In “FRANK” erforscht Cherish Menzo das Monster als Spiegel gesellschaftlicher Ängste und Begierden. Zwischen Ritual, Horror, Karneval und Zerfall entsteht eine körperliche Performance aus Verzerrung und Widerstand – ein Tanz in einer Welt, die aus den Fugen gerät.
“Wir sind in einer fremden Welt. Nur unbeholfene Bewegungen sind möglich.” (Bayo Akomolafe)
Die Choreografin Cherish Menzo untersucht in “FRANK” – Kurzform für Frankenstein – die Figur des Monsters. Anstatt eine physische oder visuelle Darstellung des Monsters zu (re-) produzieren, erforscht sie das Monströse als Verkörperung von Überzeugungen und Erzählungen, die uns erschrecken und entsetzen – und uns zugleich anziehen. Verzerrung wird zum choreografischen Leitmotiv, das verwendet wird, um Bewegungsmaterial zu erzeugen und ein Werkzeug, um den Tanz gewissermaßen zu verschlingen und seine Struktur aufzubrechen. Menzo erforscht Prozesse des Verfalls und wie sich das langsame Zerfallen und Schwächerwerden von etwas in körperlichen Gesten einschreibt.
Der Aufführungsraum beruht auf dem Baka Gorong, einem Ort hinter den ehemaligen Plantagen und vor den Feuchtgebieten im südamerikanischen Suriname, an dem versklavte Menschen heimlich Winti-Rituale vollzogen – Rituale, die unter der niederländischen Kolonialherrschaft dämonisiert wurden – und über ihre Flucht nachdachten.
Begleitet wird Cherish Menzo von Omagbitse Omagbemi, Mulunesh und Malick Cissé –Künstler*innen unterschiedlicher Generationen. Gemeinsam erschaffen sie eine Performance zwischen Ritual, Apokalypse und Karneval, in der erzählte Identitäten hinterfragt werden. Die Tänzer*innen drücken ihr Verhältnis zur Welt durch inkohärente, fehlerhafte Bewegungen aus, inmitten eines Szenarios, das um sie herum kollabiert. In einer zunehmend instabilen Welt voller Brüche und unwahrscheinlicher Ereignisse – oft grausam und gewaltsam – werden Erinnerungen an frühe Horrorfilme wach: ein unheimliches Gefühl, ein Flackern im Dunkeln.
Wenn wir das Monster verstehen können, verstehen wir dann nicht auch die Menschen, die es erfunden haben? In ihrer jeweiligen Zeit und Erzählung, historischen Epoche und sozialen Konstruktion?
Alle Texte, (audio-)visuelles Material und weitere Informationen zu “FRANK” in Englischer, Französischer und Niederländischer Sprache finden Sie auf dieser Website: enterfrank
Pressestimmen:
“Cherish Menzo hat der Welt des Tanzes in den letzten Jahren neues Leben eingehaucht. Ihre Produktion FRANK, der letzte Teil einer Trilogie, die sich mit dem Schwarzen Körper und dem kolonialen Erbe auseinandersetzt, ist eine körperliche Erkundung des Monströsen.” Het Parool (2025)
“Menzos Mut macht ihre Neuinterpretationen von Ritualen, Zugang, Komplizenschaft und Freiheit unwiderstehlich.” Theaterkrant über FRANK (2025)
“Menzo ist eine mutige Performerin, sie hat Nerven, sie strahlt eine sehr ruhige Standhaftigkeit aus und sie hat Wichtiges zu sagen.” Lyndsey Winship, The Guardian (2022)