Saïdo Lehlouh verwandelt den öffentlichen Raum in eine Bühne kollektiver Energie. Entlang Hip Hop und verwandten Tanzstilen entsteht eine choreografische Intervention, die Begegnung, Vielfalt und die Kraft marginalisierter Tanzformen feiert.
Der französische Choreograf und Tänzer Saïdo Lehlouh lässt sich dabei von historischen Bezügen inspirieren: Auf den Pariser Straßen der Belle Époque tauchte eine marginalisierte, oft stigmatisierte Gemeinschaft auf, die sogenannten “Apaches Parisiens” – eine Bezeichnung, die zunächst in einem Zeitungsartikel auftauchte und von der Gruppe selbst übernommen wurde. In Anlehnung an diese Ereignisse um 1900 entwickelte Lehlouh die Tanzperformance “Apaches”.
Rund 70 bewegungsbegeisterte Berliner*innen, die über einen Open Call zusammenkommen, erproben gemeinsam mit 20 Tänzer*innen in Workshops und in “each one teach one”-Formaten verschiedene Bewegungssprachen wie Hip-Hop und verwandte Tanzstile, um diese dann als choreoprafische Intervention auf den Mehringplatz zu bringen. Die Beteiligten agieren dabei nicht nur als Individuen, sondern als Teil eines sozialen Körpers. So rücken sie Gruppendynamiken, Widerstand und Zugehörigkeit ins Zentrum. In authentischen Soli, kraftvollen Duetten und Gruppenchoreografien wird sichtbar, wie sehr Lehlouhs ästhetische Handschrift von der Kraft des Kollektivs und seiner Neugier auf neue Tanzformen geprägt ist. “Apaches” würdigt nicht-akademische und marginalisierte Tanzstile, die lange Zeit von den Bühnen der Hochkultur verdrängt wurden und weiterhin um Sichtbarkeit, Ressourcen und Anerkennung kämpfen. Gleichzeitig steht die Arbeit für Austausch, Vernetzung und die Feier des Moments sowie der Improvisation.
Die Arbeit wird seit 2018 an verschiedenen unkonventionellen Orten mit unterschiedlich großen künstlerischen Teams präsentiert und versteht sich als fortlaufende Erkundung von Spontaneität und Improvisation innerhalb anspruchsvoller künstlerischer Ausdrucksformen. Im Rahmen von “Berlin bleibt! #5” erarbeitet Lehlouh gemeinsam mit dem über 90-köpfigen Team für den Mehringplatz seine jüngste Version von “Apaches”.
Saïdo Lehlouh hat sich in den 2000er Jahren als Mitglied der Bad Trip Crew im B-Boying einen Namen gemacht. In seinen Choreografien stellt er autodidaktische und selbstbestimmte Protagonist*innen in den Mittelpunkt und lotet die Grenzen zwischen Bühne und Publikum aus. Gemeinsam mit Johanna Faye gründete er die Black Sheep Company und gehört zudem zum Leitungsteam des Centre chorégraphique national de Rennes et de Bretagne, dem collectif FAIR-E.
Im Rahmen von “Berlin bleibt #5”, einem Festival des HAU Hebbel am Ufer. Gefördert durch: Hauptstadtkulturfonds.
