Wie entstehen Urteile, und wie verändern sich Normen im gesellschaftlichen Wandel? “Gut gemacht!” bricht Wertesysteme auf und macht sichtbar, wie sich Künstler*innen die Regeln der Kunst aneignen, sie austesten und ad absurdum führen. In einer gespielten Gerichtssituation bewohnen die vier befreundeten Choreograf*innen Werke jenseits von gut und schlecht – mit Tanz, Tutorials, Schauspielszenen und autobiografischen Liedern.
“Gut Gemacht!” entfaltet sich in der visuellen Installation von Nadia Lauro, einem überdimensionalen Billardtisch, der zum Spielfeld für ein dichtes Geflecht aus Referenzen wird – von Bauchrednerei bis Stummfilm. Dabei beziehen sich Baehr, Flierl, Heisig und Sobottke auf künstlerische Arbeiten, die sich gängigen Maßstäben entziehen und jenseits von gut und schlecht existieren. So erscheint Kurt Schwitters’ “Ursonate” in einer bewusst “schlecht entsinnten” Version, Claire Vivianne Sobottke singt ein Lied der schönsten Frau West-Berlins – Tabea Blumenschein aus Ulrike Ottingers Film “Bildnis einer Trinkerin”; das Quartett performt die Schuldstruktur der Band Die Tödliche Doris als stumme Gesangsperformance zur Schallplatte. In einer Serie von Szenen eignet sich die Gruppe das Äquivalenzprinzip des Fluxus-Künstlers Robert Filliou an und testet Tutorials sowie Schauspielszenen als “gut”, “schlecht” oder “nicht gemacht”. Historische Materialien treffen auf autobiografisch gewachsene Diskurse – so greift das Quartett den Veitstanz/Feixtanz von Gabriele Stötzer (Erfurt, DDR) auf und verwebt diese mit eigenen Erfahrungen. Diese Werke stehen als Fragezeichen im Raum: wie ändert sich unser Blick, wenn sich Gesellschaft, Technologie und Produktionsbedingungen verschieben?
Presse:
“Die Performer*innen agieren hyper-körperlich, jedes Wort wird von drei Gesten begleitet, oder vielmehr simultan in drei Gesten übersetzt, als würde sprechen nie ausreichen, um verstanden zu werden; das Sprechen selbst tritt als gesamtkörperlicher Prozess auf, Silben werden aus Körpern herausgekurbelt, gehieft, gestemmt.” (Jorinde Minna Markert, Nachtkritik)