden Demenz des eigenen Vaters. Es ist das Protokoll eines unumkehrbaren Prozesses.

Als künstlerisches Medium hat Musik eine große Tradition darin, Verschwundenes greifbar zu machen. Sei es durch ein Requiem zum Gedenken an Verstorbene oder durch einen Chor, der schon im antiken Theater bezeugend als Chronist auftrat und von kaum vorstellbaren Schlachten und göttlichen Fügungen berichtete. Für “All right. Good night.” komponiert die Elektropopmusikerin Barbara Morgenstern in Zusammenarbeit mit dem Arrangeur Davor Vincze zum ersten Mal für ein klassisches Orchester.

Was bleibt übrig? Nur Gedanken und Erinnerung? Der nackte Theaterapparat? Die Musik? 

 

Barbara Morgenstern ist elektronische Musikerin, Komponistin, Produzentin und Chorleiterin.Seit 1998 veröffentlicht sie ihre Musik, zunächst beim Berliner Label Monika Enterprise, seit 2018 bei Staatsakt. Seit 2007 leitet sie am Haus der Kulturen der Welt Berlin den “Chor der Kulturen der Welt”, für den sie komponiert, arrangiert und das Programm gestaltet. Seit 2012 arbeitet sie kontinuierlich mit Rimini Protokoll.

Zafraan steht für Musik, die das heutige Leben, die heutige Gesellschaft, die heutige Realität in all ihren Facetten reflektiert. Im Zusammenspiel mit anderen Kunstformen beobachtet, erforscht und verarbeitet Zafraan das, was uns umgibt: die Menschen, das Geschehen, die Natur, die Technologien, die Normalitäten und die Absurditäten von heute. Die aus zehn festen Mitgliedern aus Spanien, Frankreich, Neuseeland, Australien und Deutschland bestehende Gruppe formierte sich 2009 in Berlin und spielt hauptsächlich aktuelles Repertoire, das von der Kernbesetzung mit Violine, Viola, Cello, Bass, Flöte, Klarinette, Saxophon, Harfe, Klavier und Perkussion abgedeckt wird. 

Team

Konzept, Text, Regie: Helgard Haug / Komposition: Barbara Morgenstern / Orchester: Zafraan Ensemble / Bühne: Evi Bauer / Video-/Licht-Design: Marc Jungreithmeier / Sound-Design: Peter Breitenbach / Dirigat: Premil Petrović / Arrangement: Davor Branimir Vincze / Technische Leitung: Andreas Mihan / Dramaturgie: Juliane Männel / Outside Eye: Aljoscha Begrich / Recherche / Regieassistenz: Lisa Homburger / Bühnenbild Assistenz und Kostüm: Christine Ruynat / Sound Design Assistenz: Rozenn Lièvre / Hands: Johannes Benecke, Mia Rainprechter / Sprecherinnen: Emma Becker, Evi Filippou, Margot Gödrös, Ruth Reinecke, Mia Rainprechter, Louise Stölting, u.a. / Produktionsleitung: Louise Stölting / Zafraan Ensemble Musiker:innen Bühne: Matthias Badczong (Klarinette), Evi Filippou (Schlagzeug), Josa Gerhard (Violin), Martin Posegga (Saxophon), Beltane Ruiz (Kontrabass) / Zafraan Ensemble Musiker:innen Aufnahme: Josa Gerhard (Violin), Noa Niv (Posaune), Matthias Badczong (Klarinette), Liam Mallet (Flöte), Martin Posegga (Saxophon), Damir Bacikin (Trompete), Anna Viechtl (Harfe), Adam Weisman (Schlagzeug), Yumi Onda (Violine), Benedikt Bindewald (Viola Tonaufnahme), Maria Reich (Viola), Alice Dixon (Cello), Natalie Plöger (Kontrabass), Florian Juncker (Posaune) / Aufführungsrechte: schaefersphilippen Theater und Medien GbR / Musikrechte: Barbara Morgenstern © Maobeat Musikverlag/Budde Music Publishing GmbH / Dank an: Figurentheater Grashüpfer

Termine

  • Vergangen
    Premiere
    Do 16.12.2021, 19:00 / HAU1
    Fr 17.12.2021, 19:00 / HAU1
    Sa 18.12.2021, 19:00 / HAU1
    Mo 20.12.2021, 19:00 / HAU1
    Di 21.12.2021, 19:00 / HAU1
    Wiederaufnahme
    Fr 13.5.2022, 19:00 / HAU1
    Wiederaufnahme
    Sa 14.5.2022, 19:00 / HAU1
Hinweis:

Im Anschluss an die Vorführung am 14.4. findet ein Artist Talk statt.

Credits

Produktion: Rimini Apparat. Koproduktion: HAU Hebbel am Ufer, Volkstheater Wien, The Factory Manchester Künstlerhaus Mousonturm, PACT Zollverein. Gefördert durch: Hauptstadtkulturfonds, Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa. 

Spielorte

HAU1
Stresemannstraße 29, 10963 Berlin

Zwei markierte Parkplätze vor dem Haus vorhanden. Zugang zum Parkett über separaten Eingang mit Lift möglich. Barrierefreie Sanitäranlagen vorhanden. Rollstuhlfahrer*innen bitten wir, ihren Besuch bis spätestens einen Tag vor der Vorstellung anzumelden. Wir danken für Ihr Verständnis. Bitte wenden Sie sich bitte an unser Ticketing- & Service-Team unter +49 (0)30 259004-27 oder per Email an tickets@hebbel-am-ufer.de.

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