Spielplan

Jonas Staal & Jan Fermon

Collectivize Facebook

Eine vorgerichtliche Anhörung

Mit Beiträgen von Paul Goodwin, Inke Arns und María Inés Plaza Lazo

Im Rahmen des Festivals “Spy on Me #2”

DialogPerformance

Englisch / Mit deutscher Simultanübersetzung / ca. 100 Min.

Mit inzwischen mehr als zwei Milliarden Nutzer*innen beeinflusst Facebook unser soziales, ökonomisches und politisches Leben auf bisher unbekannte Weise. Aus diesem Grund wollen der Künstler Jonas Staal und der Anwalt Jan Fermon eine Sammelklage einreichen, mit dem Ziel, Facebook in Gemeinbesitz zu überführen und es der Kontrolle seiner Nutzer zu unterstellen. Das Theater wird zu einem öffentlichen Verhandlungsort, an dem Staal und Fermon die Zuschauer*innen einladen, sich ihrer juristischen Initiative zur Vergesellschaftung Facebooks anzuschließen.

Facebook verletzt das Selbstbestimmungsrecht des*der Einzelnen auf mehrfache Weise. Das Unternehmen instrumentalisiert in neofeudaler Manier seine Nutzer*innen als Datenarbeiter*innen und verkauft ihre Informationen an Dritte. Das Netzwerk ist ein Bestandteil unterschiedlicher Überwachungsmaschinerien, die die Privatsphäre verletzen und demokratische Wahlen in unverhältnismäßiger Weise beeinflussen. Eines der jüngsten Beispiele dafür war Cambridge Analytica mit seiner Datenauswertung und den darauf aufbauenden zielgerichteten Kampagnen. Und nicht zuletzt hat Facebook bereitwillig autoritäre Regime wie die philippinische Duterte-Regierung beraten.

Bei der vorgerichtlichen Anhörung von “Collectivize Facebook” präsentieren Staal und Fermon ihr Vorgehen gegen Facebook und laden die Anwesenden ein, sich ihrer Klage anzuschließen, die im September 2020 in Genf beim Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen eingereicht werden soll. Im Zuge der vorgerichtlichen Anhörung werden geladene Zeug*innen die Möglichkeiten der Klageerhebung darlegen und sich spekulativ der komplizierten Frage stellen, wie Facebook künftig als globale Genossenschaft verwaltet werden könnte.

“Collectivize Facebook” verwandelt das Theater in einen kollektiven Ort der Anklage und der Spekulation. Die Zuschauer*innen können sich hier der Klage anschließen, doch zugleich fördert der Abend auch die Fantasie, sich vorzustellen, wie Facebook – ebenso wie weitere multinationale Unternehmen – als gemeinschaftliches Eigentum im öffentlichen Interesse geleitet werden könnte.

Ab dem 26. März kann sich auf collectivize.org jede*r der Sammelklage anschließen.

Jonas Staal ist bildender Künstler, dessen Arbeiten Interventionen im öffentlichen Raum, Ausstellungen, Theaterstücke, Publikationen und Vorträge umfassen. Der Rechtsanwalt Jan Fermon ist auf Strafrecht, internationales (humanitäres) Recht und Menschenrechte spezialisiert. Paul Goodwin ist Kurator, Theoretiker und Mitglied des Research Centre für Transnational Art, Identity and Nation (TrAIN). Die Autorin und Kuratorin Inke Arns ist Direktorin des Dortmunder HMKV (Hartware MedienKunstVerein). María Inés Plaza Lazo ist Kritikerin und Gründerin von “Arts of the Working Class”.

Termine

#Spy on Me #2 

Credits

Eine Auftragsarbeit des HAU Hebbel am Ufer. Produktion: Studio Jonas Staal & HAU Hebbel am Ufer.

Spielorte

HAU1
Stresemannstraße 29, 10963 Berlin

Zwei markierte Parkplätze vor dem Haus vorhanden. Zugang zum Parkett über separaten Eingang mit Lift möglich. Behindertengerechte Sanitäranlagen vorhanden.  Zur Anmeldung im Vorhinein wird geraten.

HAU3000 / Positionen, Projekte, Publikationen